Walzerkönig André Rieu im Porträt

Der holländische Geiger liebt den Komponisten Johann Strauß

Seine Talente scheinen unerschöpflich zu sein: André Rieu geigt, dirigiert, moderiert und komponiert.

Der Walzerstar aus Maastricht sammelt dutzendweise Gold- und Platinplatten, seit sein Erfolgsbarometer vor 14 Jahren nach oben geschnellt ist. In Europa, Amerika und Japan finden seine Walzerklänge reißenden Absatz. Sogar in Chile standen seine Platten schon wochenlang auf Platz eins vor den Backstreet Boys.

Das Erfolgsrezept des Holländers? André Rieu brilliert als Entertainer. Es stört ihn nicht, wenn mehr über seine sympathische Ausstrahlung und seine opulente Bühnendekoration geredet wird als über seine Musik. Die Geigerinnen in seinem Orchester tragen bunte Operettenkostüme, und der "Maestro" erzählt gut gelaunt Anekdoten über die Strauß-Familie. An so einem Abend, der Frohsinn und Melodienseligkeit verbreitet, kann es schon vorkommen, dass der Posaunist anfängt zu jodeln oder der Hornist sich vor Lachen auf dem Boden wälzt.

Naturtalent mit Stradivari

Vor allem die älteren Semester bringt Rieu in den Konzerten regelmäßig zum Schunkeln und Tanzen. Er sagt von sich selbst, er habe einen sonnigen Charakter. Er mag es, wenn die Leute lachen und sich wohl fühlen. Locker wirkt der braungelockte Megastar André Rieu auch im Umgang mit der Musik. Mit leichter Hand kürzt oder variiert er die Notentexte. Gern setzt er ein Thema eine Oktave höher, damit es strahlender klingt. Wie Johann Strauß persönlich steht er mit der Geige vor seinem Orchester. Eine echte Stradivari hat er sich geleistet. Während er im Dirigieren, Komponieren und Moderieren ein Naturtalent zu sein scheint, hat er das Geigenspiel lange studiert.

Schon mit fünf Jahren hat er auf dem Saiteninstrument geübt. Später ging er aufs Konservatorium. Seine Liebe zum Walzer hat er damals entdeckt. Trotzdem verbrachte er erst einmal sieben Jahre bei den Tutti-Geigen im Limburger Symphonieorchester, dessen Chefdirigent sein Vater war. Er fühlte sich dort nie ganz wohl.

Strauß & Co.

André Rieu gründete sein eigenes Salonorchester und dirigierte drauf los. Nicht einmal bei seinem Vater hat er Unterricht genommen. Das Konzept für seine Walzer- und Polka-Show hat sich seit den Anfängen vor dreizehn Jahren nicht verändert. Nur konnte der Self-Made-Man die Bühne damals noch nicht ganz so luxuriös ausstatten wie heute. Zwei Jahre lang ist er in seiner dienstfreien Zeit durch die Niederlande getingelt, dann konnte er seine ungeliebte Orchesterstelle aufgeben. Ein Plattenvertrag ließ allerdings lange auf sich warten. Niemand glaubte so recht an den ganz großen Durchbruch.

Die erste Platte "The Second Waltz" brachte 1994 sofort den internationalen Ruhm. "Strauß & Co", "Wiener Melange", "André Rieu in Concert", "Mein Weihnachtstraum", "100 Jahre Strauß" – alle Platten wurden zu Verkaufsschlagern. Seit vielen Jahren ist Rieu auch in Deutschland ein regelmäßiger Gast. Inzwischen wohnt er in einem kleinen Schloss in seiner Heimatstadt Maastricht, fliegt mit einem Privatjet umher, leitet die Firma "André Rieu Media BV" und hat sogar bereits seine Memoiren veröffentlicht. Kein Zweifel: Der holländische Sunny-Boy ist der erfolgreichste Stehgeiger der Welt.

Dr. Martina Helmig, Dr. Martina Helmig

Dr. Martina Helmig - Als dauerhaft verliebte Musikwissenschaftlerin bin ich begeistert von großer Oper und flackerndem Lagerfeuer, Konzerten und ...

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