
- VW Nils, Forschungsfahrzeug - Volkswagen AG
Audi kündigte den Audi Urban Concept als neuen Horizont für die urbane Mobilität an und Volkswagen setzte bei seinen Überlegungen rund um ein Auto für die Ballungsräume auf den VW Nils. Gegenüber dem 1+1-Sitzer Urban Concept wurde der Nils als reiner Einsitzer entwickelt: Ein Elektrofahrzeug, das nach Ansicht des Wolfsburger Automobilbauers eine neue, faszinierende Form der Minimalmobilität widerspiegelt: Die Studie zeige mit ihrer progressiv konzipierten Alu-Space-Frame-Karosserie, Flügeltüren und freistehenden Rädern einen hohen Grad an Dynamik, gleitet dabei aber völlig emissionsfrei und geräuschlos in Richtung Zukunft. Gefördert wurde das Projekt durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Seine Publikumspremiere wurde für die 64. Internationale Automobilausstellung (IAA) angekündigt, die vom 13. September 2011 zwölf Tage lang die Autobranche in Frankfurt am Main zusammenruft.
VW Nils: Seine Details im Überblick
Die Studie VW Nils ist ein sehr kompaktes Auto, das extrem wenig Verkehrsfläche benötigt. Lang ist Nils nur 3,04 Meter und damit noch einmal rund 50 Zentimeter kürzer als der neue "Up!“ von Volkswagen. In der Breite von Rad zu Rad misst Nils 1,39 Meter; die Karosserie selbst ist nur 0,86 Meter breit. Hoch ist die Studie 1,2 Meter. Zum Vergleich: Ein Sportwagen à la Porsche 911 bringt es auf 1,31 Meter Höhe. Das Grundlayout erinnert an einen Boliden aus der Formel 1. Der Fahrer sitzt in der Mitte, der Motor hinter ihm, die Räder freistehend. Die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen sind mit rollwiderstandsoptimierten Reifen der Dimensionen 115/80 (vorn) und 125/80 (hinten) bestückt. Das Design des Nils entstand im Volkswagen Design Center Potsdam.
Designer Thomas Ingenlath, Leiter des Centers, zum Forschungsfahrzeug in der Presseverlautbarung von Volkswagen: "Nils soll optisch ein Statement setzen und eine Vision der automobilen Zukunft in die Gegenwart tragen. Einerseits musste der Wagen das Thema der Nachhaltigkeit visuell unterstreichen, andererseits sollte er einfach zukunftsorientiert aussehen und Spaß machen. Ich denke, wir haben beide Aspekte realisiert. Obwohl wir es hier mit einem für die Marke völlig neuen Karosseriekonzept zu tun haben, korrespondiert Nils 1:1 mit der Volkswagen Design-DNA." Als Beispiel dafür, die Nähe vom Nils zum VW-Design auszudrücken, dienen die Stoßfänger: Sie erinnern mit ihren schwarz eingefassten Prallflächen nicht zufällig an den neuen Kleinstwagen "Up!“.
Der VW Nils wurde auf Pendler-Distanzen zugeschnitten
Gerade einmal 460 Kilogramm bringen der VW Nils und seine Alu-Space-Frame-Karosserie auf die Waage. Das Auto, dessen Höchstgeschwindigkeit mit 130 Stundenkilometern angegeben wurde, beschleunigt in weniger als 11 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde, so der Hersteller. Dazu reichen dem Elektromotor überschaubare 15 kW Nennleistung respektive 25 kW als kurzzeitige Spitzenleistung. Mit Energie versorgt wird der Elektromotor von einer Lithium-Ionen-Batterie. Je nach Fahrweise ermöglicht die Akku-Kapazität miti hren 5,3 Kilowattstunden Reichweiten von bis zu 65 Kilometern. Eine Batterie dieser Größe ist vergleichsweise günstig und für diese Art Auto aus Sicht ihrer Kapazität ausreichend: Genug Reichweite, um von Köln nach Düsseldorf zu pendeln.
