
- Wahlen in Peru 2011 - Keiko Fujimori - Sabrina Železný
La china, die Chinesin, so wird Keiko Fujimori von den Peruanern oft genannt. Dass sie eigentlich japanischer Abstammung ist, spielt da keine große Rolle. Und ebenso kalt lässt es ihre Anhänger, dass Keikos Vater, der einstige Präsident Alberto Fujimori, wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption zu fünfundzwanzig Jahren Haft verurteilt im Gefängnis sitzt. Aufgrund der inhaltlichen Ähnlichkeiten der Kandidaten ist der Wahlkampf in Peru ohnehin mehr personen- als inhaltsbezogen. Im Falle von Keiko, die mit der Partei Fuerza 2011 (»Kraft 2011«) antritt, ist das aber ganz besonders deutlich. Sie spricht von Lohn- und Rentenerhöhungen und will günstige Kredite für Kleinunternehmen schaffen.
Keiko Fujimori: Mehr Bildung, mehr Krankenhäuser – aber wenig Konkretes
Für den Bildungssektor verspricht Keiko Fujimori den Bau von mehr Schulen sowie die Schaffung von mehr Stipendienmöglichkeiten. Auch die Dozenten sollen mehr Geld bekommen und besser ausgebildet werden. Sehr konkret klingt das alles nicht. Auch sonst hält sich Keiko Fujimori stark an das, was auch die Mitbewerber wie Ollanta Humala oder Alejandro Toledo versprechen. Im Gesundheitssektor will sie mehr Krankenhäuser bauen und stärker in die medizinische Infrastruktur investieren, auch die Unterernährung bei Kindern soll bekämpft werden: Löbliche Ziele, allerdings auch Allgemeinplätze im peruanischen Wahlkampf.
Thema im Wahlkampf Perus: Todesstrafe für Kinderschänder
Und Keiko scheut sich nicht, auch heiße Eisen anzufassen. Für Vergewaltiger und Kindermörder hat sie sich die Einführung der Todesstrafe auf die Fahnen geschrieben, außerdem sollen vor allem in Lima mehr Gefängnisse gebaut und insgesamt mehr Polizisten eingestellt werden. Auch hier ist Keiko Fujimori allerdings nicht die einzige, die mit dem Thema Todesstrafe in den Wahlkampf zieht. Ähnlich vage wie in den anderen Sektoren bleiben ihre Vorschläge im Wirtschaftsbereich. Das Bruttoinlandsprodukt soll jährlich um mindestens sieben Prozent steigen – Arbeitsplätze sollen geschaffen und das System der Steuerzahlung vereinfacht werden. Außerdem will Keiko Fujimori private Investitionen fördern und Korruption durch »strengere Strafen« bekämpfen.
Kritik an Keiko Fujimori
Für ihre Anhänger ist es wohl Keikos größte Stärke, für ihre Gegner ihr entscheidendster Fehler: die Tatsache, dass sie die Tochter von Alberto Fujimori ist. Für seine Anhänger ist der einstige Präsident, der von 1990 bis 2000 amtierte, derjenige, der mit dem Terrorismus des Leuchtenden Pfades aufräumte und Peru zurück in die wirtschaftliche Stabilität führte. Für seine Gegner ist er in erster Linie derjenige, der sich nicht nur in allerlei Korruptionsskandale verwickelte, sondern auch verantwortlich zeichnet für zahlreiche Morde an Zivilisten – vor allem Studenten und Dozenten -, in Peru bekannt als die Fälle von La Cantuta und Barrios Altos. Die Begnadigung ihres Vaters ist Keikos erklärtes Ziel, mobilisiert ihre Anhänger vermutlich stärker als das inhaltlich sehr dürftige politische Programm.
Dazu kommen noch weitere Details. In ihrer Zeit als Kongressabgeordnete glänzte Keiko mehr durch Abwesenheit als durch rege Beteiligung. Ihr kostspieliges Studium an US-amerikanischen Privatuniversitäten soll Alberto Fujimori seinerzeit aus der Staatskasse finanziert haben, ein entsprechendes Verfahren gegen Keiko wurde im Juli 2010 eingestellt. Punkten kann Keiko Fujimori durch ihren Namen und ihr Image als liebende Tochter und emanzipierte Ehefrau. Ob das reicht, um es in den zweiten Wahlgang zu schaffen, wird sich am 10. April 2011 zeigen.
