Leser lieben Romane mehr als andere Texte, weil es dicke Bücher sind. Das bedeutet viele Stunden Lesevergnügen. Sicherlich kennt jeder einen Roman, den man in einer Nacht verschlingt. Die meisten Romane liest man jedoch in Etappen, vielleicht Kapitel für Kapitel. Das steigert die Vorfreude auf die weitere Handlung.
Deshalb sind Romane auch bei Verlegern sehr beliebt. Sie verkaufen sich weitaus besser als Anthologien oder Lyrik. Romane haben mindestens 150 Seiten, meist zwischen 250 und 400, wobei die Grenze nach oben offen ist. Romane sind also richtig dicke Dinger, die Langform der schriftlich fixierten Erzählung, wie es die Literaturwissenschaft ausdrückt.
Vom Wesen des Romans
Romane gibt es schon seit dem 17. Jahrhundert und sind die offenste literarische Form. Jeder Autor kann quasi den Roman neu erfinden. Während Lyrik inhaltlich Lyrik bleibt und eine Kurzgeschichte immer eine Kurzgeschichte sein wird, kann man bei einem Roman auch neue Stilrichtungen und Genres zu den bereits bestehenden hinzufügen. Vor J.R.R.Tolkiens 1954 bis 1955 publiziertes Epos "Der Herr der Ringe" war das Genre High Fantasy praktisch unbekannt.
Romane können alles enthalten, beispielsweise Monologe, Dialoge, Interviews, Briefe, Sachtexte, und Tagebuchaufzeichnungen. Auch stilistisch und formal gibt es keine wirklichen Beschränkungen. Wer also so etwas wie Grundregeln beim Schreiben braucht, ist mit Romanen schlecht beraten. Bei ihnen gibt es nur eine einzige Regel: Der Roman gestaltet die Form. Es muss Anfang, Mittelteil und Ende geben und es muss mindestens einen roten Faden in der Handlung geben. Doch in Stein gemeißelt ist dies nicht, das Ende kann selbstverständlich offen bleiben.
Ein Roman wird geboren
Am Anfang steht die Idee, die Prämisse. Sie bildet den eigentlichen Kern des Romans und lässt sich in ein, zwei Sätzen ausdrücken. Aus dieser Grundidee wird dann eine Handlung. Man arbeitet Figuren und Schauplätze, vielleicht ganze Welten aus. Der Weg von der Idee bis zum Manuskript lässt sich in drei Abschnitte einteilen:
Planung
Schreiben
Überarbeiten
Dabei gehen Autoren unterschiedlich vor. Einige planen jede noch so winzige Nebensache und arbeiten von Anfang bis Ende jedes Kapitel in Stichworten aus. Andere hingegen haben sich nur den ersten Abschnitt und die Figuren genau überlegt und schreiben einfach munter drauf los. Beide Methoden führen zum Erfolg, wenn man die für sich richtige Methode gefunden hat.
Im Idealfall entwickeln die Figuren während des Schreibens ein Eigenleben und reagieren quasi von sich aus auf die Handlung, mitunter ganz anders, als der Autor dies ursprünglich geplant hatte. In diesem Fall wurden die Figuren im Vorfeld so gut charakterisiert, dass sie fast als eigenständige Lebewesen erscheinen. So wird vermieden, dass zwanghaft wirkende Szenen entstehen, welche die Figuren zurück auf den starren Handlungsplan drücken sollen.
Schreiben ist ein Handwerk. Und harte, intensive, psychisch wie auch physisch ermüdende Arbeit. Manche Autoren schreiben in einem Rutsch, andere Stück für Stück. Ein Patentrezept dafür gibt es nicht.
Die letzten Schritte
Schließlich ist das Rohmanuskript fertig, und man sollte erst einmal Abstand gewinnen. Ein paar Tage Auszeit. Danach wird das Manuskript überarbeitet. Jetzt, als Leser, erkennt man sehr schnell die Schwächen des Manuskriptes und schreibt es wahrscheinlich des Öfteren um. Irgendwann sagt man dann: Ja, das ist der Roman, den ich gerne lesen würde. Das Manuskript ist fertig.
Anschließend beginnt die Verlagssuche. Ab hier hat man auf sein Projekt keinen Einfluss mehr. Das Kind ist quasi erwachsen geworden und hat das Haus verlassen. Der letzte Schritt beim Schreiben von Romanen ist gekommen. Und dieser Schritt ist der schwierigste Schritt: abschicken und loslassen.
