Am heutigen 23. Oktober 2011 wurden Herr und Frau Schweizer an die Wahlurnen gebeten. Rund 5,1 Millionen Stimmbürger hatten die Möglichkeit, über die Zusammensetzung des Nation- und Ständerates während der nächsten vierjährigen Amtsperiode zu bestimmen. Die Stimmbeteiligung lag nach neuesten Rechnungen bei rund 49,15 Prozent.

Knapp die Hälfte der Ständeratssitze noch offen

Nach dem ersten Wahlgang wird sich im Ständerat nur wenig verändern. Bislang konnten 25 der insgesamt 46 Sitze, welche sich aus je zwei Vertretern pro Kanton, beziehungsweise einem aus jedem Halbkanton zusammensetzen, besetzt werden. In den Kantonen Uri, Schwyz, Solothurn, Schaffhausen, St. Gallen, Aargau und Thurgau wird Ende November in einem zweiten Wahlgang über die Besetzung des zweiten Sitzes entschieden. In Zürich, Luzern und Wallis sind hingegen noch beide Sitze unklar.

Die neue Zusammensetzung des Ständerates

Sicher sind bisher die je sieben Sitze, die sich FDP, CVP und die SP sichern konnten. Vier Sitze gehen bislang an die SVP, wobei Vermutungen zufolge aus den noch nicht fertig ausgezählten Kantonen Bern, Tessin, Waadt und Genf weitere Sitze an die Schweizer Volkspartei gehen. Unklar ist, ob die Grünen ihre beiden Ständeratssitze in den Kantonen Genf und Waadt halten können. Auch die relativ junge GLP (Grünliberale Partei) wird bis in die zweite Runde um einen Sitz bangen müssen. Ebenfalls nicht im ersten Gang gewählt wurde SVP-Altbundesrat Christoph Blocher. Seinen Sitz im Nationalrat konnte er hingegen erfolgreich verteidigen.

Große Überraschung im Aargau

Geschlagene 63 Jahre lang wartete die Aargauer SP darauf, einen Sitz im Ständerat zu erobern. Die beliebte Nationalrätin Pascale Bruderer schaffte den Einstieg in die kleine Kammer gleich mit ihrer ersten Kandidatur. Mit 93.276 Stimmen schaffte sie es über das absolute Mehr von 89.905 Stimmen, während die bisherige Ständerätin Christine Egerzegi aus den Reihen der FDP ihre Wiederwahl im ersten Wahlgang um gerade einmal 1.083 Stimmen verpasste. Gegenüber SVP-Ständeratskandidat Ulrich Giezendanner hat sie aber gute Chancen, im zweiten Gang doch noch einen Sitz in der kleinen Kammer erobern zu können. Dies ist vor allem deshalb verwunderlich, da die SVP die wählerstärkste Partei im Aargau darstellt. Bruderer, die kürzlich Mutter wurde, will nach eigenen Aussagen ihre „Politik des Brückenbauens“ fortsetzen und sich in Bern für gute Lösungen einsetzen.

Erste Hochrechnungen zu den Nationalratswahlen

Nach den ersten Hochrechnungen der Wahlen vom 23. Oktober 2011 zählen vor allem die neueren Parteien zu den großen Gewinnern. Sowohl BDP wie GLP konnten stark an Wählerstimmen zulegen. Obwohl die SVP noch immer die wählerstärkste Partei darstellt, muss sie gegenüber den letzten Wahlen vor vier Jahren einen Einbruch von drei Prozent hinnehmen. Eine weitere Aargauer Überraschung stellte Cédric Wermuth dar. Der ehemalige JUSO-Präsident schaffte den Sprung in den Nationalrat auf Anhieb, obwohl der Kanton sonst eher für gemäßigte Politiker bekannt ist.

Quellen und Weiterführende Informationen: