Wandern in Südkorea: Nationalsport Nummer eins

Südkoreaner entspannen nach Wanderung am Fluss - B.Olderdissen
Südkoreaner entspannen nach Wanderung am Fluss - B.Olderdissen
Die Südkoreaner lieben die Berge und das Wandern in den Bergen. Erfahren Sie, wo es in Seoul und im restlichen Südkorea die besten Wandermöglichkeiten gibt.

Viele Deutsche und andere Europäer lieben die Berge, das Wandern in den Bergen und Bergsteigen. Fantastische Gebirge wie die Alpen und Pyrenäen bieten immer neue Erkundungsmöglichkeiten. Doch Globetrotter unter den Bergliebhabern können im fernen Asien ihr Paradies finden: in Südkorea.

Viel Natur direkt in Seoul

Wenig ist in Europa über Südkorea bekannt, und doch reicht ein kurzer Besuch in dem modernen asiatischen Land bereits aus, um eines klar zu erkennen: Die Südkoreaner sind leidenschaftliche Wanderer. Überraschend ist für viele Reisende, dass die Bewohner der Hauptstadt und 25 Millionen Metropole Seoul nicht einmal weit zu fahren brauchen, um mitten in der Natur zu sein. Zahlreiche Berge umgeben das Stadtzentrum von Seoul und mehrere Metrolinien haben Stationen in unmittelbarer Nähe der schönen Wanderwege.

Dort gibt es den Berg Gwanaksan (englisch) mit einem kleinen, laternenbehangenen Tempel auf der Spitze, von dem aus sich ein überwältigender Blick über Seoul und seine Umgebung eröffnet, bis hin zum Meer bei Incheon. Wer sich bisher der Ausmaße von Seoul noch nicht bewusst war, wird sie nach diesem Blick nie wieder vergessen. Der Berg gilt als wichtigstes Naherholungsgebiet und bietet viele schöne Wanderwege und Entspannungsmöglichkeiten an kleinen Bächen, die das Waldgebiet durchziehen. Im Norden der Stadt erhebt sich dagegen der Berg Bukhansan (englisch) mit einem ausgedehnten Wegenetz und vielen winzigen Tempeln, die einen Besuch wert sind. Im Südosten erwartet dagegen die Bergfestung Namhansanseong (englisch) den Wanderer mit Festungsanlagen und Tempeln aus dem 17. Jahrhundert sowie mit vielen Pfaden zum Spazieren oder Wandern.

Am Wochenende wird gewandert

Die Bewohner Seouls und seiner Umgebung wissen die schönen Naherholungsgebiete zu schätzen. Jedes Wochenende strömen kleine Gruppen von Wanderern oder ganze Familien in die Berge, um fernab ihrer klotzigen Wohnblocks und der Wolkenkratzer in der Innenstadt die Ruhe der Natur zu genießen. Viele Einheimische wandern dabei mühelos von früh morgens bis in die Abendstunden. Manch ausländischer Besucher kann nur neidisch werden, wenn er die kleinen Südkoreaner geschmeidig und ganz ohne Schweiß auf der Stirn über Felsen springen sieht und steile Berge hochlaufen, als seien sie der Korridor im Bürogebäude. Es gibt jedoch auch in Südkorea Menschen, die es vorziehen, sich an den vielen Bächen zu erfrischen, zu entspannen und -eine weitere Leidenschaft der Südkoreaner- ausgiebig zu picknicken.

Wer den Andrang in den Seouler Bergen vermeiden möchte, sollte dort lieber während der Woche wandern. Jedoch vermittelt es auch einen äußerst überraschenden und lohnenswerten Eindruck von den Südkoreanern und ihrem Bewegungsdrang, sie beim Wandern am Wochenende zu beobachten.

Optimale Wanderausrüstung

Es gibt kaum einen Südkoreaner, der auf seinen Wanderungen nicht optimal gekleidet und ausgerüstet wäre. Atmungsaktive T-Shirts und Hosen, feste Wanderschuhe, dicke Socken, Stöcke und Sonnenschutz für Kopf, Arme und Gesicht gehören ebenso zum Outfit des koreanischen Wanderers wie ein leichter Rucksack, der mit dem Allernötigsten gefüllt ist.

Von großem Vorteil für den Wanderer ist, dass es vor dem Anfang eines jeden bekannten Wanderweges, Erholungsgebietes und Nationalparks hunderte von Geschäften und kleinen Ständen gibt, an denen man alle nur erdenkliche Wanderkleidung und Ausrüstung günstig kaufen kann, aber auch speziell für den Wanderer zubereiteten Proviant. Hartgekochte Eier sind dabei Standard, genau wie das beliebte Gimbap – ähnlich wie Sushi in Seetang gerollter Reis mit Gemüsefüllung in der Mitte. Gimbap wird unterwegs genüsslich mit Stäbchen gegessen.

Wunderschöne Nationalparks

Wer mehr Zeit in Südkorea verbringt und nicht nur in Seoul und Umgebung bleibt, findet in ganz Südkorea viele schöne Nationalparks zum Wandern. Zu den bei Südkoreanern beliebtesten Parks gehören der Seoraksan Nationalpark (englisch) südöstlich von Seoul, mit dem Bus in zwei bis drei Stunden erreichbar, sowie der Gyeryongsan Nationalpark (englisch) unweit der Großstadt Daejeon, südlich von Seoul.

Den Höhepunkt und auch die größte Herausforderung an den Wanderer stellt Südkoreas höchster Berg Hallsan im Hallasan Nationalpark (englisch) dar. Der erloschene Vulkan liegt auf der Insel Jeju-do, 160 Kilometer südlich der koreanischen Halbinsel. Die Besteigung des Berges mindestens einmal im Leben ist ein absolutes Muss für jeden Südkoreaner. Auf- und Abstieg dauern jedoch gut zehn bis zwölf Stunden. Man sollte dabei keinem Koreaner Glauben schenken, der behauptet, der Aufstieg sei gar nicht so mühsam. Südkoreaner sind es von klein auf gewöhnt, nahezu wöchentlich anspruchsvolle Wanderungen auf sich zu nehmen, und der durchschnittliche europäische Wanderer kann sich so leicht nicht mit ihnen messen. Wer genug Kraft und Ausdauer hat, dem sei die Besteigung des Hallasan jedoch wärmstens empfohlen. Nicht nur eröffnet sich auf dem Gipfel ein wunderschöner Blick auf den Krater des Vulkans, sondern ein unübertreffliches Panorama von ganz Jeju-do.

Bernadette Olderdissen, Bernadette Olderdissen

Bernadette Olderdissen - Bernadette Olderdissen, geboren 1981, ist Anglistin, Skandinavistin und Japanologin mit einer Zusatzausbildung zur ...

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