
- Berlin Brandenburger Tor - pixelio.de - Rainer Sturm
Im Bundesland Berlin heißt das Landesparlament Abgeordnetenhaus. Es wird am 18. September 2011 neu gewählt und hat - ohne Überhang- oder Ausgleichsmandate - 130 Mitglieder. Die Sitzungen des Abgeordnetenhauses finden im Gebäude des ehemaligen Preußischen Landtags statt.
Einige Informationen zum Wahlrecht
Jeder Wähler hat zwei Stimmen. Die Wahlkreisstimme entscheidet, wer als Abgeordneter direkt ins Parlament einzieht. Gewählt ist, wer die meisten Stimmen in einem der 78 Wahlkreise auf sich vereinigen kann. Mit der Zweitstimme wird über die restlichen 52 Mandatsträger entschieden, die über die Landes- oder Bezirkslisten der Parteien ins Abgeordnetenhaus einziehen. Dabei ist die Fünf-Prozent-Klausel zu beachten.
Das Ergebnis der Wahl zum Abgeordnetenhaus 2006
Bei der letzten Wahl in Berlin erzielten die Parteien folgende Ergebnisse (in Prozent der Zweitstimmen):
- Sozialdemokratische Partei: 30,8
- Christlich Demokratische Union: 21,3
- Die Linke: 13,4
- Bündnis 90/Die Grünen: 13,1
- Freie Demokratische Partei: 7,6
- Die Grauen – Graue Panther: 3,8
- Arbeit & soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative: 2,9
- Nationaldemokratische Partei: 2,6
- Die Republikaner: 0,9
- Partei Mensch Umwelt Tierschutz: 0,8
- Elternpartei: 0,7
- Bildungspartei: 0,3
- Feministische Partei Die Frauen: 0,3
- Anarchistische Pogo-Partei: 0,3
- Partei der Arbeitswilligen und Sozial Schwachen: 0,2
- Allianz für Gesundheit, Frieden und soziale Gerechtigkeit: 0,2
- Bürgerrechtsbewegung Solidarität: 0,2
- Partei Rechtsstaatlicher Offensive: 0,1
- Deutsche Arbeitslosenpartei: 0,1
- Humanwirtschaftspartei: 0,1
- Ökologisch Demokratische Partei: 0,1
- Neues Forum: unter 0,1
- Partei für Soziale Gleichheit, Sektion der Vierten Internationale: unter 0,1
Dieses Wahlergebnis führte zu folgender Sitzverteilung: Sozialdemokratische Partei 53, Christlich Demokratische Union 37, Die Linke 23, Bündnis90/Die Grünen 23 und Freie Demokratische Partei 13 (darunter acht Überhang- und elf Ausgleichsmandate).
Welche Parteien bewerben sich 2011 um die Wählerstimmen?
Fünfunddreißig Parteien wurden vom Landeswahlausschuss zugelassen, bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin um die Wählerstimmen zu werben: die Sozialdemokratische Partei, die Christlich Demokratische Union, Die Linke, Bündnis90/Die Grünen, die Freie Demokratische Partei und zahlreiche kleinere Gruppierungen, wie zum Beispiel die Piratenpartei, die Familienpartei, die Demokratische Linke, Die Freie Union sowie die Rentnerinnen und Rentner-Partei. - Die Wahlvorschläge müssen bis spätestens 12. Juli 2011, 18.00 Uhr, bei der Landeswahlleiterin Dr. Petra Michaelis-Merzbach eingereicht werden.
Der Spitzenkandidat der Sozialdemokratischen Partei
Spitzenkandidat der Sozialdemokraten ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit. Er wurde am 1. Oktober 1953 in Berlin-Tempelhof geboren. In einfachen familiären Verhältnissen lebte er mit seinen vier Geschwistern und bekam als Erster in der Familie die Möglichkeit, das Gymnasium zu besuchen. Nach bestandenem Abitur begann Wowereit 1973 sein Jura-Studium. 1979 legte er die erste juristische Staatsprüfung, 1981 die zweite, um danach als Regierungsrat beim Senator für Inneres zu arbeiten. 1984 begann Wowereits politische Karriere: Er engagiere sich als Bezirksstadtrat in Tempelhof. Elf Jahre später wurde er erstmals als Abgeordneter in das Berliner Parlament gewählt, vier Jahr danach zum Fraktionsvorsitzenden. Am 16. Juni 2001 wählten ihn die Abgeordneten zum Regierenden Bürgermeister; dies wiederholte sich aufgrund vorgezogener Neuwahlen am 17. Januar 2002 und, nach Ablauf der Legislaturperiode, am 17. September 2006. Seit November 2009 ist Klaus Wowereit stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.
