Warum wir Freunde brauchen

Durch dick und dünn gehen mit guten Freunden

"Ein Freund, ein guter Freund" - DAS ist das Beste, was es gibt auf der Welt! Lesen Sie, warum Freundschaft so wichtig ist für unser Leben.

Bereits die Kleinsten wissen um das hohe Gut der Freundschaft. In der aktuellen Jugendstudie von Unicef gaben 99% der befragten Kinder zwischen 6 und 14 Jahren an, dass Freundschaft ihnen am Wichtigsten ist.

Nicht anders bei den Erwachsenen: Für 95 Prozent der Europäer ist Freundschaft ein zentraler Lebensaspekt. „Wir entdecken Freundschaften neu, weil die Bindungen zu unseren Lebenspartnern und Familien immer öfter zerbrechen“, erklärt Autor Martin Hecht* (42) aus Mainz.

Ob Trennung oder Scheidung: Im Wandel der sozialen Beziehungen bleiben Freunde die sichere Konstante, schützen uns vor der Gefahr der Vereinsamung. Denn: Auch wenn die Liebe geht - Freunde bleiben, spenden Trost und schenken neue Zuversicht.

Ein kostbarer Jungbrunnen

„Wer wahre Freunde hat, hat mehr vom Leben“, sagt Freundschafts-Experte Hecht. Und es stimmt! Eine australische Langzeitstudie hat ergeben: Freundschaften machen uns glücklicher und gesünder.

Gute Freunde schenken uns Halt in schwierigen Zeiten und stärken unser Selbstwertgefühl. Das schont nicht nur Herz und Nerven! Der wohltuende Kontakt zu lieben Menschen fördert die Abwehrkräfte und stabilisiert die Psyche.

Ein enges Netzwerk guter Freunde kann unsere Lebenserwartung um bis zu 22 Prozent steigern!

Auf den ersten Blick...

Im Laufe unseres Lebens begegnen wir unendlich vielen Menschen, gute Freunde sind darunter jedoch rar gesät. Denn: Mit der Freundschaft ist es genau wie mit der Liebe! Der erste flüchtige Blick entscheidet. Amerikanische Kommunikationswissenschaftler fanden heraus: In weniger als drei Minuten Kennenlernen erkennen zwei Menschen, ob eine gemeinsame Wellenlänge vorhanden ist.

Bildung, Interessen oder Humor – mit guten Freunde teilen wir viele Übereinstimmungen. Hier gilt: Gleich und gleich gesellt sich gern.

„Zu einem Freund kann nur werden, wer in uns schon auf den ersten Blick ein verbindendes Gefühl auslöst“, erklärt Hecht.

Das Glück wahrer Freundschaft

„Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns kennen und trotzdem zu uns halten“, brachte es bereits die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach im 19. Jahrhundert auf den Punkt. Stundenlang Rotz und Wasser heulen, endlich mal lauthals über den Chef schimpfen, die Ängste über die Zukunft diskutieren – nirgendwo können wir unser Innerstes besser nach Außen kehren als bei richtig guten Freunden! „Wahre Freunde nehmen sich so, wie sie sind“, sagt auch der Experte.

Einfach ganz authentisch und unverstellt sein können: Das ist nicht nur Balsam für die Seele, sondern auch eine große Bereicherung für unser Leben.

Geben und Nehmen

„In ihrem innersten Kern ist Freundschaft eine Form der Liebe, die zwei Menschen verbindet“, sagt Hecht. Wahre Freunde kennen das: Schon ein kurzer Blick reicht aus, um zu wissen, wie es dem anderen geht. Doch um dieses wunderbare Gefühl intensiver Freundschaft zu erleben, braucht es eine ausgewogene Balance zwischen Geben und Nehmen. Wir hören einander zu, sind ehrlich und offen, geben gut gemeinten Rat und nehmen ihn auch an, verletzen einander nicht, begegnen uns mit Respekt und Achtung.

„Eine gute Freundschaft ist wie ein Ballspiel zweier talentierter Spieler, bei dem es um die Freude am Spiel, nicht um Spiel, Satz und Sieg geht.“

Sich Zeit schenken

Um eine Freundschaft zu pflegen, braucht es vor allem eines: Zeit! Doch wie oft fehlt uns genau diese, zerreißen uns die Anforderungen des Alltags in Familie und Beruf. Damit die Freundschaft nicht zur Randerscheinung eines überfüllten Terminkalenders wird, müssen Prioritäten gesetzt werden: „Sich Zeit zu nehmen und das Mobiltelefon auch mal abzustellen, wenn der Freund oder die Freundin zur Tür hereinkommt: Das ist wahre Freundschaft“, erklärt der Experte.

Zelebrieren Sie die Zeit mit Ihren Freunden. Ein gutes Essen, ein besonderer Wein, ein persönliches Geschenk – so zeigen Sie: Du bist mir wichtig, auch wenn wir uns nur selten sehen können.

Wenn es kriselt...

Die frisch verliebt Freundin hat keine Zeit mehr, der Freund spricht nur noch über seinen Job. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die auf Dauer das Fass zum Überlaufen bringen. Doch anstatt unsere Enttäuschungen offen anzusprechen, begehen wir immer den gleichen Fehler: Wir schweigen und warten auf bessere Zeiten. „Immer wieder ist der erste richtige Konflikt unter Freunden nicht nur ein ganz fürchterlicher Krach, sondern auch die erste und letzte Auseinandersetzung, die geführt wird“, weiß Hecht. Aus, Schluss, Vorbei!? Soweit muss es nicht kommen! Durchbrechen Sie frühzeitig die Mauer des Schweigens und sprechen Sie über Ihre Wünsche und Erwartungen. „Ein klärendes Gespräch schafft eine realistische Sicht auf die Beziehung und gibt ihr eine neue Chance.“

So groß der Ärger auch ist, vermeiden Sie Schuldzuweisungen, bleiben Sie fair und respektvoll.

Wann ist es besser, die Freundschaft zu beenden?

Alles nur auf Sand gebaut? Eine Freundschaft zu beenden, schmerzt. Und ist doch manchmal nicht zu vermeiden. „Wenn Freundschaft endet, dann zuallererst, weil das Gefühl und der Wille, befreundet zu sein, verloren gegangen ist.“ Denn: Eine gute Freundschaft kann nur funktionieren, wenn beide Beteiligte sich in dieser Beziehung gut aufgehoben fühlen. Wer immer nur gibt, ohne etwas zurück zu bekommen, bleibt dauerhaft auf der Strecke. Wer den anderen nur noch „erträgt“, kein Interesse mehr spürt oder erkennen muss, dass die gemeinsame Ebene längst verloren ist, wird in dieser Beziehung nicht mehr glücklich sein. Eine bittere Erkenntnis. Doch mit den Worten des berühmten Dichters Joachim Ringelnatz auch die Chance für einen Neuanfang:

„Um neue Freunde zu erhalten, brich als erstes mit den alten.“

*Martin Hecht: Wahre Freunde. Von der hohen Kunst der Freundschaft. DVA Verlag, 14,90 Euro