Wacholderbeere: klein, aber fein als Gewürz und Heilmittel

Wacholderbeere, getrocknet - segovax/pixelio.de
Wacholderbeere, getrocknet - segovax/pixelio.de
Wacholderbeeren geben als Gewürz vielen Speisen ein herrliches Aroma, gleichzeitig entfalten sie ihre Wirkung als Heilmittel und entgiften unseren Körper.

Betrachtet man die kleine blauschwarze Beere, die botanisch korrekt eigentlich ein Zapfen ist, würde man nicht vermuten, welche Kraft in ihr steckt. Sie wirkt ziemlich unscheinbar. Aber sie hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich: ätherische Öle, Gerbstoffe, Flavonglykoside, Harz und Zucker. Was so wissenschaftlich klingt, bedeutet praktisch, dass sie als Gewürz ein leicht harzig und holzig-süßes Aroma entfaltet und in unserem Körper durch Anregung der Nierentätigkeit einen Reinigungsprozess in Gang setzt, der sich positiv auf den gesamten Organismus auswirkt.

Die kleine Beere sitzt am Strauch zwischen den spitzen und stechenden Nadeln des Wacholders, was die Ernte etwas unangenehm macht. Aber um sie haltbar zu machen, wird sie getrocknet, und in dieser Form gibt es sie bequemer Weise zu kaufen. Ihre lange Tradition als Küchengewürz und Heilmittel ist es wert, einen kurzen Ausflug in die Vergangenheit zu machen.

Wacholderbeeren gegen Pest und Teufel

Unsere Vorfahren, die noch keine medizinische Versorgung, wie sie heute für uns selbstverständlich ist, kannten, waren hauptsächlich auf die Heilkräfte der in ihrem Lebensumfeld vorkommenden Pflanzen angewiesen. Dementsprechend hoch war auch die Wertschätzung, die sie ihnen entgegenbrachten.

Mythische Vorstellungen, Aberglaube und die tatsächlichen Erfahrungen mit seiner heilkräftigen Wirkung haben sich wohl vermischt, wenn unsere Vorfahren in dem Wacholder einen guten Geist verehrten, der die Zauberkraft besaß, Hexen, Teufel und böse Geister zu vertreiben, die ihnen in Form von Krankheit und Unbill das Leben schwer machten.

In der Volksmedizin wurde dem Wacholder ein so hoher Stellenwert eingeräumt, dass sie empfahl, vor dem Holunder den Hut abzuziehen, aber vor dem Wacholder sogar das Knie zu beugen. Mit Wacholder wurde in Krankenzimmern und Viehställen geräuchert. Die Beeren wurden auf glühenden Kohlen verbrannt oder in offenen Körben aufgehängt und immer wieder umgerührt, wenn Seuchen oder Epidemien das Leben bedrohten.

Die große Rolle, die die kleine Beere in der Vergangenheit spielte, belegt unter vielen anderen auch eine Sage aus Niederösterreich: Als die Pest ganze Landstriche entvölkerte, soll Gott den Menschen, die um Erbarmen flehten, einen Vogel geschickt haben, der ihnen riet: "Eßt Granabier (Anm.: Wacholderbeeren) und Bibernell / Dann sterbt ihr nicht so schnell!"

Wacholderbeeren - Küchengewürz und Kraftwerk für unsere Gesundheit

Gewürze sind das Tüpfchen auf dem "i" unserer Speisen. Von ihnen hängt es oft ab, ob das Menü gelungen ist oder nicht. Was wir manchmal zu wenig beachten, ist der zweite Grund, warum sie ursprünglich Eingang in die Küche gefunden haben. Gewürze sind gleichzeitig meist Heilpflanzen, die ihre gesundheitsfördernde Wirkung auch in der Küche entfalten. Die kleine Wacholderbeere hat sowohl punkto Aroma als auch Gesundsheitseffekt bemerkenswerte Qualitäten.

Mit ihrem harzigen und holzig-süßen Akzent verfeinert sie besonders Wildgerichte, Fisch, Saucen, Pasteten und Sauerkraut. Je nach Region und Gusto wird sie auch bei der Zubereitung anderer Speisen verwendet. Rote Rüben, Rotkraut, Gurken und Innereien profitieren ebenso von ihrem Aroma wie eingelegtes Gemüse, wo sie als Teil einer Gewürzmischung beliebt ist. Zusätzlich zu dem guten Geschmack, den sie den Speisen verleiht, stärkt sie den Magen und regt die Verdauung an.

Wem es nicht genügt, die Wacholderbeeren nur fallweise als Küchengewürz zu verwenden und sie intensiver für seine Gesundheit nutzen will, kann sie als Tee zubereiten oder Mus und Saft aus ihnen herstellen. Das Wirkungsspektrum der Wacholderbeere ist breit. Sie reinigt Leber und Nieren, hilft Verschleimungen zu lösen, unterstützt die Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse und die Genesung bei Darmstörungen und Blasenleiden. Kräuterpfarrer Weidinger aus dem Waldviertel empfiehlt zur Steigerung der Abwehrkräfte und Belebung des Stoffwechsels sowie bei Erkrankungen der Atmungsorgane eine dreiwöchige Kur mit dem Tee von Wacholderbeeren.

ZUR BEACHTUNG: Wacholder darf nicht überdosiert werden, weil sich sein positiver Effekt sonst umkehrt und er zu Nierenreizungen führen kann. Außerdem sollte er in der Schwangerschaft und bei akuten und chronischen Nierenleiden nicht verwendet werden.

TIPP: Bei Sodbrennen drei Wacholderbeeren langsam und gut kauen, dann schlucken. Hilft auch gegen Mundgeruch.

Und wer noch immer nicht genug von den kleinen Beeren hat, kann ihre spezielle Note auch in hochprozentigen Getränken genießen und greift zu Wacholderschnaps wie Steinhäger, Genever oder Gin. Auch hier wird von einer Überdosierung abgeraten.

Wacholderbeeren - eine kleine Geschichte am Rande

Wacholderbeeren entfalten ihr Aroma nicht nur als Gewürzbeigabe, sondern indirekt auch auf Umwegen. Im Herbst, wenn sich die Wacholderdrosseln über die reifen Beeren des Wacholders hermachen, soll ihr Fleisch einen besonders würzigen Geschmack bekommen. Von Kaiser Ferdinand I. wird berichtet, dass er deshalb zur "Kramsvogelzeit" täglich auf seiner Tafel gebratene Schenkel von Wacholderdrosseln wünschte. Nachahmung nicht empfohlen! Wacholderdrosseln fallen zwar unter das Jagdgesetz, genießen aber eine ganzjährige Schonzeit.

Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - ersetzen können.

Christa Cerni - Dipl.Lebens- u. Sozialberaterin - Homepage: "Weniger Stress - mehr Lebensfreude"

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