Aufgeladen wird Nils entweder an ganz normalen 230-Voltsteckdosen bei einer maximalen Ladezeit von zwei Stunden oder an einer Elektrofahrzeug-Ladestation. Beim Aufbau des elektrischen Antriebssystems konnten die Ingenieure auf ihre Erfahrungen zurückgreifen, die sie bei der Entwicklung von Studien wie dem L1 und XL1 sowie künftigen Serienfahrzeugen vom Schlage eines Golf Blue-e-Motion oder "Up!“ Blue-e-Motion gesammelt hat. Der Elektromotor wiegt 19 Kilogramm und liefert 130 Newtonmeter Drehmoment. Das Energiemanagement erfolgt über einen Hochleistungs-Pulswechselrichter, der zusammen mit dem 12-Volt-Bordnetz-DC/DC-Wandler und dem Ladegerät zu einem Integralantrieb zusammengefasst ist. Angetrieben wird die Hinterachse.
Technikdetails des VW Nils
Alle Komponenten der Antriebseinheit befinden sich kompakt in einem Träger aus Aluminium. Integriert ist die Einheit inklusive der Antriebswellen im Heckbereich des VW Nils. Der Motor, die Batterie, das einstufige Getriebe und alle anderen Komponenten bauen nach Aussagen von Volkswagen derart knapp, dass oberhalb dieser Einheit noch Platz für einen kleinen aber praktischen Kofferraum bleibt. Wie etwa beim Golf, wird die Kofferraumhaube mit dem VW-Zeichen entriegelt; in diesem Fall klappt der in Wagenfarbe gehaltene Bereich oberhalb des Rückleuchten-Moduls hoch. Der Raum ist so ausgelegt, dass der klassische Einkauf – eine Getränkekiste und eine Tasche – bequem verstaut werden kann.
Ein Blick unter die Aluminiumhaut zeigt, das Volkswagen trotz der geringen Größe des Nils auf kein für die Sicherheit relevantes Feature verzichtet hat: Das Elektronische Stabilisierungsprogramm ESP, Radführung durch Doppelquerlenkerachsen vorne und hinten, City-Notbremsfunktion für automatisches Abbremsen in Erwartung einer drohenden Kollision, automatische Distanzregelung mit programmierbarem Front-Assist-Abstandswarner, Scheibenbremsen sowie TFT-Display als Kombiinstrument, Touchscreen für das Portable Infotainment Device (PID) zur Steuerung der Funktionen Navigation, Radio, Media, Telefon, Bordrechner und zur Programmierung der Reichweite Eco und eine komplett elektronisch geregelte Heiz- und Lüftungssteuerung sind mit an Bord.
Alu-Space-Frame-Karosserie nach Vorbild des Audi A8
Die Alu-Space-Frame-Karosserie wurde als höchst wirksame Sicherheitszelle konzipiert. Die Rohkarosserie – gemeint ist die Grundstruktur ohne Anbauteile und Verglasung – wird aus Aluminium-Strangpressteilen, Aluminium-Guss und Aluminium-Blech hergestellt. Der Dachrahmen samt der Flügeltüraufhängung, ein stabiler Überrollbügel hinter dem Fahrer, der Kofferraumbereich und die vordere Spritzwand bestehen aus hochfestem Aluminium-Blech. Extrem stabil sind zudem Aluminium-Strangpressteile; sie kommen im Bereich der Seitenschweller, der Querprofile sowie der crashoptimierten Längsprofile (Vorder- und Hinterwagen) zum Einsatz. Der Träger der Antriebseinheit und weitere Elemente bestehen aus Aluminium-Gussteilen.
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VW Nils: Der falsche Weg?
Das sind alles feine Technikdetails, doch nach Ansicht eines Fachmannes sind solche Autos der falsche Weg. Sie kosten auch im Falle einer möglichen Serienfertigung so viel wie ein VW Fox oder der neue "Up!“. Doch diese bieten als Viersitzer mit großer Heckklappe eine Flexibilität in Bezug auf den zur Verfügung stehenden Raum, den VW Nils und Audi Urban Concept nicht bieten können. Zwar kann sich ein Autofahrer damit von A nach B bewegen, doch ein Kleinumzug, ein Ausflug ins Grüne zu dritt oder der Kauf neuer Ikea-Möbel lässt sich damit nicht abwickeln: Aber das fordert die Zielgruppe der jungen Menschen, die wenig Geld haben und ein Fahrzeug für alle Aufgaben wollen – anstatt eines Spielzeuges zum Luxuspreis. Der Elektro-Audi A2 Concept ist da dichter an der Realität.
