Warum Katastrophenmeldungen zunehmen

Weltuntergang, Pandemie, Wetterchaos - was kommt als nächstes?

Potsdamer Platz - Joachim Kath
Potsdamer Platz - Joachim Kath
Die bedrohlichen Katastrohenmeldungen reißen nicht ab. Muss wirklich andauernd Angst geschürt werden, um den Umsatz zu steigern?

In den letzten Jahren haben sich die Ankündigungen von bedrohlichen Ereignissen für die Menschheit vervielfacht. Gerade auch von solchen Katastrophen, die dann glücklicherweise gar nicht eintreten. Woran liegt das? Ist es eine Folge der Globalisierung oder der Internetverbreitung, hat es mit dem massiven Vertrauensverlust in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu tun? Stehen wirtschaftliche Interessen dahinter oder wird von den Medien ein verkaufsfördernder Trend bedient, der unter dem Begriff "Soziale Ängste" zusammengefaßt werden kann?

Weltuntergangsszenarien

Es hat schonin der Antike Endzeitgedanken gegeben. Nach dem immerhin über fünftausend Jahre alten Maya-Kalender, der am 21. Dezember 2012 endet, also exakt zur Wintersonnenwende und genau an dem Tag, an dem die Sonne direkt in der Mitte der Milchstraße steht, was nur alle 26.000 Jahre vorkommt, soll die Apokalypse nun stattfinden. Der Hollywood-Regisseur Roland Emmerich produzierte zu dieser Story schon einmal einen Kinofilm, der 2012 heißt. Niemand weiß, warum die zweifellos in Astronomie bewanderten Mayas ihren Kalender just an jenem Datum enden ließen. Und auch nicht, weshalb Nostradamus angeblich auf diesen Tag verschlüsselt bezug genommen haben soll, was eine reine Interpretation seiner vieldeutigen Vierzeiler ist. Selbst die Zeugen Jehovas, die früher schon mit Prophezeiungen von Weltuntergängen offenbar daneben lagen, scheinen inzwischen davon abgerückt zu sein, in der Bibel entsprechende Hinweise konkret auszulegen.

In der Wissenschaft wird nach heutigem Stand mehrheitlich davon ausgegangen, dass die Welt noch einige Milliarden Jahre vor sich hat. Auch wenn gegenwärtig diese Zahl mit neun Nullen in der Vorstellung mancher Bankern und Politiker an Größe geschrumpft sein mag, stellt sie doch im Vergleich zur Lebenserwartung eines Menschen etwas Unvorstellbares dar.

Pandemien

Wie die Bevölkerung inzwischen lernen musste, werden Pandemien jetzt in Serie ganz groß angekündigt und finden dann zur Enttäuschung der Pharmaindustrie wider Erwarten doch nicht statt. Egal ob Sars, Rinderwahnsinn, Vogel- oder Schweinegrippe, die dafür verantwortlichen Viren verweigern die befürchtete Ausbreitung. Natürlich kann eingewandt werden, hinterher wäre man immer schlauer, aber die Panikmache und Hysterie hat doch schon bedenkliche Ausmaße angenommen. "Und dies", sagte der Sozialphilosoph Hans-Jo von Kolberg, "könne wegen der Grenzüberschreitung bei Katastrophenmeldungen aller Art eben doch verbreitet zu mehr Ängsten und den psycho-somatischen Folgen führen, als die einzelne Pandemie an gesundheitlichen Schäden verursachen würde. Insbesondere dann mit absoluter Sicherheit, wenn sie gar nicht stattfände."

Im Fall der Schweinegrippe hat das Ausrufen der Pandemie durch die WHO, die Diskussion über die Qualität und nicht ausreichende Menge der Impfstoffe, die dann gar nicht benötigt wurde sowie die Nennung der Zahl der möglichen Toten nicht gerade vertrauensbildend gewirkt.

Wetterchaos

Auch wenn jetzt im Winter Schnee fällt, was eigentlich in dieser Jahreszeit normal ist, werden daraus schnell, allzu eifrig übertriebene Horrarberichte. Bei dem Tief "Daisy" wurde die Bevölkerung in Deutschland sogar aufgefordert, besser zu Hause zu bleiben und sich vorher mit Lebensmitteln und Getränken einzudecken, weil ein Schneechaos drohe. Ist das eine Maßnahme aus dem Katalog des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes, die dem Einzelhandel helfen soll, fragen Kritiker. Oder hat die Erkenntnis, dass Katastrophenmeldungen sich auflagensteigernd auswirken, jetzt endgültig den Bereich reflexhafter Handlungen erreicht? Viele Waren in den Regalen und Depots wurden knapp, sogar Streusalz, nur die Schneemassen blieben weitgehend aus. Jedenfalls in Süddeutschland. Nicht aber im Erzgebirge, was die Wirte und Wintersportler freute.

Joachim Kath, Joachim Kath

Joachim Kath - Neben meinem Brotberuf als Strategy Consultant habe ich als freier Journalist und Buchautor gearbeitet. Ein Dutzend meiner Sachbücher ...

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