Wann wurde der Hof Hörstebrock in Lienen erstmals erwähnt?

Am 9. November 2011 kann der Hof Hörstebrock in Lienen-Westerbeck (Ellerhooksweg 7), Kreis Steinfurt, auf 570 Jahre nachweisbare Geschichte zurück blicken.

Bisher galt als erste Erwähnung des Hofes Hörstebrock in Lienen-Westerbeck (Ellerhooksweg 7) die Eintragung im Tecklenburger Schuldschweineregister von 1494 („Horstebroick“), aus der hervorgeht, dass vom Hof damals zwei Schweine an den Tecklenburger Grafen zu liefern waren.

Neuer Archivfund

Doch fand sich nun im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen in Münster unter der Signatur „Grafschaft Tecklenburg, Urkunden, Nr. 217“ eine Urkunde vom 9. November 1441, die einen Güterverzicht des Hugo von Horesche zu Gunsten des Grafen Otto von Tecklenburg dokumentiert. Unter diesen Gütern, die der Tecklenburger Graf zurück erhielt, wird auch der Hof „Horstebrok belegen in den Kerspel [Kirchspiel] van Lynen“ genannt. Somit kann der Hof am 9. November 2011 auf mindestens 570 Jahre nachweisbare Geschichte zurückblicken.

Hofname erwähnt

Der Hofname „Hörstebrock“ geht auf eine alte Flurbezeichnung zurück. Der Hof entstand also ursprünglich in der Nähe eines „Hörstebrocks“. Doch was ist unter einem Flurort mit einem derartigen Namen zu verstehen? Der Name ist eine Zusammensetzung und besteht aus dem niederdeutschen Grundwort "-brôk" – hochdeutsch "Bruch". Ein "Bruch" wird folgendermaßen definiert: Eine tiefliegende von Wasser durchsetzte und mit Gehölz bestandene Fläche, Sumpf. Das Bestimmungswort des Namens, also der erste Teil, ist das Wort „horst“, hier im Plural („horste“ bzw. „hörste“). Das mittelniederdeutsche Wort „horst, hurst“ bedeutet „niedriges Gestrüpp, Krüppelbusch oder Busch“. Es ist eine typische Bezeichnung für ein in Niederwaldwirtschaft genutztes Gehölz. Unter dem Begriff "Niederwaldwirtschaft" versteht man eine vor allem in der Vergangenheit gebräuchliche forstliche Betriebsart, bei der die Laubholzbestände alle paar Jahre dicht am Boden kahl geschlagen werden. Die Stümpfe werden stehen gelassen. Aus ihnen entsteht neue Bestand durch sogenannten "Stockausschlag". Das so gewonnene Holz diente früher als Brennholz, zur Herstellung von Geräten und Werkzeugen sowie zur Fertigung von Körben, Zäunen, Wänden (vgl. die Etymologie des Wortes Wand, das zum Tätigkeitswort „winden“, in diesem Fall von Weidenruten als Vorgang der Wandherstellung, zu stellen ist), aber auch der Gewinnung von Gerbstoffen für die Lederbearbeitung aus der gerbsäurehaltigen Rinde durch das Schälen der Laubbäume.

Niederwaldfähige Bäume, also solche, die zum Stockausschlag fähig sind, sind die Esche, Buche, Birke, Hasel, Eibe, Erle, Linde, Nuß, Ulme, Weide und die Espe. Somit bezeichnete der Flurname „Hörstebrock“ ein Bruchgebiet oder eine sumpfige Fläche, die mit mehreren in Niederwaldwirtschaft genutzten Gehölzen bestanden war. Diese Feststellung ergibt aber auch einen Hinweis für die Deutung des Namengrundwortes „-brôk“. Das „brôk“ war keine ungenutzte, unwirtliche Fläche abseits menschlicher Siedlung, sondern ein Gebiet, das durchaus in land- und holzwirtschaftlicher Nutzung stand.

Sämtliche Nachweise finden sich hier

Christof Spannhoff - Spannhoff, Christof – Studium der Fächer Geschichte und Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität ...

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