
- Fans im Gedränge - wortinspektor.com
Bereits zum 21. Mal treffen sich die Metalfans aus aller Welt, um im Kuhkaff Wacken den Acker zu rocken. Nach dem Wacken-Jubiläum im letzten Jahr hat man im Billing zwar einen Gang zurückgeschaltet, doch noch immer lesen sich die Bandnamen wie ein Who is Who der aktuellen Metalszene. Iron Maiden, die in Kürze ihr 15. Studioalbum unters Volk bringen werden, sind wohl der bekannteste Act. Bereits 2008 hatten sie in Wacken den Headliner-Status und haben 75.000 Fans den Soundtrack zum Gedränge geliefert. Damals war der Andrang beim Wacken derartig groß, dass Besucher später in Leserbriefen an das Rock Hard Magazin von Panik vor der Bühne sprachen. „Ich bin schon auf vielen Konzerten gewesen und habe viel erlebt, aber was hier passierte war unvorstellbar … Man wurde so zusammengequetscht, dass man keine Luft mehr bekam – totale Panik!“
Angst vor Massenpanik beim Wacken 2010
Speziell nach den Vorfällen auf der diesjährigen Loveparade sind alle besonders alarmiert und die Öffentlichkeit wird genau schauen, wie sicher Wacken ist. Auch wenn es a) unwahrscheinlich ist, dass sich derartige Unglücke häufen, b) die Veranstalter über 20 Jahre Erfahrung haben und c) Metalfans meist sehr konzerterfahren sind, stehen die Veranstalter jetzt natürlich unter einem hohen Druck. Klar, kann bei über 70.000 Gästen und der zehnfachen Menge an Bier einiges schiefgehen. Absehbar ist das aber nicht. Gestern hieß es auf der Wacken Homepage, dass der bisherige Zulauf von Besuchern in geordneten Bahnen läuft. Wie sich das heute, wenn die ersten Bands spielen und die Wacken Fire Fighters traditionell das Konzert eröffnen ändern wird, wird sich zeigen. Das Wetter könnte auf jeden Fall besser sein: Aktuelle Prognosen deuten auf eine eher feuchte Angelegenheit hin.
Über 100 Bands beim Wacken Festival
Neben besagten Iron Maiden sind auch weitere Großkaliber im Angebot. Slayer, Mötley Crue und Alice Cooper werden auf dem Mega Event die Armee der Metalbands anführen. Dass es niemandem gelingen wird, auch nur annähernd alle seine Favoriten zu erleben, ist eh klar. Die Aufteilung auf insgesamt vier Hauptbühnen und diverse Nebenkriegsschauplätze macht es unmöglich, ein sinnvolles Programm zusammenzustellen. Hier zeigt sich, dass das Motto „Viel hilft viel“ hier nicht funktioniert. Je mehr Bands auf dem Billing sind, desto mehr verpasst man.
Der optimale Wacken-Festivalplan
Auf der Wacken-Homepage kann man sich einen individuellen Spielplan zusammenstellen. Nachdem man angeklickt hat, wen man sehen möchte, zeigt der Planer die nötigen Bühnenwechsel sowie Überschneidungen in der Spielzeit an. Im Selbsttest hätte der Autor dieser Zeilen bei gewünschten 15 Bands nur 10 sehen können und dafür auch zehn mal die Bühne wechseln müssen. Im Endeffekt werden es dann 3 Wunschbands und 10 zufällig mitgenommene Bands, was das Preis/Leistungsverhältnis zum Eintrittspreis von 130 Euro wieder in ein anderes Licht rückt.
Die Wacken-Party
Der Hauptgrund für viele, Wacken zu besuchen, ist neben der Musik vor allem das Gemeinschaftserlebnis, das Feiern und ein Wochenende unter Gleichgesinnten. Bei einer Größenordnung wie dieser kann jedoch von familiärer Atmosphäre, wie beispielsweise auf dem „Headbangers Open Air“, dem „Rock Hard Festival“ oder dem „Keep it True“ mit nur wenigen Tausend Besuchern nicht die Rede sein. Bereits 2002, als das Wacken 40, statt wie im Vorjahr 30-tausend Besucher anzog, gab es eine Diskussion über Preissteigerungen und den Ausverkauf des ehemaligen Kultfestivals.
Wacken und das Rock Hard
Im Rock Hard wurden die Veranstalter zu den Vorwürfen der Abzocke 2002 interviewt und verteidigten sich vehement. In Ausgabe Nr.185 aus dem Oktober 2002 kann man neben diesem Interview auch im Vorwort von Chefredakteur Götz Kühnemund lesen, dass das Motto der vom Rock Hard gegründeten Hard Union „Festivals von Fans für Fans“ zu veranstalten, bei den Wacken-Organisatoren nicht mehr ausreichend beherzigt wird. „Wir wollen verhindern, dass das Wacken Open Air zu einem Abzocker-Festival verkommt.“ Zu diesem Zweck sagt das Rock Hard die Präsentation des Wacken für das kommende Jahr ab und verliert, so wie von Kühnemund befürchtet, diesen Posten an die Konkurrenz. Heute präsentiert der Metal Hammer (aus dem Hause Springer) das Wacken Festival. Der Versuch ist gescheitert.
Erfolg verpflichtet – auch ein Festival wie das Wacken
Schuld am Gigantismus sind letztendlich auch die Besucher, die bereit sind, hohe Preise zu zahlen, immer wieder Top-Bands verlangen und den Druck erhöhen, von Jahr zu Jahr mehr zu bieten. Die Angst sich nur zu wiederholen und einen – womöglich folgenschweren – Besucherrückgang zu erleben, ist vermutlich stets präsent. Es kostet einen Veranstalter, der ein Festival über die Jahre profitabel gemacht hat, viel Kraft, sich selbst zu limitieren und auf zusätzliche Besucher und Einnahmen zu verzichten. Wenn das Wacken 2010 in ein paar Tagen vorbei ist, wird man Bilanz ziehen können.
