
- Zeche Zollverein in Katernberg/Stoppenberg - Norbert Wilke, Pixelio
Als Perlen Essens werden, wie bereits erwähnt, die südlichen Stadtteile wie Werden, Kettwig, Bredeney und Rüttenscheid mit ihren touristischen Zielen wie Baldeneysee, Villa Hügel und Heissiwald genannt. Der Norden Essens wird immer noch als schmutzig, dreckig und industriell geprägt abgewertet. Dennoch hat sich das Erscheinungsbild der nördlichen Stadtteile Karnap, Vogelheim, Altenessen, Katernberg und Stoppenberg erheblich gewandelt.
Die Zeche Zollverein im Essener Norden als Weltkulturerbe
Das Gelände der Zeche Zollverein und der dazugehörigen Kokerei erstreckt sich von Stoppenberg bis ins benachbarte Katernberg. Im Rahmen der Eröffnungsfeier des Kulturhauptstadtjahres 2010 spielte das Weltkulturerbe eine tragende Rolle. Das Gelände bietet auch außerhalb des Kulturhauptstadtjahres eine Reihe von Freizeitmöglichkeiten wie etwa Schwimmen in den Sommermonaten, Eislaufen in der kalten Jahreszeit oder auch Restaurantbesuche. Gleichwohl haben sich dort einige Bildungsträger und Design-Akademien angesiedelt.
Keine monostrukturierte Landschaft im Norden Essens
Gerade in den nördlichen Stadtteilen bietet sich ein abwechslungsreiches landschaftliches Bild - eine Reihe von Kleingartenanlagen und öffentliche Grünflächen wie etwa der Kaiser-Wilhelm-Park in Altenessen-Mitte oder der Helenenpark auf der Grenze zwischen Stoppenberg und Altenessen wechseln sich ab mit Gewerbegebieten und Wohnsiedlungen. Neben den klassischen, meist liebevoll restaurierten Zechenhäusern im Essener Norden sind in den vergangenen Jahren eine Reihe von Neubausiedlungen entstanden, die sich äußerlich nicht von der Architektur in anderen Teilen Essens unterscheiden. Ein Beispiel hierfür sind einige Mietshäuser an der Wilhelm-Nieswandt-Allee oder der Spritzenstraße sowie eine Reihenhaussiedlung am John-Lennon-Weg, jeweils alle im nördlichen Teil Altenessens.
Gerade im Fernsehen werden vom Essener Norden neben der Zeche Zollverein meist die weniger schönen Ecken gezeigt wie etwa die Gladbecker Straße (B224), die quer durch Altenessen/Vogelheim und an Karnap vorbei verläuft. Die Bilder erwecken eher den Eindruck einer vielbefahrenen Straße - was sie auch tatsächlich ist - und eines Stadtteils ohne Grün mit viel Umweltverschmutzung. Benachbarte Kleingartenanlagen oder die bereits erwähnten Parks werden in den Massenmedien häufig nicht gezeigt.
Karnap: wird von seinen Bewohnern als sehr angenehm und familiär empfunden
Karnap ist der nördlichste Stadtteil Essens und war in früheren Jahrzehnten stark in Verruf (Armut, Kriminalität et cetera). Aus einem Beitrag zu den WDR-Lokalzeitgeschichten aus dem Jahr 2009 geht hervor, dass sich die Bewohner Karnaps in ihrem Stadtteil sehr wohl fühlen, gerade weil die Atmosphäre sehr dörflich und familiär geprägt ist. Die Zechenhäuser, die zu Zeiten der Kohleförderung der ehemaligen Zeche Matthias Stinnes an der Alten Landstraße als Wohnhäuser für die Bergleute dienten, sind liebevoll restauriert worden und bieten auch Familien mit Kindern ein schönes Zuhause. Einige Straßenzüge wie etwa der Pastor-Fliedner-Weg und seine Seitenstraßen wurden in verkehrsberuhigte Zonen umgewandelt und sind gar nicht durchgängig befahrbar.
Trotz der unmittelbaren Nähe zur Emscher und zum Müllheizkraftwerk, das auf der Ecke Arenbergstraße/B224 kurz vor der Stadtgrenze zu Gladbeck steht, ist von Verschmutzung und stärkeren Geruchsbelästigungen selten etwas zu merken. Lediglich an warmen Sommertagen kann es für die Anwohner am Emscherdeich schon einmal zu Geruchsbelästigungen durch die Emscher kommen, die während einer Hitzeperiode nur wenig Wasser führt, sodass der am Grund befindliche Schlamm dann ziemlich intensiv riecht, meist nach faulen Eiern. Dieses Phänomen kann jedoch auch an heißen Tagen in jedem anderen Essener Stadtteil an diversen Gullydeckeln wahrgenommen werden.
Vom Emscherpark aus ist es möglich, ins benachbarte Gelsenkirchen-Horst zu laufen auf das ehemalige BuGa-Gelände sowie auf einen Teil des Nordsternparks, dem ehemaligen Betriebsgelände der Zeche Nordstern. Der Nordsternpark wird von der Emscher und vom über weite Strecken parallel zu ihr fließenden Rhein-Herne-Kanal in zwei Hälften geteilt.
Auch der Norden Essens ist grün
Entgegen des immer noch weit verbreiteten Vorurteils, dass im Essener Norden immer noch alles vom Kohlenstaub verdreckt ist und es dort keine Grünflächen gibt, ist dort jedoch jede Menge Grün vorhanden. Neben den bereits erwähnten Parks und Kleingartenanlagen, die gerade im Essener Norden oft sehr dicht beieinander liegen, prägen auch begrünte Industrieanlagen oder Halden wie etwa die Schurenbachhalde in Altenessen-Nord direkt an der A42 (Abfahrt Essen-Altenessen/-Karnap) das Stadtbild. Die Schurenbachhalde wird auch als Bramme für das Ruhrgebiet bezeichnet und hat mittlerweile auf ihrem Gipfel, ähnlich wie andere Halden im Ruhrgebiet, eine Skulptur.
