Wandern in der Sierra Nevada

Auf dem Weg "Vereda de la Estrella" hat man die 3000er fest im Blick

Auf der Vereda de la Estrella - Veronica Frenzel
Auf der Vereda de la Estrella - Veronica Frenzel
Die Wanderung führt an der Nordseite des Gebirges Sierra Nevada vom Dorf Güjear Sierra hinauf bis zur Baumgrenze. Der Fluss Genil begleitet einen auf der langen Strecke

Die drei höchsten Gipfel der iberischen Halbinsel sind nicht nur für professionelle Bergsteiger in greifbarer Nähe. Auch Ausflügler und Wanderer können den Blick auf den Mulhacén (3483 Meter), die Veleta (3394 Meter) und die Alcazaba (3371 Meter) auf einer einfachen und gemütlichen Strecke genießen. Auf der Route „Vereda de las Estrellas", der Pfad der Sterne, wandert man mit beeindruckendem Blick auf die Dreitausender. Einer der schönsten Wanderwege der Sierra Nevada führt durch üppige Vegetation und das Rauschen unzähliger Bäche und Flüsse begleitet den Wanderer bis zum Ziel, der „Cueva Secreta".

Von der Costa del Sol nimmt man die Autobahn Richtung Granada. Am Stadteingang angelangt, fährt man an der Ronda Sur von der Autobahn in Richtung Sierra Nevada ab. Kurz nach der Abfahrt trifft man auf den Serrallo Tunnel, den man auf der rechten Fahrspur verlässt, um beim Ausgang nach rechts, wieder Richtung Sierra Nevada, abzubiegen. Von dieser Straße biegt man in Richtung Pina Genil und Güejar Sierra ab. Vorsicht: Nur ein kleines Schild weist auf die Abzweigung Güejar Sierra hin. Die Abzweigung führt direkt in das Dorf. Vorbei an einem Stausee schraubt sich die Straße langsam in die Höhe. In dem Dorf angelangt, folgt man den Schildern Richtung Maitena. Eine schmale Bergstraße führt zum Ausgangspunkt der Wanderung, zu einem Restaurant an dem auch die Straße endet.

Vorbei an tosenden Wasserfällen

Am Zusammenfluss des Genil mit dem Barranco de San Juan beginnt die Wanderung bei 1050 Meter. Eine kleine Brücke führt über den Genil zu einem Schild, das den Beginn der „Vereda de las Estrellas" anzeigt. Bis zu seinem Endpunkt, der Cueva Secreta, folgt der Weg nun dem Tal des Flusses Genil.

Auf dem ersten Stück des Weges kommt man gleich etwas ins Schwitzen, aber danach steigt der Pfad gleichmäßig und sanft an. Auf beiden Seiten des Flusstals tun sich Schluchten und Wasserfälle auf, während man vorbei an blühenden Mandelbäumen und grasenden Kühen dem Weg folgt. Nach einer Kurve steht plötzlich ein riesiger, tausendjähriger Kastanienbaum vor dem Wanderer, wegen seinem Alter auch „el abuelo", der Großvater, genannt. Kurz darauf gelangt man zum Zusammenfluss des Genil mit dem Vadillo. Bei der folgenden Weggabelung biegt man nach rechts ab. Ein sagenhafter Blick eröffnet sich nach der nächsten Kurve: zum Greifen nah erscheinen die schneebedeckten Gipfel des Mulhacén, der Veleta und der Alcazaba, dahinter strahlend blauer Himmel, davor das grüne Flusstal.

Vorbei an aufgelassenen Minenschächten

Der Weg führt weiter zu den Ruinen von mehreren Minen, den „Minas de la Probadora". In den verfallenen Häusern weiden Kühe und die herumliegenden Steine laden zu einer Rast ein. Bei den ersten Steinblöcken öffnet sich schwarz, ein Loch im Berg: ein ehemaliger Schacht. Mit einer Taschenlampe kann man ihm mehr als hundert Meter tief in den Berg folgen. Auf der Höhe der Minen trifft der Pfad auf einen historischen Weg, den „Camino de los Neveros". Der Name kommt von den Männern, die auf der Suche nach Wasser von Granada in die Sierra Nevada stiegen, um Schnee, „Nieve", und Eis für die Stadt zu holen.

Auf der Höhe von einer weiteren Mine, der „Mina de la Justicia", trifft man auf die Geburtsstätte des Genil: Zwei Flüsse, der Guarnón und der Real, vereinen sich an dieser Stelle zum Genil. Wasserfälle rauschen in die Tiefe und mit etwas Glück und einem scharfen Blick, kann der Wanderer ein Rudel Gämse auf den Hängen entlang springen sehen. Etwas weiter oben vereinen sich die Flüsse Valdeinfiernos und Valdecasillas zum Fluss Real, der weiter unten zum Genil wird. Der Weg wird von nun an immer schmäler und führt am linken Flussufer hinauf zur „Cueva Secreta", dem Endpunkt der Wanderung. Cueva, weil Steine eine Höhle für das Vieh formen, das im Sommer auf den Weiden grast. Die terassenförmigen Weideflächen um die Cueva herum sind ein idealer Platz, um den Blick auf den Mulhacén und die Brotzeit zu genießen. Von dort aus ist der Mulhacén zwar immer noch knappe 2000 Meter entfernt, aber es sieht so aus, als müsste man nur noch ein paar Schritte weitergehen, um die ersten Schneefelder berühren zu können.

Die Wanderung dauert circa sieben Stunden, in denen man 500 Höhenmeter und zwanzig Kilometer durchläuft. Die Route ist sehr gut ausgeschildert und der Weg breit und sicher. Nicht nur Ausflügler sind auf der Vereda unterwegs, sondern auch Mountainbiker und Kletterer. Letztere oft mit Zelt, weil sie bei der Cueva Secreta das Basislager für den Aufstieg auf einen der drei Gipfel aufschlagen.

Veronica Frenzel, Veronica Frenzel

Veronica Frenzel - Seit fünf Jahren arbeitet Veronica Frenzel als freie Journalistin in Málaga, Andalusien. Für das Reisejournal der Westdeutschen ...

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