Warum im Wald Lachgas entsteht und Ökostrom produziert wird

Prinzenpark, Sigmaringen - Monika Hermeling
Prinzenpark, Sigmaringen - Monika Hermeling
Vom 11.4. bis zum 15.4. 2011 ist in Schottland die Klimakonferenz: „Nitrogen and Global Change 2011". Es wurden im Wald zu hohe Lachgaswerte festgestellt.

Der Wald ist in vielen Regionen Deutschlands ein Naherholungsgebiet aber auch ein Lieferant von Rohstoffen, die neben der herkömmlichen Verwendung, auch zu Ökostrom verarbeitet werden können. Die Ergebnisse des European Nitrogen Assessment (ENA) Gutachtens, die zu Beginn der Klimakonferenz in Schottland bekannt gegeben wurden, dürften Naturliebhabern, die den Wald als reinen Quell einer intensiven Erholung durch Waldspaziergänge sehen, nachdenklich machen. Denn „reaktiver Stickstoff“ verursacht, nach den Forschungsergebnissen des Weltklimarates Intergovernmental Panel on Climate, IPCC, in den Wäldern im gesamten europäischen Raum eine doppelt so hohe klimaschädliche Lachgasemission (N2O), als bisher angenommen. Wie sich das auf Menschen auswirkt, wurde nicht bekannt gegeben. Die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher, AGR, eröffnet, dass mit Holz beheizte Kraftwerke nur bei einer effizienten Nutzung eine Alternative zur Atomkraft sei.

Was beinhaltet die ENA-Studie?

Die ENA-Studie wurde für die UN-Kommission für Luftreinhaltung erstellt. An ihr wirkten mehr als 200 Experten aus 21 Ländern mit. Diese sind im Bereich der Wissenschaft und Politik tätig und arbeiten für 89 Organisationen. Die Studie ist das erste Gutachten, das auf die Gefahren einer zu hohe Stickstoffkonzentration und die daraus resultierenden ökologischen und ökonomischen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Pflanzen im gesamteuropäischen Raum hinweist. Beim Lesen wird ersichtlich, wie negativ diese Werte zum Klimawandel und zum Rückgang der Artenvielfalt beitragen. Es ist interessant zusätzlich zu erfahren, welche Regionen in Europa besonders gefährdet sind und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das Risiko zu verringern und die Umwelt, und damit auch die Gesundheit der Menschen, zu schützen.

Was ist der „reaktive Stickstoff“?

Die hauptsächlich vom Menschen erzeugten „reaktiven Stickstoffverbindungen“ werden, wenn sie vom Wald verstoffwechselt sind, zu Lachgas. Dieses zählt mit zu den Hauptverursachern des Treibhauseffektes. Es ist 300 Mal schädlicher als die gleiche Menge Kohlendioxid. Bisher ging der IPCC von einem Prozent so erzeugten Lachgases auf einer Waldfläche von 188 Millionen Hektar, aus. Die Studie zeigt auf, dass sich der Eintrag „reaktiven Stickstoffs“ im Vergleich des Jahres 1860 zum Jahr 2000 um 1,5 Millionen Tonnen erhöht hat. Das sind zwei bis sechs Prozent an „reaktivem Stickstoff“, die aus dem Waldboden aufsteigen und in der Atmosphäre in Lachgas umgewandelt werden. Rechnerisch ist das eine Steigerung von etwa acht Kilogramm „reaktiver Stickstoffe“ pro Hektar Wald.

Warum hat die Produktion von „reaktivem Stickstoff“zugenommen?

Als Ursache der erhöhten „reaktiven Stickstoffverbindungen“, werden Abfallprodukte bei der Industrie und der konventionellen Landwirtschaft, die massenweise anfallen und unkontrolliert in den Boden oder als Methangas in die Luft gelangen, gesehen. Es entsteht die Frage ob auch die ökologische Landwirtschaft, aus Sicht der Klimaforscher,zu Gefahr werden kann. Amerikanische Wissenschaftler empfehlen: Oregano gegen Blähungen bei Kühen. Professor Klaus Butterbach-Bahl, der Professor am KIT ist, erläuterte, dass die Werte des „reativen Stickstoffs“ zu hoch sind und besonders die, die aus den Ammoniakemissionen der konventionellen Landwirtschaft stammen, reduziert werden müssen.

Was sagen Fachleute zum Thema Holz und Ökostrom?

Die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher, AGR, warnt im Zusammenhang mit der Diskussion um eine Abschaltung der Atomkraftwerke in Deutschland vor einem übereilten Ausbau der Erneuerbaren Energie. Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer des Branchenverbandes, ist gegen eine undifferenzierte Verwendung der Biomasse Holz. Der Forstwirt kritisiert, dass schon heute große Mengen an frischem Holz, in Biomassekraftwerken und Bioheizwerken verbrannt wird. Holz werde inzwischen auch der Kohle in Kohlekraftwerk beigemischt.

Wenn diese Nutzung so weiter betrieben werde, sei eine naturnahe Waldbewirtschaftung, wie sie seit Jahrzehnten in Deutschland betrieben wird und die auch einen Ersatz von Tropenholz verkraften muss, nicht mehr möglich. Weiterführende Fragen sind: Ob der Deutsche Wald noch wettbewerbsfähig ist. Auch Überlegungen zu einer Grundwassersanierung sind von Bedeutung.

Unternehmer sind Lieferanten von Holz und Ökostrom

Unternehmen der Holzindustrie zeigen, wie eine wirtschaftliche Nutzung von Holz und die Erzeugung von Ökostrom im gleichen Werk bewerkstelligt werden kann. Beispielhaft für diese Unternehmen ist die Firma Zellstoff Stendal, im Norden, der Altmark, von Sachsen-Anhalt. Dort werden in jedem Jahr über 600.000 Tonnen Zellstoff und gleichzeitig 100 Megawatt Strom produziert. Damit hat der Betreiber das größte Biomassekraftwerk Deutschlands. Dieses wird nur mit den im Produktionsprozess anfallenden Reststoffen gespeist und erzeugt, zusätzlich zum Strom und Wärme für den Eigenbedarf, Strom für 100.000 regionale Haushalte. Im Jahr 2011 gibt es in Deutschland etwa 250 solcher Biomassekraftwerke, die zusammen eine elektrische Leistung von derzeit 1.200 Megawatt haben. Dazu kommen sechs Biomasseheizkraftwerke mit einer Leistung von etwa 220 Megawatt.

Veröffentlichungen der Studie und einen Kommentar in „Nature“

In der Zeitschrift Nature veröffentlichte Dr. Mark Sutton, vom Zentrum für Ecology & Hydrology, in Großbritannien, einen Kommentar zum Thema: Warum die Verminderung von Stickstoffemissionen eines der zentralen Umweltherausforderungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts ist.

Was ist das KIT und welche Funktion erfüllt es?

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine staatliche Universität in Baden-Württemberg, mit den Aufgaben Forschung, Lehre, Innovation, und ist mit dem nationalen Forschungszentrum, der Helmholtz-Gemeinschaft verbunden.

Quelle:

„Nature“ 472, Seiten 159-161, Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR),Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

rss