
- Grabkreuz mit Anker und Buch - Martina Berg
Schauen Sie bei Ihren nächsten Gang über einen Friedhof mit alten Gräbern einmal genauer hin – fast jeden Stein zieren neben Inschriften und Daten auch verschiedene Symbole. Sie werden überrascht sein, wie vielfältig die Zeichen sind. Neben christlichen und jüdischen Symbolen finden sich auch Zeichen mit eher weltlichem Charakter. Dieser Artikel beschäftigt sich hauptsächlich mit der religiösen Symbolik. Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – zu vielfältig war und ist die Kreativität der Steinmetze.
Tierische Symbole und Sinnbilder auf Grabsteinen
Das uralte Heilszeichen des Fisches wurde wegen seiner griechischen Wortfügung: ICHTHYS, als Geheimzeichen frühes Christussymbol. Die einzelnen griechischen Schriftzeichen des Wortes IΧΘΥΣ ICHTHYS (Fisch) wurden als Anfangsbuchstaben folgender Worte gesehen: Jesus - Christus - Gottes - Sohn - (der) Erlöser. Häufig findet man gerade auf sehr alten Grabsteine ein Lamm. Es ist das Sinnbild für das Christentum und die Christen. Trägt es eine Fahne, dann symbolisiert es außerdem auch die Auferstehung. Ein Bienenstock, häufig auch mit ihn umschwirrenden Bienen, steht für Fleiß und die Aufopferung für das Gemeinwohl. Das bekannteste Friedenssymbol, die Taube, steht auch für den Heiligen Geist. Auch sie taucht häufig als schmückendes Symbol auf Grabmalen auf. Etwas ungewöhnlich erscheint uns heute die Darstellung eines Pelikans auf unseren abendländischen Grabsteinen. Doch er repräsentiert schon seit dem frühen Mittelalter die christliche Liebe. Die Schlange gilt als Grabwächterin. Sie sorgt dafür, dass der Verstorbene in seiner Ruhe nicht gestört wird. Im späten 18. Jahrhundert wurden häufig Schmetterlinge als Grabschmuck verwendet. Der Schmetterling gilt als Sinnbild für die unsterbliche Seele und die Verwandlung.
Blumen und Pflanzen als symbolischer Grabschmuck
Die (Getreide-) Ähre als lebensspendendes Zeichen steht für den Leib Christi. Sie wird sowohl als einzelne Ähre als auch im Bündel als Ährengarbe dargestellt. Als Symbol des des unzerstörbaren Lebens steht der Baum, denn er wirft im Herbst die Blätter ab, um im Frühjahr zu neuem Leben zu erwachen. Der Palmzweig gilt als Siegeszeichen – besonders über den Tod. Auf Grabsteinen findet man neben dem Palmzweig auch Palmwedel oder auch ganze Palmen. Auch die Rose wird als Grabsteinschmuck verwendet. Sie ist das allseits bekannte Zeichen für die Liebe und das Glück. Und eine Weinrebe oder Weintraube weist nicht unbedingt darauf hin, dass in diesem Grab ein Winzer ruht. Sie gilt schon seit der christlichen Frühzeit als Sinnbild des Leibes und Blutes Christi.
Schriftzeichen und Abkürzungen auf alten Grabsteinen
Alpha und Omega - der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabeths stehen sinnbildlich für den Lebensanfang und den Tod. Jesus sagte: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Das Christusmonogramm IHS sind die ersten drei Buchstaben des griechischen Wortes für Jesus: I bedeutet J, H ist gleich E und S bedeutet S. Daneben gibt es noch eine lateinische Tradition der Auslegung: Jesus Hominum Salvator, was soviel wie Jesus, Retter der Menschen bedeutet. Ein weitere volkstümliche Auslegung lautet: Jesus Heiland Seligmacher. Die drei Buchstaben R.I.P. sind die Abkürzung von: Requiscat in pace, das heißt "Er (sie) möge in Frieden ruhen". Im englischsprachigen Raum wird sie als „Rest in Peace“ gedeutet.
Weitere symbolische Objekte auf Grabsteinen
Das Ankerkreuz wird auch Mondsichelkreuz genannt. Der Anker symbolisiert die christliche Hoffnung. Brot und Wein symbolisieren das heilige Abendmahl. Das Brot steht dabei für die Hostie und der Wein für den Kelch, in dem der Abendmahlswein gereicht wird. Ein Buch auf einem Grabstein oder auch ein Grabstein in Form eines Buches erinnert an die Offenbarung des Johannes – er spricht hier vom "Buch des Lebens". Das Auge des Dreieinen Gottes umgeben von Strahlen in einem Dreieck oder einer Pyramide ist das Sinnbild dafür, dass der allmächtige und allgegenwärtige Gott auch auf mein Leid sieht und sich meiner annimmt.
Eine aufrechte Fackel ist das Symbol für das Leben, eine gesenkte für das erloschene Leben, also den Tod. Häufig werden zwei gesenkte, gekreuzte Fackeln auf Grabsteinen dargestellt. Zwei erhobene Hände, die sich mit den Daumen berühren, sieht man häufig auf jüdischen Grabsteinen. Sie stellen die segnenden Hände von Männern aus dem Geschlechte Aaron dar. Nur Nachfahren dieses Geschlechts schmücken ihre Gräber mit diesem Symbol. Der Kranz führt in sich selbst zurück und ist daher das Sinnbild für Einheit und Vollkommenheit. Im Christentum steht das Kreuz für den mitleidenden Gott, der aus Barmherzigkeit den Schmerz der Welt auf sich nimmt und überwindet. Eines der ältesten Symbole überhaupt ist die Krone oder Siegeskrone. Biblisch steht die Krone für Ruhm, Ehre und Freude.
Für den heiligen Geist im Menschen oder für Jungfräulichkeit steht eine Öllampe oder ein Licht. Es findet sich häufiger auf jüdischen Friedhöfen, kommt aber auch auf christlichen Grabsteinen vor. Die Sanduhr symbolisiert die schnell eilende Zeit und die Vergänglichkeit. Man findet sie oft in Verbindung mit einem Totenkopf oder Gebeinen. Für das Leben steht unser wärme- und lichtspendendes Zentralgestirn – die Sonne. Und das kennen Sie ja auch aus der Justiz: Die Waage symbolisiert die Gerechtigkeit. Wenn Sie historische Friedhöfe lieben – im Internet pflegt der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) ein Friedhofsverzeichnis.
