Wandern am Mittelmeer in den Calanques bei Marseille und Cassis

Calanques und Strand d'en Vau bei Cassis - B.Olderdissen
Calanques und Strand d'en Vau bei Cassis - B.Olderdissen
Die Calanques in Südfrankreich bieten traumhafte Wanderwege entlang des Mittelmeers. Starten kann man von Marseille oder Cassis aus.

Zwischen Marseille, Frankreichs zweitgrößter Stadt, und dem östlich davon gelegenen Dorf Cassis befinden sich die Calanques, auf Deutsch Felsenbuchten. Dieser Küstenabschnitt mit einer Gesamtlänge von etwa 20 Kilometern zählt zu dem Schönsten, was Frankreich landschaftlich zu bieten hat. Die hellen Kalkfelsen entlang der Küste erreichen Höhen von 400 bis über 600 Meter. Viele kleinere oder größere Einschnitte in der Felsküste bilden dabei unzählige traumhafte Badebuchten, die sogenannten Calanques, die per Boot oder zu Fuß erreichbar sind.

Neben den Buchten mit ihrem glasklaren Wasser in schillernden Blau- und Türkistönen überwältigt die rau-herbe Naturschönheit der Calanques mit ihren vielen bizarren Felsformationen. Einen ersten Eindruck vermittelt eine Bootsrundfahrt durch die Calanques. Wer jedoch näher in dieses Naturwunder eintauchen möchte, das seit September 2011 als Naturpark geschützt wird, sollte dies am besten zu Fuß tun. Zu beachten ist nur, dass die Wege in den Sommermonaten wegen Waldbrandgefahr oft gesperrt sind!

Wanderungen von Cassis aus

Wer nur einen Tag lang die Calanques erkunden möchte oder kein Auto zur Verfügung hat, um die Wanderwege außerhalb Marseilles leicht zu erreichen, startet am besten von dem kleinen Ort Cassis aus. Züge fahren stündlich ab Marseille und erreichen das touristische Fischerdorf gut eine halbe Stunde später. Das Touristenbüro direkt am Hafen und Strand informiert über die Wanderwege und stattet den Besucher mit nötigen Karten aus.

Der Ausgangspunkt für Wanderungen zu den Calanques ist zu Fuß in gut 15 Minuten erreichbar und führt um den kleinen Hafen Port Miou herum. Dieser selbst liegt in einer kleinen Felsenbucht und ist die erste Calanque, die sich dem Wanderer eröffnet.

Erster Traumstrand nach nur 20 Minuten

Wer vor allem einmal in dem türkisfarbenen Meer der Calanques baden möchte, erreicht von Port Miou aus innerhalb von 20 Minuten bis einer halben Stunde die Bucht von Port Pin (französisch). Bereits auf dieser kurzen Strecke überwältigt die Landschaft der Calanques mit ihren schroffen weißen Felsen und dem karibisch anmutenden Meer. Immer wieder laden die tollsten Aussichtspunkte zum Innehalten ein. An manchen Stellen lassen sich gar auf die Entfernung von mehreren 100 Metern Fische tief unten im stillen türkisenen Wasser beobachten.

Da der Weg nach Port Pin für den durchschnittlichen Wanderer wenige Schwierigkeiten aufweist, findet man dort jedoch meist entsprechend viele Besucher und Badegäste. Wer es lieber etwas einsamer und ruhiger haben möchte sowie ein wahrer Wanderfan ist, wird erst auf dem folgenden Weg Richtung Calanque d’en Vau (französisch) wirklich belohnt.

Nach mühsamer Wanderung erfrischendes Bad

Steil geht es nach Port Pin die Felsen hinauf und der Weg zur nächsten Bucht, d’en Vau, beansprucht gewöhnlich weit mehr als die auf den Wanderkarten ausgeschriebene halbe Stunde. Es lohnt sich, die Halbinsel nach Port Pin einmal zu umrunden und den Weitblick über die Küstenlandschaft und das Meer zu genießen.

Wenig später ist der kleine Strand von d’en Vau schon auf große Entfernung von oben erkennbar, erscheint jedoch unerreichbar fern. Wer dort ein wenig sonnenbaden möchte, sollte den Strand so früh wie möglich erreichen, da die Sonne hier bereits in den frühen Nachmittagsstunden hinter den hohen Felsen verschwindet. Wer den rutschigen Abstieg zum Strand auf sich nimmt, wird mit herrlich klarem Wasser und einer reichen Unterwasserwelt belohnt.

Längere Wanderungen und Übernachtung

Wer weiter wandern möchte, kann problemlos den Beschriftungen entlang der Wege folgen und die nächsten Calanques erkunden. Allerdings empfiehlt es sich, sich pro Tag nicht zu viel vorzunehmen. Wandern nach Einbruch der Dunkelheit ist auf Grund der oft rutschigen Steine und Wegoberflächen gefährlich und es gibt keinerlei Übernachtungsmöglichkeiten in den kleinen Dörfern der Calanques.

Zelten ist ebenso untersagt, so dass man sich überlegen sollte, abends nach Cassis oder Marseille zurückzukehren und am nächsten Tag die Wanderung fortzusetzen. Busse fahren zum Beispiel von dem winzigen Dorf Morgiou (französisch), ungefähr in der Mitte von Cassis und Marseille, nach Marseille.

Schwierigkeitsgrad

Die ersten Abschnitte der Calanques sowohl von Marseille als auch von Cassis aus sind relativ einfach und auch für ungeübtere Wanderer zu bewältigen. Rutschfeste Schuhe sind jedoch empfehlenswert und auf abgetretenen, glänzenden Steinen gilt besondere Vorsicht. Im Laufe des Weges stößt man immer wieder auf mühsame Abschnitte mit vielen Steigungen und Abstiegen. An manchen Stellen ist es gar erforderlich, zu klettern. Die stufenförmigen Felsen erleichtern jedoch die Arbeit und machen das Vorankommen auch ohne Kletterausrüstung möglich. Den gesamten Wege sollte sich allerdings nur zutrauen, wer vollkommen schwindelfrei ist.

Proviant

Ausreichend Wasser und Proviant sollte man mitnehmen, da es außerhalb der Eingänge zum Calanques Nationalpark und außerhalb der wenigen Dörfer keine Möglichkeit mehr gibt, etwas zu essen oder zu trinken zu kaufen.

Bernadette Olderdissen, Bernadette Olderdissen

Bernadette Olderdissen - Bernadette Olderdissen, geboren 1981, ist Anglistin, Skandinavistin und Japanologin mit einer Zusatzausbildung zur ...

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