
- Rathaus von Walbrzych - Harald Rossa
Die Stadt Walbrzych, deutsch Waldenburg genannt, liegt zwischen dem Riesengebirge und dem Eulengebirge in Schlesien.
Die Gründung der Stadt Waldenburg
Waldenburg wurde um 1290 unter Herzog Bolko I. gegründet. Von 1305 stammt die erste urkundliche Nennung als „Waldenberc“. Der Ort unterstand den Herren von Waldenburg, die auf der Burg Neuhaus saßen. Die wurde 1365 erstmals erwähnt. 1372 gab es in Waldenburg eine Pfarrkirche. Die stand vermutlich an der Stelle der heutigen Marienkirche.
Unter böhmischer Herrschaft
Mit dem Herzogtum Schweidnitz fiel Waldenburg 1392 dem Königreich Böhmen zu. Von 1529 stammen die ersten Nachrichten über den Bergbau in der Stadt. 1545 erhielt Waldenburg auf Betreiben des damaligen Grundherrn Sigismund von Czettritz vom böhmischen König Ferdinand I. das Brauprivileg und andere Handwerksrechte. Ab 1604 ließ Diprand von Czettritz das Schloss in Oberwaldenburg bauen, das 1628 fertig wurde. Seit 1675 führt Waldenburg ein Stadtwappen. 1696 gewährte der böhmische König Kaiser Leopold I. der Stadt Waldenburg einen Wochenmarkt und zwei Jahrmärkte. 1738 erwarb Graf Konrad Ernst Maximilian von Hochberg auf Fürstenstein Oberwaldenburg. Etwa seit 1700 entwickelte sich Waldenburg zu einem Zentrum der Leineweberei und des Handels mit Leinwand. 1818 nahm hier die erste mechanische Flachsgarnspinnerei Europas den Betrieb auf.
Waldenburg kam 1742 zu Preußen
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg wurden der größte Teil von Schlesien und die Grafschaft Glatz preußisch. Sofort wurde in der Stadt ein protestantisches Bethaus eingerichtet. 1788 wurde die evangelische Kirche eingeweiht. Die Pläne dieses Gotteshauses stammten von Carl Gotthard Langhans. Der war u. a. Schöpfer des Brandenburger Tors in Berlin. Heinrich Ernest Freiherr von Czettritz-Neuhaus starb 1783 ohne Nachkommen. Stadt und Herrschaft Waldenburg erbten seine Neffen aus dem Adelsgeschlecht derer von Dyhrn. Sie und die Hochbergs blieben bis 1945 Großgrundbesitzer in Waldenburg. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Waldenburg seit 1815 zur Provinz Schlesien und wurde 1818 dem Landkreis Waldenburg zugeordnet. Da lebten 1.836 Menschen in der Stadt.
Waldenburg entwickelte sich früh zu einem Industriestandort
Ab 1820 entwickelten sich in Waldenburg die Porzellanhersteller Carl Tielsch und Krister Porzellan-Manufaktur. Der einst wichtige Leinenhandel verlor ständig an Bedeutung. Waldenburg entwickelte sich früh zu einer Bergbau- und Industriestadt. 1853 wurde die Eisenbahnverbindung nach Breslau eingeweiht. 1868 folgre die Verbindung mit dem böhmischen Halbstadt. 1870 förderten über 7.000 Kumpel das schwarze Gold ans Tageslicht. Und führten den bis dahin größten Streik um ihre Rechte in der deutschen Sozialgeschichte.
Ab 1898 wurde ein Netz elektrischer Straßenbahnen aufgebaut. 1902 wurde mit dem Aufbau des neuen Stadtteils Neustadt begonnen. Die Entwicklung von Bergbau- und Industrie zog viele Menschen nach Waldenburg. 1885 lebten hier rund 13.000 Menschen. 1910 waren es schon fast 20.000. Der Abbau der Kohle unter der Stadt führte zu Bergschäden. Deshalb wohnten immer mehr Menschen in den umliegenden Dörfern. Die dann nacheinander nach Waldenburg eingemeindet wurden:
- Gutsbezirk Reimswaldau (1914)
- Altwasser (1919) und Gutsbezirk Altwasser (1920)
- Teile des Gutsbezirks Seitendorf (1920)
- Gutsbezirk Oberwaldenburg (1921)
- Neu Weißstein (Kamionek) (1923)
- Hartebusch-Siedlung (1923)
- Graf-Hochberg-Schacht Fellhammer (1923)
Ab 1924 bildete Waldenburg mit rund 44.000 Einwohner einen eigenen Stadtkreis. Bis 1934 gab es weitere Eingemeindungen:
- Rest des Gutsbezirks Seitendorf (1925)
- Oberwaldenburg (1934) und
- Dittersbach (Dzietrzychów / Podgórze) mit Bärengrund
1939 wurden etwa 64.000 Einwohner gezählt.
Das polnische Walbrzych
Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Waldenburg 1945 wie fast ganz Schlesien an Polen. Die deutschen Bewohner waren teilweise bereits vor Kriegsende geflohen. Die verbliebenen Deutschen wurden zum größten Teil bis 1947 vertrieben. Neue Einwohner kamen als Heimatvertriebene aus dem Osten Polens, den die Sowjetunion nach dem Hitler-Stalin-Pakt erobert hatte.
Die Stadt wurde weiter in mehreren Wellen durch Eingemeindungen vergrößert. 1950 waren es Bialy Kamien (Weißstein), Piaskowa Góra (Sandberg), Poniatów (Seitendorf), Rusinowa (Reußendorf) und Sobiecin (Hermsdorf) und Teile von Szczawno-Zdrój, Opoka (Hartau), Glinik (Großhain), Fellhammer, Konradów (Konradsthal) und Szczawienko (Niedersalzbrunn).
1958 erfolgte die Eingemeindung des zweiten Teils von Konradów und Kozice (Neukrausendorf). 1973 wurden Glinik Nowy (Neuhain), Glinik Stary (Althain), Ksiaz (Fürstenstein) und Lubiechów (Liebichau) eingemeindet.1976 begann der Bau des neuen Stadtteils „Podzamcze“. Bis 1974 gehörte Walbrzych zur Wojewodschaft Wroclaw (Breslau) und 1975–1998 zur Wojewodschaft Walbrzych. 1999 wurde die Kreisstadt der Wojewodschaft Dolno Slaskie (Niederschlesien) zugeordnet.
Mit dem Ende der sozialistischen Wirtschaft wurde auch das Ende des Bergbaus in Walbrzych eingeläutet. 1998 wurde hier der letzte Hund mit Kohle zutage gebracht. Große Industriebrachen gehören bis heute zum Stadtbild. Geblieben ist der Stadt die Keramik. Und neu haben Autohersteller und Zulieferer wie Toyota, Takata-Petri, Quin und Faurecia mit Produktionsstätten in Walbrzych niedergelassen. Dazu tragen inzwischen die Bemühungen zur Förderung des Fremdenverkehrs in der sehenswerten Stadt mit schöner Umgebung ihre Früchte. Dennoch ist die Einwohnerzahl von 1990 bis 2010 um über 20.000 Personen gesunken.
