
- Abtauchender Pottwal - Dietmar Pietschok / Thünen-Institut
Auch 2012 werden wieder mehrere hundert Zwergwale im Südpolarmeer gejagt und erbeutet werden. Japan beansprucht für seine Walfänger eine Fangquote von bis zu 850 Tieren. Dazu könnten noch einige Finnwale kommen. Das wird als „wissenschaftlicher Fang“, deklariert. So nutzt das Land eine Ausnahmeregelung, die das 1982 international vereinbarte Moratorium zum Stopp des kommerziellen Walfangs bietet. Seit Jahren gibt es in dem zuständigen Gremium, der Internationalen Walfangkommission (IWC), einen erbitterten Streit über diese Fänge zwischen den Vertretern der Walfang befürwortenden Nationen wie Japan und den Ländern mit einer ablehnenden Haltung, zu denen auch Deutschland zählt.
Das Thünen-Institut für Seefischerei legte am 7. Januar 2012 eine Zusammenfassung eines Beitrages von Karl-Hermann Kock zu den Ursachen der Querelen in der Internationalen Walfangkommission vor.
Die Ursachen für den Streit in der Internationalen Walfangkommission
In dem Wissenschaftsmagazin ForschungsReport 2/2011 schildert der Fischereibiologe Karl-Hermann Kock vom Thünen-Institut für Seefischerei in Hamburg die Gründe dafür, dass die Fronten zwischen den Walfängern und ihren Gegnern so verhärtet sind. Karl-Hermann Kock ist als Vertreter Deutschlands Mitglied des Wissenschaftsausschusses der Internationalen Walfangkommission. Er meint, dass der anhaltende Streit nicht zu verstehen ist, wenn die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte nicht bekannt sind. So ist die Ernährung in Japan traditionell viel stärker auf Fisch und Meeresprodukte ausgerichtet als beispielsweise in europäischen Ländern. Und Japan ist sehr darauf bedacht, sich die Möglichkeit des Fischfangs wie des Walfangs auch weiterhin zu erhalten. Dem Walfangmoratorium stimmte Japan seinerzeit nur auf massiven Druck der USA zu. Denn die Vereinigten Staaten drohten Japan damit, ansonsten die Fischerei in ihrer 200-Meilen-Zone zu verbieten. Auch ist weithin nicht bekannt, das dass sich die japanischen Walfänger noch im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts weitgehend auf die Küsten beschränkten. Für den Niedergang der großen Walbestände in den Weiten des Südpolarmeeres bis zur Mitte des 20. Jahrhundert hatten vor allem andere Nationen wie Großbritannien, Norwegen und die Sowjetunion gesorgt. Auch deutsche Fangschiffe beteiligten sich bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges dort am Walfang.
Bis heute ist die international in der 70er Jahren in Hinblick auf den Walfang aufgekommene ablehnende Stimmung in Japan kaum vermittelbar. 1982 wurde das Walfangmoratorium beschlossen und trat 1986/87 in Kraft. Es sollte so lange in Kraft bleiben, bis eine sichere Einschätzung der weltweiten Walbestände weltweit vorliegt und ein Verfahren zur Bejagung unter Beachtung der Bestandserhaltung entwickelt ist. Mit dieser Aufgabe wurde der Wissenschaftsausschuss der Internationalen Walfangkommission betraut. Doch die damit verbundenen Aufgaben waren wesentlich komplexer als 1982 erwartet. Die Ergebnisse sind bis heute unvollständig.
Im Verlauf der Jahre verhärteten sich in der der Internationalen Walfangkommission die Fronten zwischen Walfangbefürwortern und -gegnern zunehmend. Alle Versuche zur Formulierung gangbarer Kompromisse zwischen den Parteien scheiterten.
Die aktuelle Lage
Karl Herrmann Kock zur aktuellen Lage: „Aus populationsbiologischer Sicht treten Zwergwale im Südpolarmeer derzeit so zahlreich auf, dass eine gewisse Bejagung den Bestand nicht gefährden würde. Anders sieht das bei Blau-, Finn- oder Buckelwalen aus.“
Doch auch weiterhin entscheiden neben den noch immer lückenhaften wissenschaftlichen Einschätzungen der Walbestände vor allem emotionale und wirtschaftliche Gesichtspunkte über den Walfang und damit über das Wohl und Wehe der Walbestände. Der Streit zwischen den Walfangnationen und den Gegnern des Walfangs geht weiter. 2010 wurde dann klar, dass in der Internationalen Walfangkommission derzeit keine Einigung möglich ist. So wurde eine Verhandlungspause für mehrere Jahre vereinbart.
Karl-Hermann Kock: „Wale unter Beschuss“, in: ForschungsReport 2/2011. Das Heft kann kostenlos beim Thünen-Institut angefordert werden.
Bildnachweis
Dietmar Pietschok / Thünen-Institut: Abtauchender Pottwal