Der Spitzenkandidat der Christlich Demokratischen Union
Frank Henkel heißt der Spitzenkandidat der Christlich Demokratischen Union bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin. Henkel wurde am 16. November 1963 in Berlin geboren. Nach dem Besuch der Polytechnischen Oberschule absolvierte er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und arbeitete in der kaufmännischen Abteilung eines Großunternehmens. 1987 erwarb er die Fachhochschulreife und studierte anschließend Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Später studierte Henkel zusätzlich Public Relations und Journalismus. Im November 2001 zog er als Abgeordneter ins Berliner Parlament ein und wurde zunächst Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Partei. Bereits im September 2008 wurde Frank Henkel zum Vorsitzenden der CDU-Fraktion und im November zum Landesvorsitzenden gewählt.
Der Spitzenkandidat der Partei Die Linke
Der Spitzenkandidat der Linken ist Harald Wolf, geboren am 25. August 1956 in Offenbach am Main. Er absolvierte 1975 sein Abitur in Hanau und studierte anschließend Philosophie und Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität in Bochum. Es folgte ein Studium der Politischen Wissenschaft an der Freien Universität Berlin mit dem Abschluss Diplom-Politologe. Danach arbeitete er bei verschiedenen Berliner Unternehmen, von 1983 bis 1987 als wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Sozialforschung in Hamburg und danach als freier Publizist. Harald Wolf war politisch zunächst bei den Grünen tätig, bevor er 1999 in die Partei des Demokratischen Sozialismus, der späteren Partei Die Linke, eintrat, dessen Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus er bis August 2002 war. Heute ist Wolf als Bürgermeister in Berlin tätig.
Die Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen
Die Spitzenkandidatin der Grünen, Renate Künast, wurde am 15. Dezember 1955 in Recklinghausen/Nordrhein-Westfalen geboren. Nach ihrem Abitur studierte sie an der Fachhochschule in Düsseldorf Sozialarbeit und war anschließend zwei Jahre als Sozialarbeiterin in Berlin tätig. Später studierte Künast zusätzlich Jura. Sie schloss diese Zeit mit dem zweiten juristischen Staatsexamen 1985 ab. Renate Künast ist seitdem Rechtsanwältin. Bereits seit 1979 engagierte sie sich politisch, zunächst in der Westberliner Alternativen Liste, später als Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Als Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in den Jahren 2001 bis 2005 machte sie sich bundesweit einen Namen. Seit 18. Oktober 2005 ist Künast Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag.
Der Spitzenkandidat der Freien Demokratischen Partei
Christoph Meyer ist der diesjährige Spitzenkandidat der Freien Demokraten bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus. Er wurde 30. August 1975 in Berlin geboren, ging dort zur Schule und absolvierte 1994 sein Abitur. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann, studierte Meyer Rechtswissenschaften an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder und an der Freien Universität in Berlin. 2007 bestand der das zweite juristische Staatsexamen und wurde als Rechtsanwalt in Berlin tätig. Seit 1993 ist Christoph Meyer Mitglied der Freien Demokratischen Partei. Dem Berliner Abgeordnetenhaus gehört er seit 2002 an, wurde dort 2006 stellvertretender, 2009 Vorsitzender der FDP-Fraktion. Am 19. März 2010 wurde Meyer zum Landesvorsitzenden seiner Partei gewählt.
Lesen Sie auch: Die Wahl in Berlin wirft einen großen Schatten voraus.
Quellen:
Homepage Klaus Wowereit - Homepage von Frank Henkel - Homepage von Harald Wolf - Homepage von Renate Künast - Christoph Meyer bei der Freien Demokratischen Partei
Bildnachweis: pixelio.de - Rainer Sturm
