Waldorfpädagogik und Anthroposophie – Grundlagen

Malen - S. Hofschlaeger / www.pixelio.de
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Der Text gibt einen Einblick in die Arbeit der Waldorfschule. Dabei wird auf den weltanschaulichen Hintergrund näher eingegangen.

Der folgende Artikel stützt sich sowohl auf eigene Erfahrungen als auf Ullrichs Aufsatz über die Waldorfpädagogik aus erziehungswissenschaftlicher Sicht. Es ist nicht die Absicht des Autors eine bestimmte Meinung zu vertreten oder pädagogische Konzepte zu bewerten. Vielmehr soll auf eine Sichtweise aufmerksam gemacht werden, die bisher nur sehr selten bis gar nicht in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Der Artikel möchte den Zusammenhang von Waldorfprojekten und anthroposophischen Hintergründen näherbringen.

Definition: Anthroposophie

Unter Anthroposophie versteht man wörtlich „die Weisheit vom Menschen“. Es handelt sich dabei um eine Geisteswissenschaft, die einen allumfassenden Anspruch erhebt. Ihr Begründer ist Rudolf Steiner

Die Lehre ist dadurch gekennzeichnet, dass sie den Erkenntnisweg darin versucht zu finden, dass das Geistige im Menschen zum universellen Geistigen erhoben werden kann. Der Inhalt der Anthroposophie ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Geistigen im Menschen, dadurch grenzt sie sich von der Anthropologie ab, deren Hauptanliegen die physische Menschenkunde ist. Rudolf Steiner, der Begründer, entwickelte seine Lehre aus der Theosophie heraus, wodurch eine eindeutige Abgrenzung erschwert wird. Ein Hinweis darauf ist etwa, dass in sämtlichen Schriften von Steiner und seinen Nachfolgern das von ihm häufig verwendete Wort „Theosophie“ durch „Anthroposophie“ ersetzt wurde. Seine von der Theosophie abweichenden Gedanken hielt er unter der Bezeichnung „Geheimwissenschaft, Geisteswissenschaft und Okkultismus“ zusammen. Steiner spaltete sich von der Theosophie ab, als es hieß, dass Krishnamurti, ein Inder, von den Theosophen zum neuen Messias ausgerufen wurde. 1912/13 gründete Steiner die anthroposophische Gesellschaft.

Rudolf Steiner verbindet in seinen Gedanken Pädagogik, Kunst, Medizin und Landwirtschaft. Das 1913 in Dornach errichtete Goetheaneum ist noch heute der Sitz der anthroposophischen Gesellschaft. Es wurde von Steiner entworfen und künstlerisch ausgestaltet. Rudolf Steiner geht in Fragen der Kunst speziell auf die Farbenlehre ein, dabei knüpft er an Goethes Theorie an und sieht so beispielsweise im Weiß keine zusammengesetzte Farbe, wie dies Newton lehrte. Steiner hatte besonderes Interesse an der Farbe „Pfirsichblüt“. Pfirsichblüt ist die Farbe der menschlichen Haut, auch Inkarnat genannt.

Gegenwärtig werden die Anthroposophen als esoterische Gruppierung angesehen.

Zur Waldorfschule

Organisationsform und Leitlinien der pädagogischen Arbeit an der Freien Waldorfschule

Die Waldorfschulen sind rechtlich und finanziell unabhängige Schulen, welche durch eine einzigartige Pädagogik gekennzeichnet sind. Sie werden meist von einem Schulverein getragen und durch einen Vorstand wirtschaftlich geleitet. Durch das Schulgeld, welches die Eltern zu zahlen haben, wird das System finanziert. Daneben gibt es auch weitere Finanzierungen, etwa durch Spenden.

Die Schulleitung ist ein Kollektiv und verneint eine direktionale Führung. Bei den Waldorfschulen handelt es sich um Gesamtschulen, in denen die Schüler ohne Zensuren und ohne Zurückstellungen in Jahrgangsklassen lernen. Es handelt sich bei den Klassen um leistungsheterogene Zusammenschlüsse, die meist vom ersten bis zum zwölften Schuljahr existieren. Die Schüler erhalten statt Zensuren oder Punkten jährliche Schülercharakteristiken und Lernberichte.

Der Entwicklungstand des Kindes ist entscheidend für den Lehrplan und den Unterrichtsaufbau. Das Ziel ist es, eine ganzheitliche Förderung anzustreben, die sich auf die verschiedensten Bereiche der Schülerpersönlichkeit auswirkt. Die Vielseitigkeit der Schüler soll über eine weitestgehende Gleichberechtigung aller Fächer gesichert werden. Kognitive, musisch-künstlerische, handwerklich-praktische und soziale Lernbereiche im Schulleben und Unterricht werden gleichrangig bearbeitet.

Bereits zu Beginn der ersten Klasse werden zwei moderne Fremdsprachen unterrichtet. Hinzu kommt als weitere Besonderheit das von Rudolf Steiner eigens für sein Schulkonzept entwickelte Fach „Eurythmie“, darunter versteht man eine expressive Tanzkunst. Die Waldorfschulen verstehen sich als christliche Schulen, daher wird auch Religionsunterricht in zwei Formen angeboten, nämlich als konfessioneller Religionsunterricht und als freier. Letzterer orientiert sich an Steiners Christenlehre.

Die Unterrichtszeit gliedert sich in den morgendlichen zweistündigen „Hauptunterricht“, in dem jedes der klassischen Hauptfächer nur ein- bis zweimal pro Jahr in „Epochen“ von drei bis vier Wochen täglich gelehrt wird, und in den „Fachunterricht“, der einstündig stattfindet. Er beschränkt sich auf die Fremdsprachen, auf Religion und die künstlerischen und handwerklichen Fächer.

In den ersten acht Schuljahren der Unterstufe erteilt der Klassenlehrer den täglichen Hauptunterricht in allen Fächern. Um an einer Waldorfschule Klassenlehrer zu sein, benötigt man den Abschluss einer Waldorflehrer-Ausbildung.

Literaturangabe

Marc Roberts: Das neue Lexikon der EsoterikBerlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag,, 2005.

Heiner Ullrich: Die Freie Waldorfschule. Ein anthroposophisches Schulmodell aus erziehungswissenschaftlicher Sicht. In: Andreas Fincke (Hg.): Anthroposophie, Waldorfpädagogik, Christengemeinschaft. Beiträge zu Dialog und AuseinandersetzungBerlin: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsaufgaben 2007, S. 31-53.

Hier geht es zum Artikel über Schulalltag.

Christoph Eydt, Christoph Eydt

Christoph Eydt - Christoph Eydt ist als freier Texter und Ghostwriter tätig.Auf Suite101 veröffentlicht er Fachartikel zu verschiedenen Themen. ...

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