
- Sahara Algeriens - Birgit Agada
Bisher kennen viele Algerien als Land mit negativen Nachrichten; Erdbeben, terroristische Gruppen und Korruption. Die andere Seite Algeriens ist bei den Kennern ein traumhaftes Reiseziel mit einer Jahrtausende alten Geschichte und abwechslungsreicher, unberührter Natur. Zahlreiche Völker haben das Land zwischen Marokko und Tunesien überrannt und ihre Spuren hinterlassen.
Algerien hat eine turbulente Geschichte
Schon bevor die Phönizier um 800 v.Chr. an der Mittelmeerküste ihre Handelsplätze gründeten, die von den Römern weiter ausgebaut wurden, war die Küste und das Hinterland von den Numidern bewohnt. Sie waren teilweise Nomaden, teilweise sesshaft. Nach der Gründung von Karthago im heutigen Tunesien um 814 v. Chr. stießen die Phönizier weiter entlang der Mittelmeerküste nach Westen vor. Sie gründeten Tipaza mit seinen bis heute gut erhaltenen Hafenanlagen, Iol, das antike Caesarea und heutige Cherchell, auch Annaba, das römische Hippo Regius, in dem der erste nordafrikanische Bischof Aurelius Augustinus (354-430) seinen Bischofssitz hatte. Diese historischen Orte werden unter anderem bei Reisen mit geschichtlichem Thema besichtigt. Aus dem phönizischem Icosium entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte in der osmanischen Zeit Al Djezair, die heutige Hauptstadt Algier in traumhafter Lage zwischen Mittelmeer und Atlasgebirge. Unter den Römern wurde das fruchtbare Hinterland, zusammen mit weiten Gebieten Tunesiens, die Kornkammer Roms. Ab 429 eroberten die Vandalen, die von der iberischen Halbinsel kommenden germanischen Stämme, die Mittelmeerküste und gelangten bis nach Karthago. Sie blieben bis 533 die Byzantiner von der östlichen Seite her auf algerisches Gebiet drangen. Ab dem frühen 8. Jahrhundert begannen die Araber von der arabischen Halbinsel über Ägypten und Libyen einzuwandern und brachten den Islam als neue Religion mit. Nach dem die Herrschaft der Omayyadenkalifen in Damaskus zusammengebrochen war, entwickelten sich im Hinterland des Küstenstreifens die große Berberreiche der Almoraviden, Almohaden und Meriniden, die die westliche algerische Region um Tlemcen bis zur Hafenstadt Oran und Marokko und schließlich fast die ganze iberische Halbinsel beherrschten (Al Andaluz). Die nächsten Eroberer auf algerischem Gebiet waren die Osmanen ab dem frühen 16. Jahrhundert, auf die 1830 die Franzosen folgten, die das Land bis zur Unabhängigkeit 1962 beherrschten.
Constantine, Universitätsstadt im fruchtbaren Hinterland
Im fruchtbaren Hinterland kann man das numidische Cirta, heute Constantine besichtigen, dessen einzigartige Lage auf einem riesigen Felsblock architektonische Meisterleistungen erforderte. Djemila, die Schöne, und Timgad sind für an römischen Ausgrabungen Interessierte unter anderem Höhepunkte einer Reise durch den Norden des Landes. Auch die Hochplateaus und der Sahara-Atlas bieten attraktive Ziele, wie die wahrscheinlich ältesten Felsgravuren des Maghreb um Ain Sefra oder Aflou, die Bubalus (vorzeitliche Rinder), Strauße und Elefanten, sogar Löwen abbilden.
Die Straße der Palmen im Westen und Ölquellen im Osten
Daran schließen sich im weiteren Verlauf nach Süden, die ersten Oasen an. Ab Béchar, an der Grenze zu Marokko, führt am Großen Westlichen Erg entlang die Straße der Palmen nach Timimoun. Architektonische Ähnlichkeiten mit der Straße der Kasbahs in Marokko sind offensichtlich. Auch hier beeindrucken die Burgen und Häuser mit der typischen Lehmbauweise im Bancostil, der auch in Ländern wie Niger und Mali bekannt ist. Banco ist ein Gemisch aus Lehm und Stroh, der an der Sonne getrocknet wird.
Im Großen Östlichen Erg, dem größten zusammenhängenden Sanddünengebiet in Algerien, deren nördliche Ausläufer bis nach Tunesien reichen, liegen Algeriens Schätze, die Ölquellen von Hassi Messaoud. Seit 1956 sprudelt hier das „schwarze Gold“ und bildet, mit dem Erdgas, die Grundlage der algerischen Wirtschaft.
Die große Attraktion ist die Sahara
In der größten Wüste der Erde, die 85 Prozent der Landfläche Algeriens einnimmt, bewundern die Besucher neben den großartigen Saharalandschaften die prähistorischen Felsgravuren und Malereien, die um die 10.000 Jahre alt sind. Mit den Tuareg, den ehemaligen „Rittern der Sahara“ besuchen sie die traumhaften Regionen um Tamanrasset und Djanet, die durch ihre Lage auch Perle der Sahara genannt wird. Beide Orte sind Ausgangspunkte für Expeditionen und Kameltrekking Touren. Dabei lernen die Gäste viel über die Kultur und Traditionen der Wüstenbewohner kennen.
Überall im Land begegnet der Besucher den freundlichen Menschen des Landes und auch darum lohnt sich der Besuch Algeriens, auch mehrmals.
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Silberschmuck der Tuareg aus der Sahara
Einladung zum Tee in der Sahara
