
- Naturpark Bayerischer Wald - Gemeinde Finsterau
Dichter haben den eigenwilligen Charme des Bayerischen Waldes in wohlgesetzte Verse geformt: „Das ist nicht ein Wald wie sonst einer,/der Bayerische Wald./Er ist so schwarz wie sonst keiner,/es hat ihn noch keiner gemalt/wie er ist“, reimt der Regensburger Georg Britting. Auch andere haben den Wald besungen: vorwiegend Heimatdichter wie Adalbert Stifter, Hans Carossa, Max Peinkofer oder Hans Watzlik. Vor etwa 530 Millionen Jahren, so vermuten die Wissenschaftler, hat sich dieses Urgebirge gebildet, das sich heute über die rund 6000 Quadratkilometer zwischen Donau, Böhmerwald und österreichischer Landesgrenze erstreckt. Der Bayerische Wald ist damit die größte Waldlandschaft Mitteleuropas und gilt als eine der ältesten ihrer Art auf der Welt.
Granit trotzte der Erosion
Wind und Wetter, Hitze und Kälte, Hebungen und Aufwölbungen haben seit jeher an diesem Gebirge genagt und es von seiner einstigen Höhe auf die heutige Mittelgebirgslage herabgedrückt. Am meisten Widerstand leistete dabei der schwere, blaue Granit. Er ragt auch jetzt noch überall heraus, wo durch Erosion weicheres und spröderes Material schon längst verschwunden ist.
Schützenswerte Pflanzen
Flora und Fauna sind im Bayerischen Wald noch in Ordnung. Der vor nicht allzu langer Zeit wieder heimisch gewordene Luchs belegt das ebenso eindrucksvoll wie die Wölfe, die die Weiten des Waldes durchstreifen. Pflanzen wie Salomonsiegel und Goldmilzkraut, Siebenstern und Sonnentau, Mondviole oder Bergweidenröschen finden sich an entlegenen Stellen des Waldes. Doch auch Gewächse mit gefährlichen Namen, die ihren Bezeichnungen oft alle Ehre machen, sind hin und wieder anzutreffen: die Teufelskralle oder das bittere Schaumkraut, Wolfeisenhut oder Sumpftarant. Trotz ihrer düsteren Namen sind sie alle schützenswerte Pflanzen.
Der Teufel schleudert Quarzbrocken
Blickt man von irgendeiner der zahlreichen Anhöhen des Bayerischen Waldes an einem klaren Tag weit nach Süden, sieht man sogar die glitzernden Gipfel der Alpen. Die liegen zwar viel höher als das Urgebirge zwischen Bayern und Böhmen, sind dafür aber auch viel jünger. Als sich die bizarren Gipfel der Alpen in die Höhe wuchteten, haben deren Druckwellen auch den Bayerischen Wald verformt. Sogar das härteste Gestein hat dieser Gewalt nicht standhalten können. Die damals entstandenen Bruchlinien sieht man heute noch, wie etwa den „Pfahl“. Der Volksmund hat natürlich ganz andere Erklärungen für diese Bodenformationen: Der Teufel habe aus Wut über den Verlust einer frommen Christenseele schwere Quarzbrocken umhergeschleudert, die die markanten Furchen und Gräben in den Boden gerissen haben.
Mönche und mutige Siedler
Die ersten Spuren von Zivilisation hinterließen Menschen, die entlang der Flusstäler in das Gebiet des Bayerischen Waldes kamen, die meisten am Ufer des Regen entlang. Mönche waren es und einsame, mutige Siedler, die bis in das fruchtbare Becken vordrangen, das heute Böhmen heißt. Später siedelten ganze Völkerscharen in der so genannten Further Senke. Den Weg von Böhmen über das heutige Furth nach Bayern herein haben vermutlich auch die ersten Bajuwaren genommen.
Auch heute noch lässt sich trefflich umherziehen in den grünen Auen und Wäldern, die immerhin mehr als 130 Gipfel über 1300 Meter Höhe zählen. Auf historischen Wegen kann man hier wandeln, zum Beispiel auf den ehemaligen Handelsstraßen zwischen der Donau und Böhmen, auf den Spuren von Salzsäumern, Glashändlern und Panduren.
Baierweg und Böhmerweg
Baierweg und Böhmerweg zählen zu den ältesten Verbindungen zwischen Donau und Moldau. Der erste zieht sich von Straubing über Domazlice, das frühere Taus mit seinem prächtigen Stadtplatz, nach Furth im Wald. Der Böhmerweg führt den Wanderer von Deggendorf über Bischofsmais und Zwiesel nach Bayerisch Eisenstein. Für jede dieser Wanderungen muss man je nach Kondition vier bis sechs Tage rechnen.
Von Niederalteich nach Gutwasser
Ein besonderer Pfad folgt den Spuren des Rodungsmönchs Gunther, nach dem die Strecke auch benannt ist. Ausgangspunkt bildet das Kloster Niederalteich. Über Lalling geht es nach Rinchnach, der ältesten Kulturstätte des mittleren Bayerischen Waldes. Hier begegnet man dem Ortsheiligen Gunther auf Schritt und Tritt. Vorbei an Lindberg führt die letzte Etappe zum alten Feriendorf Stubenbach (Prásily) und nach Gutwasser (Dobrá Voda). Eine kleine Waldkapelle auf dem Günthersberg erinnert mit einem vielfarbigen Holzschnitt an die letzte Ruhestätte der großen Roders und Wegebauers Gunther.
