Warum das Erlernen der deutschen Sprache für Türken schwierig ist

Galatabrücke Istanbul - Cigdem Büyüktokatli - Pixelio.de
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Das Deutsch mancher Türken ist dürftig. Es gibt gute Gründe dafür. Die türkische Grammatik funktioniert ganz anders als die deutsche.

Es ist in Mode gekommen, sich über schlechte Sprachkenntnisse von in Deutschland lebenden Türken zu beklagen. Immer wieder wird dies in den Zusammenhang einer mangelnden Integrationsbereitschaft gebracht. Kaum einer macht sich jedoch Gedanken darüber, wie extrem schwierig es für Türken ist, Deutsch zu erlernen, wurde es nicht von Kindesbeinen an intensiv als zweite Muttersprache eingeübt. Wenn schon Mark Twain Grund hatte, sich über die “schreckliche deutsche Sprache” zu beschweren, dann haben Türken das Recht allemal. Ihre Sprache unterscheidet sich vom Deutschen ja weit erheblicher als das Englische. Hier einige Beispiele.

Besonderheiten des Türkischen

Das Türkische kennt kein grammatikalisches Geschlecht. Nomen werden also nicht, wie im Deutschen, nach Maskulinum, Femininum oder Neutrum unterschieden. Das Türkische kennt weder bestimmte noch unbestimmte Artikel, also weder “der, die, das”, noch “ein, eine, ein”. Das Türkische kennt weder das Verb “sein” noch das Verb “haben”. Das Türkische zählt zu den sogenannten SOV (Subjekt-Objekt-Verb)-Sprachen. Der Satz “Ali raucht Zigaretten” hieße aus dem Türkischen wörtlich übersetzrt: “Ali Zigaretten raucht”. Im Türkischen muss nach einem Zahlwort kein Plural stehen, man kann also sagen: “Ich habe zehn Buch”. Im Türkischen wird nie der Wortstamm verändert, wie etwa im Deutschen “trinken, trank, getrunken” oder “Mutter/Mütter”. Das Türkische gehört vielmehr zu den sogenannten agglutinierenden, mithin “aneinanderleimenden” Sprachen. Zum Beispiel heißt “baba” Vater, “babalar” Väter, “babam“ mein Vater”, “babamdan” von meinem Vater.

Weitere Merkmale der türkischen Sprache

Ein wichtiges Merkmal des Türkischen ist die sogenannte Vokalharmonie. Fast alle Wörter enthalten entweder Vokale, die im vorderen Mund artikuliert werden wie e, i, ö und ü, oder solche, die im Mund hinten artikuliert werden wie a, o und u. Deutsch klingt für Türken deshalb sehr unmelodisch und hart. Das Türkische kennt keine Präfixe wie das Deutsche (etwa: “einsteigen, aussteigen, umsteigen, absteigen”). Das Türkische kennt keine Präpositionen. Präpositionen bereiten übrigens auch den Deutschen Schwierigkeiten, etwa hört oder liest man, “sich für eine Stelle bewerben”, statt, wie es korrekt lauten muss, “sich um eine Stelle bewerben”. Das Türkische kennt fast keine Ausnahmen, während es im Deutschen davon wimmelt.

Deutsch als Fremdsprache – ein Irrgarten

Spätestens seit den Zwiebelfisch-Kolumnen von Bernhard Sick bei SPIEGEL ONLINE wissen die Deutschen um die Schwierigkeit ihrer Sprache. Seit dem Bucherfolg “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod” gibt es auch von anderen Autoren viel “Neues aus dem Irrgarten der deutschen Sprache”. Dass da einer, der Deutsch als Fremdsprache lernen muss, verzweifelt, ist nicht verwunderlich. Er braucht jede erdenkliche Unterstützung – und Verständnis, warum er sich damit schwertut. Übrigens gibt es auch Dinge, die im Deutschen einfacher als im Türkischen sind: So gibt es bei uns zum Beispiel wesentlich weniger Zeitformen.

Dr. Birgit Giloy - Birgit Giloy studierte Literatur und Philosophie und wurde in Heidelberg promoviert. Sie lehrte an Universitäten in Deutschland und ...

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