Waldorfpädagogik als Alternative zum Schulsystem

ABC - S. Hofschlaeger / pixelio.de
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Mit ihrem speziellen pädagogischen Konzept bieten Waldorf-Schulen als Alternative zum Schulsystem sowohl Chancen als auch Risiken.

Bei der Auswahl der geeigneten Schule haben Eltern heute eine Vielzahl von Möglichkeiten. Nur eine intensive Auseinandersetzung mit den zugrunde liegenden Erziehungsmodellen ermöglicht es, eine passende Wahl zu treffen.

Kernpunkte der Pädagogik nach Rudolf Steiner

Die Waldorfpädagogik geht auf Rudolf Steiner (1861–1925) zurück. Er war der Gründer der ersten Waldorfschule, die ihren Namen nach ihrem Sitz in einem Gebäude der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria erhielt. Die Erziehung des Kindes dient vor allem der Entfaltung seiner Persönlichkeit, der Entwicklung sozialer Kompetenzen und der Förderung von Talent und künstlerischer Kreativität. Zur Erreichung dieser Ziele setzen die freien Waldorfschulen einen Fächerkanon ein, der neben den klassischen Unterrichtsfächern auch künstlerische und vor allem praktische Fähigkeiten vermittelt.

Die Eurythmie, eine rythmisch-tänzerische Form der Auseinandersetzung mit klassischen Themen der Literatur, Poesie und Musik, soll den Kindern einen mehr unbewussten Zugang zu ihrem Potenzial ermöglichen. Die Fächer Handarbeit, Werken und Gartenbau, sowie einige dem Hauptunterricht angegliederte Aktivitäten, wie die Hausbauepoche oder das Landwirtschaftspraktikum, geben den Schülern Gelegenheit, Erlerntes in die Praxis umzusetzen.

Unterrichtsgestaltung mit Rücksicht auf den Entwicklungsstand

Der Unterricht in den Kernfächern erfolgt in sogenannten "Epochen". Dabei wird jeweils ein Fach im Hauptunterricht (normalerweise den ersten beiden Stunden) während einer Dauer von vier Wochen unterrichtet. In den ersten beiden Klassen wechseln sich also Deutschunterricht und Mathematik ab. Das Thema des Hauptunterrichts wird nach Möglichkeit in den Nebenfächern und Sprachen aufgegriffen, um dem Kind Sinnzusammenhänge zu erschließen.Themenauswahl und Unterrichtsgestaltung orientieren sich am Entwicklungsstand der Kinder, wobei in den Grundschulklassen der Schwerpunkt auf der Nachahmung liegt.

Waldorfschule als Gesamtschule

Waldorfschulen sind als Gesamtschulen konzipiert. Alle Schüler werden gemeinsam unterrichtet, eine Differenzierung in Haupt-, Realschüler, Absolventen des Fachhochschulabschlusses oder Abiturienten findet nicht statt. Die Regelschulzeit bis zum Abitur beträgt 13 Jahre. Wiederholungen einzelner Klassenstufen sind nicht vorgesehen. So soll einer Ausgrenzung lernschwächerer Kinder vorgebeugt werden. Die herkömmliche Form der Notengebung weicht einer detaillierten Beurteilung am Schuljahresende. Dies soll gewährleisten, dass der Schüler in seiner Gesamtpersönlichkeit wahrgenommen wird und nicht auf Einzelleistungen reduziert werden kann.

Pädagogisches Konzept und Erziehungsstil

Der Erziehungsstil der Waldorfpädagogik geht auf Rudolf Steiner zurück, dessen Menschen- und Weltbild durch die von ihm entwickelte Lehre der Anthroposophie geprägt war. In den ersten Lebensjahren, bis etwa Ende der dritten Klasse, wird vor allem das bildhafte Verstehen angesprochen. Eine zu frühe intellektuelle Überforderung soll vermieden werden. Die Ausbildung sozialer Kompetenzen und die Fähigkeit zum Selbstmanagement stehen im Mittelpunkt des pädagogischen Bemühens. Dabei nimmt der Klassenlehrer, der die Klasse acht Jahre lang begleitet, als Autoritätsfigur eine zentrale Rolle ein.

Freie Schulen

Jede Waldorfschule stellt eine wirtschaftlich unabhängige Institution dar. Unterschiede gibt es daher sowohl in der Höhe der Schulbeiträge als auch bei der Umsetzung der pädagogischen Grundideen. Die Organisation der einzelnen Schulen in Form von Vereinen gestattet den Eltern eine aktive Mitwirkung bei Entscheidungen sowie der Entwicklung neuer Ideen und Konzepte. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule ist einer der Grundpfeiler. Dazu zählen auch Arbeitseinsätze wie Schulputz, Bastelarbeiten und Verkauf bei den regelmäßig stattfindenden Bazaren.

Worauf Eltern achten sollten – einige Schwachpunkte

Da einzelne Klassenstufen nicht wiederholt werden können, besteht die Gefahr, dass einzelne Schüler "abgehängt" werden, wenn es ihnen nicht gelingt, angesammelte Lücken zu schließen. Der Deutschunterricht konzentriert sich am Anfang, wie schon erwähnt, auf Nachahmung. Texte werden vor allem abgeschrieben. Dies macht es schwer, lese- und rechtschreibschwache Schüler rechtzeitig zu identifizieren. Begünstigt wird dieser Umstand durch große Klassen (manchmal bis zu 40 Schüler).

Für Förderunterricht stehen den einzelnen Schulen oft nur unzureichende Mittel zur Verfügung, sodass die Eltern selbst für Förderung sorgen müssen. Zukünftige "Waldorfeltern" sollten sich zumindest mit den Grundzügen der Anthroposophie auseinandergesetzt haben und sich mit ihr identifizieren können. Aktive Mitwirkung erfordert auch einen hohen Zeitaufwand. Darüber sollten sich die Eltern im Klaren sein, besonders dann, wenn mehrere Kinder die Schule besuchen sollen. Waldorfschulen sind zweifellos eine vollwertige Alternative zur Regelschule, eignen sich aber bei weitem nicht für jeden.