Warum über Sicherheit und Terrorismus reden?

Sicherheit – nur ein Wort? - Gerhard Ott
Sicherheit – nur ein Wort? - Gerhard Ott
Was ist überhaupt sicher? Gibt es Sicherheit? Überlegungen zum Begriff Sicherheit.

Die Medien schüren Angst vor Terror, beklagen die Einen. Das Thema Sicherheit vor Terrorismus werde zerredet. Die Anderen fordern mehr Aufklärung für die Bevölkerung. Was ist mit Sicherheit überhaupt gemeint?

Herkunft des Wortes sicher

Ein erster Schritt, die Bedeutung eines Wortes zu analysieren kann die Herkunft sein. Aus der Wortherkunftslehre (Etymologie) leidet sich das Eigenschaftswort „sicher“ ab vom Lateinischen securus, später auch sicurus. Das heißt „ohne Sorge“. Ursprünglich war das im rechtlichen Sinne zu verstehen, nämlich frei von Schuld und Strafe sein. Erst danach meinte das Adjektiv „unbesorgt, geschützt, zuverlässig“.

Äußere Sicherheit führt dazu, innerlich ruhig zu sein. Mit der Freiheit von Furcht nähert sich die Wortbedeutung wieder dem ursprünglingen „sorglos“ des securus. Auch das Hauptwort entstammt der Rechtssprache: Sicherheit geben, leisten, schaffen im Sinne von Kaution oder Garantie. Das Substantiv bedeutet aber auch entsprechend dem Eigenschaftswort „Gefahrlosigkeit“ oder „Gewissheit“.

Lexikalische Erklärung des Begriffs Sicherheit

In Lexika und Nachschlagewerken wird deutlich, dass Begriffe und ihre Bedeutung sich im Laufe der Zeit und je nach Umfeld wandeln. So kann man Sprachlexika entnehmen, dass es mehrere Bedeutungsfelder geben kann. Sicherheit kann heißen

  • Gefahr, Pfand, Kaution,
  • Geschütztsein vor Gefahr Gefahrlosigkeit,
  • Zuverlässigkeit, Bestimmtheit, Gewissheit,
  • Verlässlichkeit, Richtigkeit, Unerschütterbarkeit,
  • Sorglosigkeit, Unbefangenheit, Festigkeit.

Sinnverwandte Wörter des Wortfeldes Sicherheit findet man in einem Thesaurus (Wortsammlung): Sicherheit als Geschicklichkeit, Geborgenheit, Schutz, Bewachung, Geleit, Deckung, Beistand, Wacht, Verteidigung, Abwehr, Erhaltung, Bewahrung, Hülle, Schirm, Hafen. Sicherheit als Gewissheit, Überzeugung, Sicherheit als Bürgschaft, Garantie, Gewähr, Deckung, Pfand.

Was ist Sicherheit?

Wahrscheinlich gibt es so viele Definitionen von Sicherheit wie Experten. Eine allgemeine Begriffsbestimmung versteht Sicherheit als Zustand von Nichtbedrohtsein. Diese Situation kann sich objektiv oder subjektiv zeigen. Sachlich, in dem es entweder keine Gefahren oder Gefahrenquellen gibt oder Schutzeinrichtungen vorhanden sind. Oder man empfindet die Sicherungseinrichtungen als zuverlässig und sicher.

Sicherheit als philosophisch-anthropologischer Begriff

Nur zwei Dinge im Leben eines Menschen sind sicher. Erstens, die Tatsache, dass man geboren wurde. Zweitens, die Tatsache, dass man sterben wird. Diese Grenzerfahrung ist nicht nur eine existenzialphilosophische Sichtweise, sondern auch eine naturwissenschaftliche Erkenntnis.

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt: Naturprozesse sind unumkehrbar. Spontan (in eine Richtung) ablaufende Vorgänge sind irreversibel. Das gilt für Evolution ebenso wie für Geschichte. Historie ist kein Geschehen im Sinne von Fortschritt zu einer besseren Welt. Die Vorstellung, dass es Wissenschaft, Technologie oder Politik gelänge, eine geordnete Welt zu schaffen ist falsch. Dies bedeutet Unsicherheit – das Gegenteil von Sicherheit.

Wer sich nicht sicher ist, nicht sicher fühlt, hat Angst. Das ist eine Alltagserfahrung. Sie ist negativ besetzt. Führungspersönlichkeiten können lange über Sicherheit dozieren, aber nicht über Angst. Man stelle sich nur einmal vor, ein Minister würde in einer Rede sagen: „Wir brauchen die Bundeswehr, weil wir Angst haben.“ Dass die Streitkräfte unsere Sicherheit am Hindukusch verteidigen, ist mittlerweile ein geflügeltes Ministerwort.

Sicherheit als politischer Begriff

In allen Themenbereichen wird Sicherheit beschworen. Sicherheit von Arbeitsplätzen, Rechtssicherheit, Sicherheitspolitik. Schon in der 1970er Jahren war das Wort Sicherheit eines der häufigsten gebrauchten Wörter in der Sprache der Politik. Dabei ist Sicherheit kein erreichbarer Endzustand. Eher ein Prozess im Sinne von Sicherung. Gefahren existieren einfach. Sicherheit muss geschaffen werden. Indem das Wort Sicherheit benutzt wird, wird keine Sicherheit erzeugt. So wie mit dem Finger auf einer Landkarte keine echte Reise gemacht werden kann.

Das Wort Sicherheit als Symbol

Die Rede von Sicherheit ist eine sprachliche Landkarte, die mit der Wirklichkeit – politisch, gesellschaftlich, individuell – nicht identisch zu sein braucht. Wer den Begriff Sicherheit benutzt, kann dies nur symbolisch tun. Oder ist der Name eines Menschen gleich seine Person? Absolut und ganz gibt es Sicherheit nicht. Auch wenn viel darüber geredet wird. Sicherheit im Alltag wird oft sträflich vernachlässigt.

Sprache versetzt uns in die Lage, mit Erfahrungen symbolisch umzugehen. Erlebnisse von Sicherheit, die zeitlich zurückliegen und gemacht worden sind, sodass sie im Gedächtnis ruhen. Sie stellen gleichsam individuelle Geschichte dar. Sprechen wir von (nicht über) Sicherheit, können wir symbolisch Erfahrungen konstruieren. Auch über solche, die wir noch gar nicht gemacht haben und vielleicht nie machen werden. Sprache kann menschliches Denken und Handeln beeinflussen und steuern. Also muss man über Sicherheit und ihre Bedrohung durch Terrorismus reden.

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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