
- Supervision - Dörthe Huth
Die Reflexion des beruflichen Handelns ist für Menschen aus sozialen, therapeutischen, lehrenden oder heilenden Berufsgruppen eigentlich ein Muss. Um Patienten, Klienten, Schülern oder Kunden gerecht werden zu können, sollten sie ihre berufliche Rolle, den zwischenmenschlichen Kontakt sowie den Umgang mit institutionellen Schnittstellen immer wieder einmal unter professioneller Anleitung supervidieren lassen. Ein erfahrener Supervisor oder eine erfahrene Supervisorin kann zu neuen Einsichten leiten, blinde Flecken aufspüren oder Anleitungen für die Praxis geben. So bleibt man beruflich handlungsfähig und zufrieden.
Blinde Flecken, Projektionen und Gegenübertragungen
Psychotherapeuten, Ärzte, Heiler, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten, Erzieher oder Lehrer arbeiten im engen Kontakt mit anderen Menschen und kommen dabei auch immer wieder an persönliche und kommunikative Grenzen. Neben der fachlichen Kompetenz sollten daher auch die persönlichen Fähigkeiten ausgebaut werden, um den besonderen Anforderungen der Arbeitssituation gerecht werden zu können. Abgrenzungsvermögen, Belastbarkeit, der Umgang mit Eigenheiten oder Erkrankungen anderer sowie die Einschränkung durch institutionelle Rahmenbedingungen gehören dazu und sind nicht immer so leicht zu handeln.
Die berufliche Interaktion hält viele Fallstricke bereit. Manche davon sind verdeckt und zeigen sich erst über einen längeren Zeitraum oder bei spezifischen Arbeitsanforderungen. Es kann durchaus passieren, dass der Helfer sein Gegenüber auch einmal "falsch" einschätzt, Absichten oder Verhaltensweisen fehlinterpretiert oder Vorurteile für Urteile hält. Keiner ist vor Projektionen, Übertragungen oder blinden Flecken gefeit. Aber auch zum Erhalt der eigenen Arbeitszufriedenheit trägt die Supervision einen hohen Anteil.
Eine vertrauliche Supervision ist unabhängig vom beruflichen Arbeitsrahmen des Supervisanden
Ein Supervisor oder eine Supervisorin steht in der Regel außerhalb der Organisation des Supervisanden. So wird Vertraulichkeit garantiert und Verstrickungen oder Abhängigkeiten zwischen dem Supervisor und der Organisation oder einzelnen Vorgesetzten ausgeschlossen. Supervisoren kommen meist selbst aus sozialen Berufsfeldern und konnten häufig jahrelange Erfahrungen als Arzt, Sozialarbeiter, Lehrer, Heilpraktiker, Psychotherapeut oder Psychologischer Berater sammeln. Einige therapeutische Verbände bieten nach der Grundausbildung in einem psychtherapeutischen Verfahren eine weiterführende Ausbildung oder Anerkennung als Supervisor oder Supervisorin an. Mittlerweile wird die Supervision auch als wissenschaftliches Studium angeboten. Grundsätzlich ist die Supervision dem Coaching sehr nahe. Beide Methoden bieten geeignete Tools für die Bearbeitung beruflicher Themenfelder und denken häufig in systemischen Zusammenhängen. Die Supervision hat sich im sozialen Bereich etabliert, das Coaching eher in der freien Wirtschaft, doch überschneiden sich beide Bereiche.
Wie professionelle Supervision aussieht
Gerade zu Beginn einer Tätigkeit im sozialen Bereich ist eine engmaschige Supervision unabdingbar. Viele Fragen zu Arbeitsabläufen, Effektivität oder dem Kontakt zu Klienten auf professioneller Ebene tauchen auf. Bei der Supervision steht der Helfer und seine Herangehensweise im Vordergrund, sein Umgang mit dem institutionellen Kontext und den Klienten aber auch Fallbesprechungen oder Sicherheit im Umgang mit Diagnosestellungen. Ein Supervisor oder eine Supervisorin bietet Anleitung zu Selbstreflexion, hilft bei der beruflichen Identitätsfindung oder bei der Rollengestaltung. Auch das methodische Vorgehen im Umgang mit Patienten, Klienten oder Kunden kann im Vordergrund stehen. Unter fachlicher Anleitung können die passenden Übungen für die Kontaktgestaltung oder Weiterentwicklung erarbeitet werden. Auch die differenzierte Analyse der Institution, der Person und ihrer Aufgaben sowie aller Störungen, die das System oder den Einzelnen betreffen können, gehören in die Supervision.
Gruppen und Teams in der Supervision
Die Mitarbeiter sozialer Einrichtungen bekommen die Supervision häufig durch den Arbeitgeber bezahlt und finden im regelmäßigen Turnus statt. Die Teamsupervision hat den Vorteil, dass alle Teilnehmer das berufliche Arbeitsfeld des jeweils anderen kennen und das Team sehr gezielt an bestimmten Themenfeldern arbeiten kann. Supervision greift die Spannungen in Team- und Arbeitszusammenhängen auf und ist dazu da, Konflikte aufzulösen, das Verständnis füreinander zu fördern und Problemlösestrategien zu entwickeln. So entstehen neue Erfahrungen und Erkenntnisprozesse, die Spielraum für neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.
In besonderen Fällen werden auch die Kosten einer Einzelsupervisionen von der Organisation übernommen, wie beispielsweise bei der Übernahme von Leitungsaufgaben oder bei Schwierigkeiten im Team. Durch das Beleuchten aller Ebenen und ihrer Spannungsfelder kommt ein Supervisand zu neuen und individuell erarbeiteten Lösungsimpulsen, die seiner beruflichen Situation und Rolle innerhalb des institutionellen Rahmens gerecht werden.
Einzel-Supervision für den individuellen Bedarf
Die Einzel-Supervision wird häufig von Selbständigen genutzt und ist noch mehr als die Gruppenvarianten auf den individuellen Bedarf des Einzelnen abgestimmt. Gerade die selbständigen Einzelkämpfer erhalten in der Supervision das Feedback, das ihnen sonst fehlt, aber auch Ermutigung und Unterstützung. So können neue Impulse für die eigene Arbeit gewonnen werden, eine bessere Selbsteinschätzung erfolgen und sekundäre Traumatisierungen besser verarbeitet werden. In der Supervision eröffnet sich häufig neuer Spielraum und neue Herangehensweisen werden möglich.
Freiberufler wie Ärzte, Heilpraktiker und Therapeuten, aber auch Heiler und Berater in eigener Praxis tragen die Kosten der Supervision in der Regel selbst. Doch auch Berufstätige, die ihre Situation unabhängig von ihrem Arbeitgeber beleuchten wollen, sind häufig bereit, die Kosten der Supervision selbst zu zahlen. Die Termine werden in der Regel nach Bedarf abgesprochen.
Quellen und weiterführende Literaturhinweise:
- Nando Belardi: Supervision. Grundlagen, Techniken, Perspektiven. C.H. Beck 2001
- Heidi Neumann Wirsig: Supervisions-Tools: Die Methodenvielfalt der Supervision in 55 Beiträgen renommierter Supervisorinnen und Supervisoren.Managerseminare 2009
- Klaus Theuretzer: Coaching und Systemische Supervision mit Herz, Hand und Verstand: Handlungsorientiert arbeiten, Systeme aufbauen. Klett Cotta 2011.
