
- Porträt eines Wanderfalken - Trisha Shears
Bis zur Mitte der 1960er Jahre war der Bestand der Wanderfalken in ganz Deutschland, insbesondere auch in Hessen, dramatisch zurückgegangen. Ein ernsthafter Faktor war die Verunreinigung von Nahrung mit dem Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT). Dieses Gift nahmen die Greifvögel durch ihre bevorzugte Nahrungsquelle, kleine bis mittlere Vögel, auf. Ein weiterer Faktor war die Veränderung des Lebensraumes durch den Mensch. Nach dem Verbot von DDT und zahlreichen Schutzmaßnahmen konnte sich der Bestand jedoch wieder erholen und ist in Hessen aktuell wieder auf den Stand der 1950er Jahre angewachsen.
Der Wanderfalke kommt in Frankfurt an
Das erste Mal wurden Wanderfalken 1982 im Frankfurter Stadtgebiet gesichtet. Ein Wanderfalkenpaar siedelte sich auf dem Frankfurter Fernsehturm an, der gemeinhin auch als Ginnheimer Spargel bekannt ist und offiziell als Europaturm bezeichnet wird. Seit dieser Zeit finden beinahe jedes Jahr Bruten auf dem 337,5 Meter hohen Turm statt. Auch in den nördlichen Randgebieten von Frankfurt, zum Beispiel in Nieder-Eschbach, gab es schon früh Sichtungen von Wanderfalken, was allerdings durch die Nähe des Taunus nicht weiter verwunderlich war.
Wanderfalken im Lebensraum Großstadt
Abgesehen von dem Europaturm haben sich im Laufe der Jahre Wanderfalken an zahlreichen anderen Orten in Frankfurt angesiedelt. Ab Mitte der 1990er Jahre fanden sich Wanderfalkenpaare in regelmäßigen Abständen auch auf dem Schornstein der Müllverbrennungsanlage in der Nordweststadt oder auf den zahlreichen Nischen und Dachanlagen des Frankfurter Doms. Besondere Popularität erreichte das alljährlich wiederkommende Brutpaar auf dem Commerzbank Tower, der mit seinen 260 Metern als höchstes deutsches Hochhaus gilt.
Seit 2007 brüten Wanderfalken auf dem Commerzbank Tower an unterschiedlichen Stellen. Während sie anfangs noch im 57. Stock ein Zuhause gefunden haben, sind die Greifvögel inzwischen auf das Dach umgezogen. 2011 haben sich dort wieder drei Wanderfalkenküken eingefunden und lassen es sich in luftiger Höhe gut gehen. Neben der Aufmerksamkeit durch die Presse haben auch die Banker einen echten Narren an den Greifvögeln gefressen. Zwar haben die drei Küken im Gegensatz zu denen der letzten Jahre noch keinen Namen, aber dies wird sicherlich nicht mehr lange auf sich warten lassen. Auch eine Webcam ist geplant, um so die Wanderfalkenbrut ständig und unauffällig beobachten zu können.
Wanderfalken in Deutschland und Europa
Aktuell gibt es in Deutschland rund 950 Brutpaare, davon alleine 70 in Hessen. Zum Vergleich: In der Schweiz und Österreich haben sich nach dem „DDT-Crash“ wieder rund 250 Paare angesiedelt. In ganz Europa wird der Bestand auf etwa 6.600 Brutpaare geschätzt. Die Neuerschließung des urbanen Lebensraumes bringt zwar viele Vorteile, hat aber auch einige Nachteile. So verunglücken viele Wanderfalken beispielsweise durch den Zusammenprall mit großen Glasfassaden oder durch den Absturz in große Schornsteine. Die Verlustrate in Großstädten liegt bei etwa 33 Prozent.
Quellen:
- Frankfurter Neue Presse vom 29. April 2011
- Stadtportal Frankfurt: Wanderfalke
