Warum es sich lohnt, Philosophie zu studieren

Warum die Kunst des Denkens, nicht brotlos sein muss.

Wer sich für das Studium der Philosophie interessiert, steht vor der Frage, was er damit danach machen will. Die Philosophie muss allerdings keine brotlose Kunst sein.

Jedes Jahr zum neuen Wintersemester stehen viele Schulabgänger vor der Frage, was sie studieren sollen. Neben beliebten Studiengängen wie BWL entscheiden sich viele Studenten zu einem geisteswissenschaftlichen Studium, allen voran Geschichte und Philosophie. Ein Philosophiestudium hat Vor- und Nachteile. Es lohnt sich aber trotzdem.

Was machen eigentlich Philosophen?

Wer Philosophie studiert und noch andere Geschwister hat, die ebenfalls eine akademische Laufbahn anstreben, muss sich daran gewöhnen, dass bei Familienfeiern meist sofort klar ist, was der jüngere Bruder macht, wenn er Chemie studiert oder die ältere Schwester, deren Medizinstudium auch durchaus handfeste Dinge mit sich bringt. Bei Philosophie kommt dann aber gern die Frage auf „Aha. Und was macht man da so?? Tatsächlich ist die Philosophie die einzige Fakultät, die ständig gehalten ist, sich selbst zu rechtfertigen. Wozu also braucht man die Philosophie?

Eine der Hauptaufgaben der Philosophie ist die Begriffsbestimmung. Wenn in der Wissenschaft Probleme diskutiert werden, dann sind es die Philosophen, die zunächst einmal klären, unter welche Begriffe man das Problem fassen kann. Aber damit nicht genug. Gerade in der heutigen Zeit sind viele Forschungen umstritten. Moralische und ethische Bedenken sind hier gerade durch die Philosophie zu prüfen. Zu den Fragen, die von anderen wissenschaftlichen Gebieten an die Philosophie gestellt werden zählen etwa: Darf man das menschliche Genom verändern? Sollen Medikamente gegen Krankheiten auch gesunden Menschen zur Verbesserung ihrer Fähigkeiten zur Verfügung stehen? Hat der Mensch einen freien Willen oder ist er vielmehr durch sein Gehirn determiniert?

Das Philosophiestudium

Zu den grundlegenden Techniken, die Philosophen gebrauchen, gehören Gedankenexperimente und Analysen. Hierzu zwingend notwendig sind Kenntnisse der formale Logik und der Argumentationstheorie. Argumente und ihre logische Struktur sind die Grundlagen jeder philosophischen Arbeit, daher kommt kein Philosophiestudent darum herum, sich mit formalen Sprachen und der Logik als solcher zu beschäftigen. Zum Handwerkszeug gehören ebenfalls Kurse, in denen das Schreiben von philosophischen Arbeiten gelernt wird. Man mag denken, dass man ja bereits lesen und schreiben kann. Philosophisches Schreiben ist allerdings von anderen Textgattungen insofern verschieden, als dass es von Ausschmückungen und komplexen sprachlichen Wendungen Abstand nimmt. Texte sollten reduziert auf das Wesentliche sein. Kurze, knappe Formulierungen und stilistische oder blumige Ausdrücke und unnötige Fachvokabeln.

Je nachdem, wie die Vorlieben und beruflichen Ziele eines Studenten sind, stehen dann verschiedene Bereiche der Philosophie zur Verfügung. Neben der Philosophie des Geistes die sich, wie der Name vermuten lässt, mit dem menschlichen Geist und seinen Eigenschaften beschäftigt, stehen moralische Begründungen, praktische Philosophie, geschichtliche Themen und modernste Ansätze der Bioethik auf dem Plan. Untersucht werden diese Themengebiete jeweils anhand von Primärtexten der einschlägigen Autoren. Wer sich für das Studium der Philosophie entscheidet, sollte sich im Vornherein darüber im Klaren sein, dass alles auf Basis von Texten stattfindet, die gelesen werden müssen.

Ist die Philosophie wirklich eine brotlose Kunst?

Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Entgegen der landläufigen (und häufig falschen) Meinung, dass man mit Philosophie ja nun überhaupt nichts anfangen könne, sind die Einsatzmöglichkeiten für Philosophen sehr umfangreich. So besteht die Möglichkeit, einer Lehrerausbildung, Tätigkeiten in Redaktionen von Zeitungen oder der Verbleib in der universitären Forschung und Lehre. Ein weiterer Zweig, der in der letzten Zeit stark von Interesse ist, ist die philosophische Beratung als Form von Lebenshilfe oder Problembewältigung. Auch für Unternehmen kann eine solche philosophische Analyse von Nutzen sein, wenn neben der Wirtschaftlichkeit auch die Kundenbindung und die Zufriedenheit der Mitarbeiter in den Vordergrund gerückt werden. Die Kunst der Philosophie ist also nur dann brotlos, wenn man nichts daraus zu machen weiß. In jedem Fall sollte man sich vor dem Studium darüber im Klaren sein, wie man sich seine berufliche Zukunft vorstellt.

Ingo, Janine Böversen

Ingo Kurpanek - Als Student der Philosophie verfasse ich nahezu tagtäglich umfangreiche Ausarbeitungen über allerlei philosophische Themen. Da ...

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