Warum hat die spanische Hymne keinen Text?

Spaniens Hymne hat keinen Text - nationalflaggen.de
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In Deutschland gibt es Polemik um das Mitsingen der Nationalhymne durch die Fußballer. Die Spanier haben es leichter: Ihre Hymne hat keinen Text.

Das Spielen der Nationalhymnen vor Fußballländerspielen ist ein bedeutsames Ritual. Gerne halten Tontechniker leicht boshaft drauf, wenn der ein oder andere Fußballer schräg singt. Oder es entstehen Diskussionen um den Symbolcharakter, den das Mitsingen oder das Verweigern des Mitsingens haben können – gerade in der als Multikulti-Team hoch gelobten DFB-Elf.

Spanien entzieht sich solcherlei Diskussionen (und schrägen Gesängen). Die eingängige spanische Hymne, La Marcha Real („der königliche Marsch“) ist bis auf den heutigen Tag textfrei geblieben. Das ist außergewöhnlich, wenngleich nicht einzigartig. Auch die Hymne von San Marino beispielsweise hat keinen Text. Doch die Marcha Real von Spanien ist um einiges älter.

Spaniens Hymne ist eine der ältesten Europas

Erstmals offiziell erwähnt wird sie schon 1761 in einem Buch namens Libro de Ordenanza de los toques militares de la Infantería Española von Manuel de Espinosa, also einem Buch, das die Militärmärsche der spanischen Infanterie zusammenfasst. Dort erscheint die Marcha Real unter dem Titel Marcha Granadera (Grenadiermarsch), ein Name, der bis auf den heutigen Tag eine populäre Bezeichnung für Spaniens Hymne geblieben ist.

1770 erklärte Carlos III. von Spanien jenes Militärstück zur Ehrenhymne, und im Laufe der Zeit wurde es zur offiziellen spanischen Hymne – hauptsächlich im Bewusstsein des Volkes, da es stets zu offiziellen Anlässen gespielt wurde, bei denen König oder Königin anwesend waren. So lässt sich auch die Umtitulierung von der Marcha Granadera zur Marcha Real erklären.

Grenadier- und andere Militärmärsche sind in den meisten Fällen instrumental gehalten, demgemäß blieb die Marcha Real ohne Text. Knapp hundert Jahre später, im Jahr 1868, schrieb ein General Prim einen Wettbewerb aus: Eine richtige Hymne sollte her, und zwar eine mit Text. Doch das Projekt verlief im Sand, und es blieb bei der Marcha Real.

Die spanische Hymne soll einen Text bekommen

Einen offiziellen Text bekam die Hymne nie, dennoch gab es immer wieder Versuche, einen passenden Text für die Musik zu finden. Bekannt ist die Version von José María Pemán, geschrieben 1928 im Auftrag des Präsidenten Primo de Rivera. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg wurde Pemáns Text unter Franco auf die Melodie der Hymne gesungen.

In der neueren Zeit wünschte sich José María Aznar während seiner Regierungszeit einen Text für die Hymne und beauftragte gleich einen ganzen Schwung von Dichtern, die ein kurzes und einprägsames Ergebnis präsentierten. Doch in der Regierung gab es keine Mehrheit für den Text, und so blieb es einmal mehr beim melodischen Mitsummen.

Kein Auftritt für Plácido Domingo

Die jüngste Anstrengung zur Betextung der spanischen Hymne unternahm im Jahr 2007 das Olympische Komitee. Unter mehr als 7.000 Einsendungen wählten sie den Beitrag von Paulino Cubero, einem Arbeitslosen Anfang 50, dessen Vorschlag sich recht eng an den antiquierten Pathos früherer Versionen hielt. Ein Text für die Marcha Real schien gefunden, doch die Öffentlichkeit lehnte ihn empört ab.

Pfuscherhaft, veraltet, plump, einfältig – die Kritik hagelte nur so herab auf Cuberos vier Strophen. Zudem erinnere die Hymne zu stark an die Version von Pemán und damit an die Zeiten Francos. Eine feierliche Veranstaltung, in der Plácido Domingo die „neue“ Hymne präsentieren sollte, wurde abgesagt, und der letzte Versuch eines Hymnentextes ging den Weg aller Dinosaurier – oder besser gesagt: aller spanischen Hymnentexte.

Sabrina Zelezny, Sabrina Zelezny

Sabrina Železný - " ... volando vengo, volando voy deprisa, deprisa al rumbo perdido ..." (Manu Chao) Ich wurde 1986 geboren und schreibe, seit ich ...

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