Wachtelkönig: pressebekannter Vogel

Kaum ein Bürger hat jemals eine Wiesenralle gesehen

Porträt eines Wasserkönigs - Gerhard Ott
Porträt eines Wasserkönigs - Gerhard Ott
Der Vogel namens Wachtelkönig ist in den Medien bekannter als bei Spaziergängern in der Natur. Informationen über eine gefährdete Vogelart.

Er ist ein wenig größer als eine Wachtel. Früher hielten die Menschen in gemischten Schwärmen den größten für den König. So wird anekdotisch der Name Wachtelkönig erklärt. Wiesenralle ist der weniger spektakuläre Name für den nicht mal 30 Zentimeter großen Vogel; in manchen Gegenden auch Wiesenknarrer genannt. Die Ornithologen, also Vogelkundler, nennen ihn wissenschaftlich Crex crex. Alle diese Namen gehen auf den Ruf der Männchen zurück: Deren schnarrender Ruf klingt, als wenn man mit einem Holzstab über die Zinken eines starken Kammes streicht. Für Vogelkundler ist sein zweisilbiges "(K)rerrp-(k)rerrp" – und zwar häufiger nachts als tagsüber – unverkennbar.

Er ist mehr aus der Tagespresse bekannt. Mit Fledermaus, Großtrappe, Kammmolch und Feldhamster hat er gemeinsam, dass er schon mehrfach große Bauprojekte stoppen sollte. Gesehen hat ihn bisher kaum ein Bürger.

Wachtelkönig ein gefährdeter Vogel Europas

Der Wachtelkönig bewohnt fast ganz Europa — mit Ausnahme der drei südlichen Halbinseln sowie Mittel- und Nordskandinavien — und Westasien. Sein Gefieder ist vorherrschend gelblich bis rahmfarben, oberseits schwarzbraun und ölgrau gefleckt, mit rostbraunen Flügeln, aschgrau an Kopf und Brust, rostrot gebändert an den Flanken und Unterschwanzdecken. Der Vogel hat lichtbraune Augen, einen gelblichen Schnabel und bleigraue Beine mit gelblichen Zehen. Damit ist er in seinem Lebensraum optimal getarnt und macht Darwins Lehre von der Anpassung in der Evolution alle Ehre.

Rallenvögel sind Laufvögel

Wachtelkönige leben bevorzugt in Feldern und Wiesen des Flachlandes. In seinem Lebensraum ist er zu einem echten Laufvogel geworden. Ähnlich wie seine familiären Verwandten, den Rallen (Rallidae) läuft er mit eingezogenem Hals und gesenktem, nickendem Kopf. Wasserralle, Teichhühner und Blässhühner machen es auch so. Der Wachtelkönig verbirgt sich tagsüber im hohen Bodenwuchs und wird erst in der Dämmerung munter. Auf ausgetretenen Pfaden schlüpft in Grastunneln dahin. Kein schwankender Halm verrät seinen Lauf, und nur äußerst selten bekommt man ihn zu Gesicht. Für Naturfotografen ist er eine Herausforderung.

Zum Auffliegen bequemt er sich nur in höchster Not und Gefahr und schwirrt dann rasch und niedrig mit hängenden Beinen der nächsten Deckung zu. Wie alle Rallen beherrscht er im hohen Maße die Kunst des Sichdrückens und vertraut sehr auf seine Schutzfarbe. Er frisst Schnecken, Raupen, Käfer, Spinnen, Heuschrecken und Mäuse; auch Regenwürmer und Eidechsen stehen auf seiner Speisekarte, die ergänzt wird durch Wildkrautsamen und Getreidekörner. Gelegentlich plündert er sogar Nester anderer Bodenbrüter.

Großes Gelege und doch gefährdet

Der Nestbau ist gar nicht besonders königlich. Eine Bodengrube, die etwas mit den Krallen ausgescharrt und mit ein paar Grashalmen bestückt ist, reicht dem Paar für oft mehr als zehn Eier. Bei der hohen Eizahl sollte man annehmen, der Vogel sei nicht in seinem Bestand gefährdet. Allerdings erreichen bis zu zwei Drittel der Jungvögel das fortpflanzungsfähige Alter nicht. Hinzu kommt, dass naturbelassene Wiesen als natürliche Habitate in ausreichender Größe im Kulturland immer seltener werden. Nur in Gegenden mit geeigneter Bodenvegetation findet der Wachtelkönig ausreichend hohen Bewuchs zur Deckung. Die besonders bevorzugten Wiesen mit Seggen- oder Pfeifgengras-Wiesen werden immer seltener. Als Zugvogel überwintert der Wachtelkönig in den Mittelmeerländern und im tropischen und südlichen Afrika. Auch dort ist er nicht sicher: Im Mittelmeer-Raum wird er gejagt. In Ägypten werden Tausende in Netzen gefangen. Wie Wachteln landen sie auf dem Teller.

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

rss