Waldkaterkeramik – die Künstlerfamilie Kieser / Maruhn in Dessau

Vernissage Kieser / Maruhn Waldkaterkeramik Dessau - Hans-Joachim Mellies
Vernissage Kieser / Maruhn Waldkaterkeramik Dessau - Hans-Joachim Mellies
Zum bevorstehenden Jubiläum 800 Jahre Anhalt ist dem Künstlerpaar Kieser /Maruhn eine Ausstellung gewidmet, die noch bis zum 19. Februar 2012 zu sehen ist.

Zum ersten Mal ist der Dessauer Künstlerfamilie Kieser Maruhn eine Ausstellung gewidmet. Ihre Arbeiten prägten Anfang der 20er Jahre wesentlich das Stadtbild von Dessau. Noch heute sieht man noch einzelne Skulpturen und Relieftafeln der Waldkaterkeramik, die Walter Kieser und Friede Kieser-Maruhn am 14. Oktober 1925 in Dessau gründeten.

Waldkaterkeramik, Ausstellung der Dessau Künstlerfamilie Kieser / Maruhn

In der aktuellen Ausstellung ist ein Querschnitt aus der Produktion der Waldkaterkeramik zu sehen. Da auch die Werkstatt durch die Kriegswirren erhebliche Verluste erlitt, stellten zahlreiche Leihgeber die ausgestellten Objekte zur Verfügung. Somit verleiht die Ausstellung im Johannbau, dem Museum für Stadtgeschichte Dessau, eine detaillierte Übersicht über die Breite und Vielfalt der Arbeiten der Künstlerfamilie.

Ab 1919 arbeiteten der Bildhauer Walter Kieser und seine spätere Ehefrau, Friede Kieser-Maruhn, gemeinsam in ihrer Werkstatt und unterstützten sich gegenseitig. Während sich Walter Kieser Großplastiken widmete, entwarf Friede Kieser-Maruhn kleine bis mittelgroße Tierplastiken. Mit ihnen wurde die Waldkaterkeramik weit über Deutschland hinaus bekannt und die Plastiken zu beliebten Sammelobjekten.

Der Bildhauer Walter Kieser

Der Bildhauer und Modelleur, Richard Markus Kieser wurde 1870 in Coburg geboren. Nach seiner Ausbildung und der sich anschließenden Dozententätigkeit in Krefeld, war er als Direktor hier und später an den Kunstgewerbeschulen Warmbrunn und Dessau tätig. Da es 1925 zum Bauhaus in Dessau nur unter der Bedingung der Vereinigung mit der Kunstgewerbeschule kam, musste Kieser den Platz Walter Gropius überlassen. Seitdem war er weiterhin freischaffend in Dessau tätig.

Walter Kieser stammt aus der ersten Ehe und wurde 1894 in Krefeld geboren. Bereits in Warmbrunn lernte er an der vom Vater geleiteten Kunstgewerbeschule Drechsler. Die Bildhauerausbildung erfolgte zunächst in Dessau und setzte sich in Dresden fort. Insbesondere die Reliefs von Kieser verdeutlichen seine Orientierung an den Arbeiten von Adolf von Hildebrand, der in dem Jahr verstarb, als Walter Kieser seinen Durchbruch mit dem Boelckedenkmal in Dessau erlangte. Diesem schlossen sich zahlreiche Nachfolgeaufträge an.

Im gleichen Jahr heiratete er Friede Kieser-Maruhn und vier Jahre später gründeten sie die Waldkaterkeramik, mit der sie der Stadt Dessau einen neuen Bekanntheitsgrad verschafften.

Friede Kieser-Maruhn und ihre Plastiken

Friede Kieser-Maruhn wuchs als Tochter eines Försters, inmitten der Natur, auf. Auch in ihrer Ahnenlinie finden sich nicht unbedeutende Kunstschaffende. Sowohl die Naturnähe als auch später die Werke der Bildhauerin Renée Sintenis prägen die Arbeiten von Friede. Sie studierte an der Akademie in Leipzig und konnte mit ihren ersten Arbeiten das Studium selbst finanzieren. Unmittelbar danach begegnete sie Walter Kieser. Zwei Jahre später heiraten sie in Dessau.

Mit der Zusammenarbeit und dem sich wandelnden Zeitgeist ändert sich ihre Ausdrucksweise, ohne dabei auf den eingefangenen unmittelbaren Moment der Posen der Tiere zu verzichten. Die dargestellten Mutter- und Jungtiere vermitteln eine familiär anheimelnde Anmut, mit der die Bildhauerin sowohl die mütterliche Fürsorge als auch die Unbefangenheit der Jungen herzerwärmend zum Ausdruck bringt. Ihre Arbeitsweise lässt die selbstsichere Formgebung in ihren Plastiken erkennen. Gekrönt wird die Vielfalt einzelner Modelle durch deren unterschiedliche Glasuren.

Handwerkliche Gestaltung anstelle Massenproduktion

Eine Gegenbewegung zu schaffen, zur gerade aufkommenden Massenproduktion im Zeitalter der Industrialisierung, ist den Kiesers mit ihren handwerklichen und künstlerischen Qualitäten gelungen. Es ging ihnen darum, die Eigenarten der zu verarbeitenden Materie und auf die damit verbundene Verantwortung des Künstlers aufmerksam zu machen. Sie vereinigten sowohl traditionelles Arbeiten, wie mit dem Wachsschmelzverfahren und der gerade dem Zeitgeist entsprechenden expressionistischen Arbeitsweise. Das Geschäft florierte und der internationale Kundenkreis wuchs.

Arbeiten von Kiesers im Stadtbild Dessau

Tierreliefs über Hauseingängen, Plastiken wie „Vor dem Start“ oder die Bärengruppe auf der Wetterstation am Friedensplatz gehören zum Stadtbild von Dessau. Walter und Friede arbeiteten nicht nur gemeinsam im Atelier sondern zeitweise auch gemeinsam an einem Projekt. So schuf Walter Kieser die Menschengruppe und Friede Kieser-Maruhn die Tiergruppe für die Plastik "Tiere fütterndes Bauernpaar".

Friede Kieser-Maruhn starb im Januar 1947. Walter Kieser plante im selben Jahr den Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Werkstatt, doch bereits zehn Monate später starb auch er.

Die Ausstellung im Johannbau in Dessau

Die Ausstellung ist vom 07. Dezember 2011 bis 19. Februar 2012 im Johannbau, im Museum für Stadtgeschichte, Törtener Strasse 44, in Dessau-Roßlau, zu sehen. Geöffnet ist das Museum von dienstags bis donnerstags und samstags und sonntags jeweils von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

In der Zeit vom 24. Dezember 2011 bis 09. Januar 2012 ist das Museum geschlossen. Der zur Ausstellung erschienene Katalog "Waldkaterkeramik – Aus der Werkstatt der Dessauer Künstlerfamilie Kieser /Maruhn" ist im Museum erhältlich.

Quelle: Katalog zur Ausstellung "Waldkaterkeramik – Aus der Werkstatt der Dessauer Künstlerfamilie Kieser /Maruhn", Verein für Kultur und Geschichte in Anhalt / Dessau e. V., 2011, 48 Seiten

Christine Rödel, Christine Rödel

Christine Rödel - Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen. Mitte der achtziger Jahre genügte der sich immer mehr verengende Radius nicht ...

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