Zur August-Mitte 2008 beunruhigen Deutschlands Boulevard-Zeitungen Hunderttausende von Rentnern: 2009 kommen auf Zehntausende von Empfängern von Altersbezügen Steuernachzahlungen zu. Grund zur Panik?

Für die meisten Rentner ändert sich 2009 gar nichts. Richtig ist, dass aufgrund von Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts die Besteuerung der Renten ab 2005 umgestellt worden ist. Weil die Beiträge zur Rentenversicherung steuerfrei waren und sind, sieht das „Alterseinkünftegesetz“ seit drei Jahren eine sich langsam entwickelnde Besteuerung der Renten vor. Für die große Mehrheit der fünfzehn Millionen deutschen Rentner, die bereits vor 2005 eine Rente bezogen haben, keine zusätzlichen Einkünfte wie Zinserträge oder Mieten haben und nicht mehr als 19.000 Euro Rente bekommen, ändert sich gar nichts.

Erst ab 2040 werden die Neurenten voll besteuert

Wesentlich ist aber, dass der prozentuale Anteil der steuerfreien Rente mit jedem Jahr des Rentensintritts sinkt. Für 2008 sind dies nur noch 16.800 Euro. Dabei ist der Grundsatz, dass für Bestandsrenter der Jahre 2005 und früher die Hälfte der Rente steuerfrei ist. Hinzu kommt das steuerfreie Existenzminimum von derzeit 7.664 Euro. Das steht jedem Bürger zu. Außerdem sind die Werbungskosten – das sind bei Rentnern normalerweise Krankenkassenbeiträge und die Beiträge zur Pflegeversicherung - hinzu zu rechnen.

Bis 2020 sinkt die steuerfreie Rente jährlich um zwei Prozentpunkte, danach bis 2040 um jeweils einen Prozentpunkt. Ab 2040 muss die gesamte Rente versteuert werden. Nachgelagerte Besteuerung nennt dies die Finanzverwaltung. Für jeden Neurentner gilt: Es gilt der Prozentsatz des Jahres des ersten Rentenbezuges für den Rest des Lebens.

Die Steuertabellen sind nur auf die Freibetrag überschießenden Alterseinkünfte anzuwenden. Daraus ergeben sich verhältnismäßig geringe Steuerbeträge. Dennoch ist jedem, der nach seinen Renten- und sonstigen Einkünften für eine Steuerzahlung in Betracht kommt, zu raten, sich frühzeitig mit dem für seinen Wohnsitz zuständigen Finanzamt in Verbindung zu setzen. Ab 2009 müssen die Rentenversicherungsträger alle Zahlungen einer im Aufbau befindlichen Zentralstelle melden. Und die sendet Kontrollmitteilungen an die Wohnsitz-Finanzämter.

Die meisten Rentner sind nicht betroffen

Die Renten der meisten Senioren sind nicht so hoch, dass das Problem sie berühren könnte. Andererseits gibt es doch gut situierte ältere Menschen, die schon jetzt – bei einem Renteneintritt 2005 und früher – Renten von mehr als 1.700 Euro erhalten. Wenn die keine bösen Überraschungen erleben wollen, müssen solche Senioren mit ihrem Finanzamt vierteljährliche oder monatliche Vorauszahlungen in Höhe der voraussichtlich anfallenden Einkommensteuer vereinbaren.

Wer durch die Kontrollmitteilungen in das Visier der Finanzbehörden kommt, wird nach Mitteilung der obersten Landesfinanzverwaltungen nicht befürchten müssen, Besuch von der Steuerfahndung zu bekommen. Er wird aber zur Abgabe einer Steuererklärung aufgefordert werden und muss unter Umständen damit rechnen, für die angefallene Steuer Säumniszuschläge zahlen zu müssen. Die entstehen kraft Gesetzes. Unter Umständen kann sich ein Antrag auf Abgabenerlass aus Billigkeitsgründen lohnen.

Dort, wo größere Steuerbeträge auf dem Spiel stehen, kann es ratsam sein, sich von einem Steuerberater oder einem Lohnteuerhilfebüro beraten zu lassen. Umsonst ist das allerdings nicht…

Suite101-Artikel können keinen rechtlichen Rat erteilen. Deshalb: Holen Sie sich im Zweifelsfalle rechtlichen Rat bei einem Steuerberater, einem Lohnsteuerhilfebüro oder auch bei dem für sie zuständigen Sachbearbeiter Ihres Finanzamtes!