
- Wahlen in Peru - Humala und Fujimori weiter - Sabrina Železný
Bis zuletzt war offen, welche beiden Kandidaten sich für die Stichwahlen Anfang Juni qualifizieren würden. Gleich fünf Bewerber um das Präsidentenamt lagen so dicht beieinander, dass alles möglich schien. Doch schon die ersten Hochrechnungen am Abend des Wahlsonntags am 10. April waren recht deutlich. Der ehemalige Militär Ollanta Humala (Partei: »Gana Perú«) lag demgemäß vorne.
Nationalist Humala liegt vorne, Fujimori ist Zweite
Die Mehrzahl der Stimmen ist ausgezählt. Ollanta Humala liegt mit 31,7 % auf dem ersten Platz. Seine Konkurrentin im zweiten Wahlgang wird Keiko Fujimori sein (Partei: »Fuerza 2011«), die Tochter des zu fünfundzwanzig Jahren Haft verurteilten ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori. Der ehemalige Premierminister Pedro Pablo Kuczynski erreichte 18,3 %. Alejandro Toledo, der von 2001 bis 2006 schon einmal Präsident war und sich in den Umfragen lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Humala lieferte, erreichte nur 15,7 %, Limas ehemaliger Bürgermeister Luis Castañeda ist mit nur 9,9 % der Stimmen weit entfernt von seiner einstigen Favoritenrolle. Dies besagen die Zahlen der Initiative »Transparencia«.
Mario Vargas Llosa spricht von Konfrontation der Extremen
Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa hatte schon im Voraus das Szenario einer möglichen Stichwahl zwischen Ollanta Humala und Keiko Fujimori kommentiert. Dies wäre eine Wahl zwischen Krebs und AIDS, sagte er voraus. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse hat sich Vargas Llosa bereits erneut geäußert. Es sei eine Konfrontation der extremen Positionen, sagte er, die extreme Linke gegen die extreme Rechte.
Humala im Kurzporträt
Dabei ist das Phänomen Ollanta Humala längst nicht einfach als Kandidat einer in Peru ohnehin schwachen und kaum organisierten Linken zu begreifen. Der ehemalige Militär war im Jahr 2000 an einem Putschversuch beteiligt. Seine Familie vertritt offen Homophobie und Antisemitismus, und sein stark nationalistischer Diskurs lässt Nachbarland Chile bereits jetzt angespannte Beziehungen zu Peru befürchten, sollte Humala sich im zweiten Wahlgang wirklich durchsetzen. Auch seine Ankündigung, die bestehende Verfassung zugunsten einer Reform erst einmal zu annullieren, sorgt für Unbehagen.
Keiko Fujimori im Kurzporträt
Keiko Fujimori hingegen scheint gewillt, die autoritäre Politik ihres Vaters Alberto Fujimori (Präsident von 1990 bis 2000) fortzusetzen. Ihr Weg zu mehr Sicherheit führt über den Bau neuer Gefängnisse, ihre sonstigen Wahlversprechen heben sich ansonsten nicht sehr von denen der anderen Kandidaten ab. Während ihrer Zeit als Kongressabgeordnete glänzte Keiko vor allem durch Abwesenheit, und dass sie als Präsidentin die Begnadigung ihres wegen Menschenrechtsverletzungen einsitzenden Vaters durchsetzen will, ist ein offenes Geheimnis.
Stichwahl am 5. Juni 2011
Extreme Positionen treffen also in der Tat aufeinander. Für den Viertplatzierten Alejandro Toledo ist das Ergebnis das Ausdruck von Verärgerung und Unzufriedenheit. Eine Frustwahl? Dass trotz Wahlpflicht die Wahlbeteiligung nur bei 85 % lag, mag ebenfalls ein vielsagendes Detail sein. Es bedeutet, dass rund 15 % der wahlberechtigten Peruaner lieber eine Geldstrafe zahlten als ihre Stimme einem der Kandidaten zu geben.
Wie wird es nun am 5. Juni weitergehen? Hätte jemand anders als Keiko Fujimori die zweite Runde erreicht, könnte man wohl mit einer Alle-gegen-Ollanta-Allianz rechnen – etwas ähnliches ist 2006 passiert, damals gewann Noch-Präsident Alan García im zweiten Wahlgang. Doch Fujimori polarisiert ebenso wie Humala, für viele Peruaner ist die Wahl für das kleinere Übel schwer zu treffen. Selbst vehementen Gegnern der einen Seite ist die Unterstützung der jeweils anderen dennoch ein Graus. Für die Stichwahl im Juni scheint somit noch alles offen.
