
- Einstellung zu Beruf und Freizeit - Stefan Dassler
Bovor man die Einstellungen betrachtet, soll der Blick auf die Lebensziele gerichtet werden. Von den Lebenszielen ausgehend, lassen sich die beruflichen und privaten Einstellungen sowie die Einstellung zu politischer Partzipation ergründen.
Lebensziele
Die angesprochenen Einstellungen hängen eng mit den individuellen Lebenszielen zusammen. Beispielsweise:
- Glücklich, gesund und zufrieden sein
- Abschluss der Ausbildung
- Finanzielle Absicherung
- Luxusgüter besitzen (beispielsweise Immobilien, Auto, Yacht)
- Karriere
- Gründung einer Familie; Zeit für die Familie
- Lebensträume verwirklichen (beispielsweise Weltreise, Auswandern)
- Soziales Engagement.
Einstellung zu Ausbildung und Beruf
Das Deutsche Jugendinstitut hat in dem „DJI-Jugendsurvey“ von 1992 bis 2003 Jugendliche und junge Erwachsene (16- bis 29-Jährige) zu ihren Lebensentwürfen und Werten befragt. Diese Werte wirken sich auf die Einstellung zu Ausbildung und Beruf aus. Es zeigte sich, dass jungen Menschen heute Werte wie Selbstentfaltung und Kritikfähigkeit besonders wichtig sind. Sehr hohe Bedeutung haben auch prosoziale Werte, das heißt Werte wie Rücksichtnahme und Verantwortung gegenüber anderen Menschen. Weniger wichtig sind der jungen Generation konventionelle Werte wie Pflichtbewusstsein, Anpassung, Sicherheit und hedonistische Werte. Unter hedonistisch werden hierbei Orientierungen verstanden wie „ein aufregendes, spannendes Leben führen“ und „tun und lassen, was man will“.
Es wird ein Wandel von materialistischen zu postmaterialistischen/postmodernen Lebenszielen deutlich. Oftmals wollen sich junge Menschen heute in der Ausbildung selbst verwirklichen und Verantwortung übernehmen – weniger sich nur bedingungslos und pflichtbewusst anpassen und absichern.
Einstellung zur Freizeit
Der Wertewandel beeinflusst auch die Einstellungen zu Freizeit beziehungsweise Freizeitaktivitäten. In der Shell Jugendstudie 2006 wurden 12- bis 25-Jährige zu den Bereichen befragt, in denen sie sich in der Freizeit engagieren. In der Studie zeigt sich unter anderem, dass sich das Engagement für die „Interessen von Jugendlichen“ und für „ein besseres Zusammenleben mit Migranten“ geringfügig verändert hat. Folgende Statements beinhaltete die Studie:
„Ich bin oft aktiv für….“
- eine sinnvolle Freizeitgestaltung von Jugendlichen. Jahr 2002: 13%. Jahr 2006: 13%.
- die Interessen von Jugendlichen. Jahr 2002: 12%. Jahr 2006: 10%.
- hilfsbedürftige ältere Menschen. Jahr 2002: 8%. Jahr 2006: 8%.
- den Umwelt- oder Tierschutz. Jahr 2002: 8%. Jahr 2006: 7%.
- ein besseres Zusammenleben mit Migranten. Jahr 2002: 8%. Jahr 2006: 6%.
- ein besseres Zusammenleben am Wohnort. Jahr 2002: 6%. Jahr 2006: 6%.
- Sicherheit und Ordnung am Wohnort. Jahr 2002: 6%. Jahr 2006: 6%.
- sozial schwache Menschen. Jahr 2002: 5%. Jahr 2006: 5%.
- behinderte Menschen. Jahr 2002: 6%. Jahr 2006: 5%.
- Menschen in den armen Ländern. Jahr 2002: 4%. Jahr 2006: 4%.
- die Pflege der deutschen Kultur und Tradition. Jahr 2002: 4%. Jahr 2006: 3%.
- soziale und politische Veränderungen. Jahr 2002: 2%. Jahr 2006: 2%.
- Sonstiges. Jahr 2002: 5%. Jahr 2006: 7%.
(Quelle: Shell Jugendstudie, 2006. Abb. 3.15 Aktivitäten nach Bereichen)
Einstellung zu politischer Partizipation
Die Veränderung der Wertorientierungen zeigt sich auch in den Einstellungen zu politischer Partizipation beziehungsweise zu politischem Interesse. In der Shell Jugendstudie 2006 wurden auch 15- bis 24-Jährige zu ihrem politischen Interesse befragt.
Als politisch interessiert bezeichnen sich…
- 1984: 55%.
- 1991: 57%.
- 1996: 47%.
- 1999: 43%.
- 2002: 34%.
- 2006: 39%.
(Quelle: Shell Jugendstudie, 2006. Abb. 3.1 Zeitreihe: Politisches Interesse )
In den 1980er Jahren bis Anfang der 1990er Jahre gehörte es für junge Menschen noch zum guten Ton, sich politisch zu interessieren. Dieses Interesse nahm kontinuierlich ab bis zum Tiefpunkt im Jahr 2002. Dies deckt sich mit einer allgemeinen Politikverdrossenheit in der gesamten Gesellschaft. Im Jahr 2006 fiel das Ergebnis wieder etwas günstiger aus, was jedoch noch nicht als echte Trendwende gewertet werden kann.
Literatur:
Kastner, M.: Die Zukunft der Work Life Balance. Wie lassen sich Beruf und Familie, Arbeit und Freizeit miteinander vereinbaren? Asanger Verlag 2009. Fachbuch. 468 Seiten. Euro 39,50.
