Warum Trennbankensysteme die Finanzkrise nicht verhindert hätten

Trennbankensystem keine Antwort auf Finanzkrise - Peggy Richter
Trennbankensystem keine Antwort auf Finanzkrise - Peggy Richter
Die Finanzkrise war eine Folge der amerikanischen Immobilienblase. Eine Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken hätte daran nichts geändert.

Über zwei Jahre nach dem Fall der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers bemühen sich Politiker und Finanzexperten noch immer, Regulierungen für das Finanzsystem zu finden, die eine ähnliche Krise in Zukunft verhindern können. In den USA soll der Dodd-Frank Act amerikanischen Banken zukünftig das Spekulieren verbieten. In Großbritannien spielt eine Kommission mit dem Gedanken, Banken aufzuspalten und ein neues Trennbankensystem einzuführen. Es gibt gute Argumente dafür, Geschäft und Größe von Banken zu limitieren. Aber die Finanzkrise hätten solche Regulierungen nicht verhindert.

Glass-Steagall Act führte Trennbankensystem in Amerika ein

Die Geschichte des Trennbankensystems geht auf die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre zurück. Damals galt der Börsenkrach von 1929 als Auslöser für die Misere, obwohl die Gründe für die Wirtschaftskrise deutlich komplexer waren. Die Senatoren Carter Glass und Henry Steagall brachten 1933 den Vorschlag zur Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken ein. Am 16.Juni 1933 wurde das Gesetz mit dem Namen Glass-Steagall-Act von Präsident Franklin D. Roosevelt unterschrieben. Das Gesetz wurde 1956 verschärft, indem Bankenfusionen über die Grenzen eines Bundesstaates hinaus verboten wurden. Diese Regulierung führte dazu, dass das amerikanische Bankensystem eine große Anzahl kleiner regionaler Banken hatte. Diese Struktur des amerikanischen Finanzwesens hat sich seit der Abschaffung des Glass-Steagall-Acts 1999 nur teilweise verändert. Zwar konnten große Investmentbanken wie JPMorgan nun kleinere Geschäftsbanken übernehmen und so zu Universalbanken aufsteigen, aber an der Existenz vieler kleiner, spezialisierter Regionalbanken änderte sich nichts. Das hat die USA nicht davor bewahrt, zum Auslöser der nächsten großen Finanzkrise 2007 zu werden.

Immobilienblase war Auslöser für die Finanzkise

Der Ärger der Politiker und Steuerzahler richtete sich hauptsächlich gegen die Investmentbanken. Dabei lag die eigentliche Ursache für die Finanzkrise bei den Geschäftsbanken und beim amerikanischen Volk selbst. Der amerikanische Traum vom eigenen Haus hatte viele Bürger dazu veranlasst, sich hoch zu verschulden. Geschäftsbanken und Gesetzgeber unterstützten diesen Trend durch die Einführung von Kreditprodukten, bei denen Kunden in den ersten Jahren des Kreditvertrages nicht die volle Kreditrate zahlen mussten. Die unbezahlten Zinsen wurden statt dessen auf den Kreditbetrag aufgeschlagen und sollten später durch höhere Raten zurückgezahlt werden. Über einige Jahre führte dieser Mix aus Unbedachtheit bei Hauskäufern und lockerer Kreditpolitik zu einem Boom am Immobilienmarkt. Kreditnehmer konnten nach einigen Jahren den gestiegenen Wert ihrer Immobilien ansetzen und sich noch höher verschulden. Diese Entwicklung konnte nicht unbegrenzt weiter gehen. Als Immobilienpreise anfingen zu fallen und die in den Kreditverträgen vereinbarte höhere Tilgung einsetzte, fiel das Kartenhaus in sich zusammen. Die Überschuldung der Privathaushalte leitete einen Abschwung der amerikanischen Wirtschaft ein. Zunehmende Kreditausfälle machten viele Verbriefungen wertlos und brachten einige Banken mit schwacher Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung ins Wanken.

Die Schuld der Investmentbanken

Obwohl die eigentliche Ursache für die Krise bei den Geschäftsbanken zu suchen ist, waren Investmentbanken nicht unbeteiligt. Sie kauften Immobilienkredite im großen Stil auf, verbrieften sie und verkauften sie am Kapitalmarkt weiter. Dabei ist grundsätzlich nichts gegen Verbriefungen als einer Finanzierungsform auszusetzen. Das Problem lag vielmehr in der mangelnden Risikoprüfung. Geschäftsbanken prüften die Kreditwürdigeit ihrer Kunden nicht ordentlich, weil sie ja ihre Kredite weiterverkauften, also das Risiko nicht auf ihrer eigenen Bilanz behielten. Ähnlich gingen die Investmentbanken vor. Sie prüften die Risiken der Kredite nicht im Detail, weil sie sie nur für sehr kurze Zeit behielten und weiterverkauften. Und die Investoren dieser Verbriefungen, unter ihnen auch viele deutsche Landesbanken, verließen sich zu sehr auf statistische Modelle der Ratingagenturen, die den Verbriefungen ihr Qualitätssiegel aufdrückten, anstatt auf eine fundamentale Kreditanalyse.

Trennbankensystem hätte Finanzkrise nicht verhindert

Diese Interessenkonflikte, die den Nährboden für die Finanzkrise bildeten, hätten durch ein Trennbankensystem nicht verhindert werden können. Auch hatte der Eigenhandel, die weithin verurteilte Kasinostube der Banken, nur einen verhältnismäßig geringen Einfluss auf diese Entwicklung. Das große Geld machten die Investmentbanken mit den Strukturierungsgebühren für die Verbriefungen. Dass die Finanzkrise eine so verheerende Auswirkung hatte, lag vor allem an der schieren Größe des US-amerikanischen Immobilienmarktes und an der Undurchschaubarkeit des sehr komplex gewordenen Finanzsystems, was letztlich zum Vertrauensverlust in das Bankwesen führte. Die Wiederholung einer solchen Finanzkrise kann nur verhindert werden, wenn die Kreditvergabe an Privatkunden stärker reguliert wird und Interessenkonflikte durch Risikobeteiligung vermindert werden. Wichtig sind auch striktere Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen für Banken und eine Erhöhung der Transparenz. Beides versucht der Baseler Ausschuss voranzutreiben.

Peggy Richter, Peggy Richter

Peggy Richter - Als Finanzanalystin konnte ich 15 Jahre lang Erfahrungen mit sehr vielen Bank- und Finanzprodukten sammeln. Meine Bankausbildung, das ...

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