
- Budapest- die heutige Hauptstadt der Ungarn - CFalk / pixelio.de
Europa wurde bis zum Mittelalter durch die verschiedensten Reitervölker wie Skythen, Awaren, Mongolen und Hunnen heimgesucht. Die Kriegszüge hinterließen oft nur verbrannte Erde. Aber nicht alle Nomadenvölker verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren. Einige ließen sich in Europa nieder, so auch die Ungarn. Ein kurzer Überblick über Herkunft und Sesshaftwerden der Magyaren.
Die Bezeichnung „Ungarn“ und „Magyaren“
Die Exonymbezeichnung eines Volkes (also wie die Angehörigen dieses Volkes von „außen“, von den anderssprachigen Nationen genannt werden), spiegelt nicht immer die Eigenbezeichnung (~ Endonym) eines Volkes wider. Die Ungarn nennen sich selbst „Magyar“. Dieser Name geht auf die Zeit der Landnahme zurück, als die Ungarn noch kriegerische Reiternomaden waren. Das Volk war in sieben Stämme gegliedert, eines davon hieß Megyer (~ Med´er). Sie wurden von Großfürst Árpád angeführt, dem es schließlich auch gelang, alle Stämme unter seiner Herrschaft zu vereinen. Die Bezeichnung „Ungar“ und seine diversen Abwandlungen in den westlichen Sprachen, dürfte hingegen von der bulgarischen Bezeichnung „On-Ugor“ (~ „Zehn + Stamm“) herrühren. Dies war eine bulgarische Stammesbezeichnung, die eigentlich das Onogurenreich im 5./6. Jahrhundert nach Christus benannte. Die magyarischen Stämme sollen in jener Zeit in nächster Nachbarschaft des angeführten Reiches gelebt haben.
Die Landnahmetheorien der Ungarn
Die exakte geografische Herkunft der Ungarn ist unbekannt (Zentralasien wird allerdings angenommen). Während sich die ungarischen mittelalterlichen Könige durch ihre Historiker eine Verwandtschaft zu den Hunnen erschreiben ließen, ist dies heute sehr ungewiss. Am breitesten unter den Hungarologen (Wissenschaftler, die sich mit der Ungarischen Landes-, Sprach- und Kulturwissenschaft befassen) ist noch immer die „Theorie der Landnahme“ vertreten. Dem zu Folge waren die ungarischen Stämme um 896 nach Christus in das Karpatenbecken geströmt und hatten sich dann nach Kriegszügen durch Europa, sesshaft niedergelassen. Die „Theorie der doppelten Landnahme“ führt an, dass Teile der ungarischen Stämme früher bereits in das Karpatenbecken eingedrungen waren und die restlichen Stämme diesen bedeutend später nachgefolgt waren. Es existieren auch Theorien, dass magyarische Stämme schon seit jeher, quasi als Teile der europäischen Urbevölkerung, im Karpatenbecken gewohnt hatten. Dabei werden zu den einzelnen Theorien mehr oder weniger handfeste Beweise vorgelegt. Die einzige Tatsache ist, dass die genaue Herkunft der Ungarn ungewiss ist.
Die sieben Stämme
Die Namen der einzelnen Stämme und deren Anführer, die bei der Landnahme beteiligt waren, sind aufgezeichnet: Megyer, Tarján, Jenö, Kér, Keszih, Kürth-Gyarmat und Nyék. Während sich wie angeführt, aus „Megyer“ die Eigenbezeichnung „Magyar“ entwickelte, wurde „Jenö“ zu einem ungarischen Vornamen und ist die ungarische Entsprechung von Eugen. Die sieben Stämme bekamen unter der Vorherrschaft der Megyer und ihrem Fürsten Árpád eigene Stammesgebiete im Karpatenbecken zugewiesen. Nach getrennten und gemeinsamen Kriegszügen nach Westeuropa (Österreich, Böhmen, Deutschland, Italien, Frankreich), der Assimilierung von verschiedenen kleineren Völkern, wuchsen die Stämme schrittweise zusammen. Dieser Prozess verstärkte sich nach dem endgültigen Sesshaftwerden zusehends.
Die ungarische Sprache
Die ungarische Sprache gehört zur finno-ugrischen Sprachfamilie, hierbei zum Zweig der ugrischen Sprachen. Innerhalb dieser ist die Zugehörigkeit zu der Ob-Ugrischen Sprachgruppe eklatant. Ungarisch ist am nächsten mit der Sprache der Man´si (Exonymbezeichnung Vogulen) verwandt. Diese wohnen als kleines indigenes Volk am Ufer des sibirischen Flusses Ob.
Quelle:
Mehr über die Geschichte der Ungarn: Mailáth, Johann Grafen: Die Geschichte der Magyaren. Bibliobazaar Verlag, 2008.
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