Warum geht "Schnick-Schnack-Schnuck" so oft unentschieden aus?

Warum endet "Schnick-Schnack-Schnuck" so oft mit einem Unentschieden? Weil der langsamere den schnelleren Spieler imitiert.

Die geballte Faust steht für einen Stein. Die gespreizten Zeige- und Mittelfinger symbolisieren eine Schere. Und die flache Hand repräsentiert ein Stück Papier. Der Stein schlägt die Schere, weil er sie stumpf machen kann. Die Schere schlägt das Papier, weil sie es zerschneiden kann. Und das Papier schlägt den Stein, weil es ihn einwickeln kann. Die beiden Spieler schließen ihre Hand und lassen sie etwas schlenkern. Dabei zählen sie gleichzeitig bis drei oder sagen „Schnick - Schnack – Schnuck“. Dann wird blitzschnell die Hand vorgestreckt und eines der drei Figuren gebildet.

Jedes Kind kennt dieses Spiel, das auf der ganzen Welt gespielt wird und im deutschen Sprachraum als „Schnick – Schnack – Schnuck“ und unter etlichen anderen Namen bekannt ist. Dieses äußerst simple Spiel gibt der Wissenschaft ein Rätsel auf: Warum geht es überzufällig häufig unentschieden aus?

Um der Sache auf den Grund zu kommen, hat der britische Psychologe Richard Cook (University College London) kürzlich eine Reihe von Experimenten durchgeführt. Über seine Forschungsergebnisse berichtet er in den „Proceedings of the Royal Society B“.(Nr. 279, S. 780-786).

Schnick-Schnack-Schnuck-Spiele im Experiment - auch mit verbundenen Augen

Cook hat 45 männliche und weibliche Versuchspersonen in Dreiergruppen aufgeteilt, deren Mitglieder jeweils paarweise drei 20-Runden-Matches „Schnick, Schnack, Schnuck“ gegeneinander austragen sollten. In den ersten beiden Partien waren einem der Gegenspieler, in der letzten Partie beiden Gegenspielern die Augen verbunden. Derjenige, der am Ende die meisten Runden gewonnen hatte, wurde mit einer kleinen Geldprämie belohnt.

Die Untersuchung förderte einen signifikanten Unterschied zutage. Von den Spielen, bei denen weder die eine noch die andere Versuchsperson sehen konnte, was ihr Gegenüber machte, gingen 33,3 Prozent unentschieden aus – was exakt der statistisch zu erwartenden Zufallsverteilung entspricht. Hingegen stieg der Anteil der unentschieden ausgehenden Aufeinandertreffen um nahezu 10 Prozent, wenn einer der beiden Konkurrenten in der Lage war, das Tun und Treiben des anderen zu beobachten. Dieser Effekt war allerdings bei den drei Gesten nicht gleichmäßig ausgeprägt. Er trat am stärksten bei „Schere“ auf, dicht gefolgt von „Stein“, wohingegen er bei „Papier“ völlig ausblieb.

Die Spiegelneuronen als Spielverderber

Für all das – vermutet Cook – gibt es eine einfache Erklärung: Immer dann, wenn ein Spieler wahrnimmt, dass sich sein Gegenüber einen Sekundenbruchteil früher als er selbst für eine Geste entschieden hat, neigt er dazu, diese augenblicklich zu imitieren – ohne es zu wollen und ohne sich dessen bewusst zu sein. „Auch wenn es gegen unsere Interessen ist“, sagt Cook, „können wir das automatische Imitieren oft nicht abwehren.“ Dass ausschließlich das Scheren- und das Stein-Symbol imitiert wurden, führt er darauf zurück, dass sie an der auffälligen Haltung der Hände und Finger innerhalb von Millisekunden erkennbar sind.

Cook glaubt, dass für das automatische Imitieren dieser Gesten die Spiegelneuronen verantwortlich sind. Also jene phänomenalen Nervenzellen im Gehirn, die zum einen aktiviert werden, wenn man bestimmte Handlungen ausführt. Und die zum anderen aktiviert werden, wenn man beobachtet, wie ein anderer die gleichen Handlungen ausführt. Allerdings ist nach wie vor nicht ganz klar, was es mit den Spiegelneuronen im einzelnen auf sich hat und wozu sie tatsächlich imstande sind. Offenbar spielen sie längst nicht die Rolle, die manche Populärwissenschaftler ihnen zuschreiben. Sonst müssten Menschen eigentlich pausenlos damit beschäftigt sein, einander nachzuäffen. Das ist zum Glück nicht der Fall.