Wachstum und Nachhaltigkeit

Wie die Bundesregierung aus der Krise kommen will

Popdalie - Joachim Kath
Popdalie - Joachim Kath
Mehr Wachstum und zugleich Nachhaltigkeit als Regierungsprogramm kann leicht zu widersprüchlichen Anstrengungen führen und langfristig sinnvolle Ziele verfehlen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert in ihren Ansprachen und Reden immer wieder mehr Wachstum und mehr Nachhaltigkeit, um klug aus der Krise zu kommen. Was meint sie eigentlich damit? Bedeutet mehr Wirtschaftswachstum nicht zugleich eine Gefahr für nachhaltiges wirtschaften? Oder ist mit Wachstum gar kein quantitatives, sondern nur qualitatives Wachstum gemeint, also gar nicht mehr Produktion und Umsatz, sondern mehr Innovationen, die vor allem die Nachhaltigkeit verbessern? Oder geht es gar nur um Wachstum bei der Bildung, also um mehr Wissen, wo doch gerade die Studenten für eine Reduzierung des Lehrstoffes in den Bachelor-Studiengängen protestiert haben?

Was ist überhaupt Wachstum?

Grundsätzlich und mathematisch wird unter Wachstum der Anstieg einer bestimmten Messgröße im Zeitverlauf verstanden. Dieser Anstieg kann beispielsweise linear, also konstant, exponentiell, also proportional, oder auch zeitlich begrenzt erfolgen. Wenn die Politiker von Wachstum sprechen, meinen sie in der Regel das Wirtschaftswachstum, also die nominale Veränderung des Bruttoinlandsproduktes. Dieses so genannte BIP, so die wirtschaftspolitische Vorstellung, sollte wieder exponentiell in Zukunft steigen, damit aus der Krise herausgefunden werden kann. Im Jahre 2009 gab es in der Eurozone ein Minuswachstum von vier Prozent und in Deutschland sogar von 5,4 Prozent. Für 2010 wird ein geringes Wachstum prognostiziert, das jedoch voraussichtlich weit unter der Wachstumsmarke von zwei Prozent bleiben wird, ab der erst ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen abgebremst würde.

Das Problem bei dem Wachstumsbegriff ist, dass viele Politiker nicht zwischen quantitativem und qualitativem Wachstum unterscheiden. Die Abwrackprämie wurde zwar anfangs als Umweltprämie verkauft, war aber in Wahrheit weiter nichts als ein Instrument zur Erhöhung der Nachfrage. Hatte also mit qualitativem Wachstum, das der Nachhaltigkeit dient, nichts zu tun.

Was ist Nachhaltigkeit?

In den 90er Jahren wurde der Begriff der Nachhaltigkeit noch allein im Parteiprogramm der Grünen gefunden, doch schon ab 2002 hatten sämtliche Parteien ihn übernommen. Was wird eigentlich genau darunter verstanden? Nun, es ist ursprünglich ein Begriff aus der Forstwirtschaft. Man wollte damit beschreiben, dass man nur so viele Bäume fällen sollte wie auch wieder nachwachsen. Bekanntlich wird in vielen Ländern der Welt dieses sinnvolle Prinzip ignoriert. Die für den Klimaschutz wichtigen Wälder werden nach wie vor abgeholzt und nicht in für die Nachhaltigkeit notwendigem Maße aufgeforstet.

Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

Im Mittelpunkt dieses Modells stehen drei Dimensionen: ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Bei der ökologischen Nachhaltigkeit wird davon ausgegangen, dass die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen nur in dem Maße beansprucht werden, in dem sich diese regenerieren. Die ökonomische Nachhaltigkeit bezieht sich darauf, dass eine Gesellschaft nicht auf Kosten nachfolgender Generationen und damit über ihre wirtschaftlichen Verhältnisse leben sollte. Und die soziale Nachhaltigkeit geht davon aus, dass in einer Demokratie die sozialen Spannungen auf friedliche Weise gelöst werden können.

Die politische Umsetzung des Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit durch die schwarz-gelbe Koalition wird gegenwärtig kritisch gesehen, weil der Gedanke der Wachstumsbeschleunigung durch höhere Staatsschulden in wesentlichen Punkten nicht mit den langfristigen Zielen nachhaltiger Politik für Umwelt und Generationengerechtigkeit übereinstimmt.

Joachim Kath, Joachim Kath

Joachim Kath - Neben meinem Brotberuf als Strategy Consultant habe ich als freier Journalist und Buchautor gearbeitet. Ein Dutzend meiner Sachbücher ...

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