Wandern in der Toskana: Die Apuanischen Alpen

Der Weg von Castelpoggio zum Rifugio Carrara - Gisela Dürselen
Der Weg von Castelpoggio zum Rifugio Carrara - Gisela Dürselen
Carrara ist weltberühmt für Marmor. Die Berge dahinter aber haben noch viel mehr zu bieten: Traumhafte Wanderwege und geschichtsträchtige Landschaften.

Wer sonntags im Sommer im Rifugio Carrara zu Mittag essen möchte, ist gut beraten, vorzubestellen. Denn der Berghof ist beliebtes Ausflugsziel für die Leute aus der Umgebung, und das Rifugio ist Ausgangspunkt für viele abwechslungsreiche Wandertouren.

Marmor: Das weiße Gold

Schon die Anfahrt zum Refugio Carrara ist atemberaubend: Der Parkplatz, an dem der Weg von der Hauptstraße nach links zur Hütte abzweigt, gewährt einen Einblick in die Bedeutung, die Carrara seit den Zeiten der Römer inne hat: Der Blick schweift vom Thyrrenischen Meer direkt in die "Grotte Tecniche", in einen gigantischen Marmor-Steinbruch, wo an Sonnentagen das Weiß der Steine die Augen blendet, wo sich Maschinen tief in die Berge gefressen haben und eine ebenso faszinierende wie skurrile Landschaft hinterlassen haben.

Der Marmor von Carrara wird auch weißes Gold genannt, weil seine wirtschaftliche Bedeutung für diesen nordwestlichsten Teil der Toskana unermesslich ist, und weil dort nur Stein von bester Qualität gewonnen wird. Das Marmormuseum in Carrara zeugt von dieser Wichtigkeit, und wie dieses Gewerbe Menschen wie auch die ganze Region formte.

Lardo: Der berühmte toskanische Speck

Aber der Marmor schuf auch eine lokale Essens-Spezialität: den berühmten Lardo, den in Salz eingelegten Speck, der traditionell in Marmorbecken reifen darf, und der nicht nur vorzüglich schmeckt, sondern ebenso weiß ist wie die Wannen, in denen er liegt. Ihren Lardo ließen sich die Italiener sogar von der Europäischen Union nicht nehmen: Denn als diese die Marmorwannen aus Hygienegründen durch Edelstahlwannen ersetzen wollte, gingen die Einheimischen auf die Barrikaden und wehrten mit Erfolg die Verordnung ab.

Die Gotenlinie: Zeugen des Zweiten Weltkriegs

Direkt vor dem Rifugio Carrara, am Parkplatz von Aqua Sparta, gibt es ein Memorial, das an die Shoa erinnert - und daran, dass diese Gegend aus einem ganz anderen Grund traurige Berühmtheit erlangte: Von 1943 bis 45 verlief dort die sogenannte Gotenlinie, an der sich die Deutschen in ihren letzten Abwehrkämpfen gegen die Alliierten in ihren Stellungen verbarrikadierten und in dieser Zeit so manches Massaker anrichteten unter der italienischen Zivilbevölkerung.

Quer durch die Apuanischen Alpen gibt es heute Gedenkstätten, die an die grausige Zeit erinnnern. Einer der Höhepunkte trug sich in dem Dörfchen Sant Anna di Stazzema zu, das eine knappe Autostunde von Carrara entfernt liegt: In Sant Anna di Stazzema ermordete die SS 560 Menschen, und nur wenige Bewohner des Dorfes entkamen. Heute ist das Dorf ein Friedens- und Erinnerungsort und birgt unter anderem ein Museum der italienischen Resistenza.

Ausflugsziele, die sich lohnen

Wer sich traurige Erinnerungen ersparen möchte und lieber die artenreiche Pflanzen- und Tierwelt genießt, sollte vom Rifugio Carrara aus den zirka halbstündigen Weg zu dem verlassenen Dorf Cardeto einschlagen. Wegen der Schönheit dieses Platzes und wegen der angenehmen Kühle an heißen Sommertagen ist Cardeto ein beliebtes Ausflugsziel für Italiener. Hinunter führt der Weg vom Rifugio aus in Richtung Castelpoggio und passiert die Grotte Gabellacia: eine der vielen Grotten der Apuanischen Alpen, die zerfurcht wie ein Schweizer Käse sind und über 500 Höhlen bergen, von denen einige gewaltige Ausmaße einnehmen.

Gisela Dürselen Suite101-Autorin, (Foto: Christine Vincon)

Gisela Dürselen - Ausbildung und berufliche Meilensteine: Journalistin, Friedensfachkraft, Trainerin für emotionale und soziale KompetenzStudium ...

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