Wandern in Ligurien – von Camogli bis Punta Chiappa

Aussicht von San Rocco auf die Küste von Genua - B.Olderdissen
Aussicht von San Rocco auf die Küste von Genua - B.Olderdissen
Das italienische Ligurien bietet viele wunderschöne Wanderwege. Einer davon führt von Camogli zur Landspitze Punta Chiappa, auf der Halbinsel von Portofino.

Für klassischen Badeurlaub ist das italienische Ligurien im Nordwesten des Landes wegen seiner felsigen Küste und weniger, steiniger Strände eher ungeeignet. Dagegen eignet sich die Region aber ausgezeichnet zum Wandern auf seinen bewaldeten Klippen, die steil ins Meer abfallen und traumhafte Aussichtspunkte gewähren. Ein besonders schöner Wanderweg verläuft von Camogli, 20 Kilometer östlich von Genua, nach Punta Chiappa, Landspitze an der Halbinsel von Portofino.

Schwierigkeit des Wanderweges

Vom Schwierigkeitsgrad her ist der Weg auch für Anfänger leicht zu meistern. Allerdings sollten sich Personen mit Knieproblemen vorsehen, da es sehr viele Stufen gibt. Als Ausrüstung reichen bequeme Turnschuhe und besonders im Frühling und Sommer ausreichend Sonnencreme.

Steil ist vor allem der erste Teil des Weges, der von Camogli hoch zu dem Dorf San Rocco führt, das auf den Klippen über Camogli liegt. Danach geht es meistens bergab. Zwischendurch kann man sich an kleinen Bars oder in Restaurants mit Meeresblick stärken. Wer sich dafür entscheidet, den Rückweg auch zu Fuß zu gehen, muss sich auf einen langen und steilen Aufstieg zurück nach San Rocco bereitmachen, der den von Camogli nach San Rocco an Grad der Steigung und damit der Dauer des Marsches bei weitem übertrifft.

Von Camogli nach San Rocco

Vom Bahnhof Camogli geht es nach links Richtung Halbinsel von Portofino. Circa einmal die Stunde fährt auch ein Bus hoch nach San Rocco (italienisch), doch man muss einmal umsteigen und es lohnt sich, auch diesen Teil trotz der Steigung zu Fuß zu gehen. Der Aufstieg dauert bei gemütlichem Wandern etwa eine Stunde. Ein gut ausgeschilderter Weg führt zwischen bunten Wohnhäusern und kleinen Gärten steil nach oben. Begleitet vom Duft verschiedener Blumen erhält der Wanderer schnell einen Ausblick auf die bewaldeten Hügel, die hinter Camogli von farbigen Häuschen in mediterranem Stil geziert werden.

In San Rocco angekommen, belohnt der Kirchplatz den Besucher mit einem überwältigenden Weitblick über die Küste von Genua mit ihren zahlreichen kleinen Dörfern. Direkt am Abstieg Richtung Punta Chiappa bietet eine Bar wohltuende Rast. Weiter geht es steil abwärts, entlang eines sehr gut beschilderten Weges. Man achte nur darauf, hinter San Rocco die richtige Abzweigung nach Punta Chiappa zu nehmen und nicht den Weg zum sehr viel ferner gelegenen San Fruttuoso. Unterwegs eröffnen sich immer wieder schöne Ausblicke auf das türkisblaue, klare Meer und die gesamte Küste.

Ankunft in Punta Chiappa

Bei Ankunft in Punta Chiappa, je nach persönlicher Geschwindigkeit gut eine halbe Stunde oder 45 Minuten später, begrüßen kleine Restaurants mit allerlei lokalen Spezialitäten den Wanderer. Hier bietet sich auch die letzte Gelegenheit, den Proviant aufzustocken, da es an Punta Chiappa selbst keine Getränke oder Snacks mehr zu kaufen gibt.

Hinter den Restaurants führt ein mit Fischernetzen behangener Weg weiter Richtung Landspitze, sofort erkennbar an der mondähnlichen Landschaft. Karge Felsen, von den Wellen umspült, laufen auf beiden Seiten steil zum Meer hinab und schaffen Momente ungestörter Verbundenheit mit der Natur. Es lohnt sich, bis zum äußersten Punkt weiterzugehen, jedoch mit größter Vorsicht, da man auf den unebenen Felsen leicht stolpern oder ausrutschen kann. Kurz vor der Spitze führt rechts eine steile Treppe zum Meer hinunter. Badefreunde können sich hier nach der Wanderung direkt ins kühle Wasser stürzen, ein stabiles Seil hilft dabei, an Land zurückzukehren. Dieser Punkt erlaubt wie kaum ein anderer das Schwimmen im offenen Meer, im klaren Wasser des ligurischen Meeres, bei dem man oft bis auf den Grund sehen kann.

Endstation: Die Landspitze

An der Spitze von Punta Chiappa angelangt, kann nichts die weite Sicht auf das Meer unterbrechen. Auch während der sommerlichen Hochsaison findet man hier relative Ruhe fernab des touristischen Trubels der kleinen Strände. Wem es zu viel ist, zurückzuwandern, der kann vom kleinen Hafen Punta Chiappas aus ein Boot nehmen. Die Fähre (italienisch/englisch) verkehrt regelmäßig zwischen Camogli und San Fruttuoso, einer Bucht hinter Punta Chiappa. Man sollte sich jedoch vorab über die Abfahrtszeiten informieren, da die letzte Fähre schon sehr früh ablegt, je nach Jahreszeit gegen 17 oder 18 Uhr.

Bernadette Olderdissen, Bernadette Olderdissen

Bernadette Olderdissen - Bernadette Olderdissen, geboren 1981, ist Anglistin, Skandinavistin und Japanologin mit einer Zusatzausbildung zur ...

rss