Was bedeutet "hörgeschädigt sein"?

Was bedeutet es, hörgeschädigt zu sein? Welche Auswirkungen hat es? Wie groß ist die psychische Belastung? Ein Fallbeispiel.

Die Sinneswahrnehmung „Hören“ ist heutzutage eine Fähigkeit, deren Bedeutung ein normal hörender Mensch fast immer unterschätzt, da er sich über das Ausmaß nicht bewusst ist.

Denkt man aber länger über ausfallendes oder eingeschränktes Hören nach, dann wird einem diese Beeinträchtigung meistens doch bewusst.

Bei einer Einschränkung des Gehörs sind drei Bereiche betroffen:

  • Der erste Bereich betrifft die eigene Person, also die Identität. Damit hängen auch die Selbstwahrnehmung und das Selbstbewusstsein zusammen (= das Ich)
  • Der zweite Bereich betrifft die belebte und unbelebte Umwelt (= das Es)
  • Der dritte Bereich schließlich betrifft die Welt der zwischenmenschlichen Beziehungen und Kontakte (= das Du/das Wir)

Auswirkungen und individuelles Erleben

Die Auswirkungen und das individuelle Erleben eines hörgeschädigten Menschen können sehr unterschiedlich sein. Wer noch wenig mit Hörgeschädigten zu tun hatte, kennt lediglich Symptome der Hörschädigung, etwa eine unverständliche Aussprache, verlangsamte Reaktionen, mangelnder Wortschatz, fehlerhafte Grammatik, fehlerhafter Satzbau oder Hörgeräte und Cochlea-Implantate.

Um das individuelle Erleben eines hörgeschädigten Menschen aufzuzeigen, dient das folgende Fallbeispiel:

Frau X, Mitglied eines Schwerhörigenkreises, berichtet: "Wie es mir als Schwerhörige in einem Wartezimmer erging. Heftige Schmerzen im Kopf zwangen mich, den Arzt aufzusuchen. Das linke Ohr war durch eine Erkältung fast taub, am rechten trage ich eine Hörhilfe. Da ich mich auf diese nicht völlig verlassen kann, schrieb ich alle Beschwerden auf einen Zettel, den ich bei der Anmeldung abgab. Dem Schalter gegenüber nahm ich Platz. Wenn dem Aufruf niemand folgte, fragte ich den Patienten neben mir, ob mein Name gefallen sei. Ich sei noch nicht dran, wurde mir entgegnet. Nach fast drei Stunden vergeblichen Wartens ging ich gleich den anderen für eine knappe Stunde nach Hause, um das Mittagessen anzusetzen. 15 Patienten waren noch vor mir. Als ich zurückkam, waren es noch fünf. Diese wurden nacheinander aufgerufen, zwei nach mir Angemeldete folgten, worauf ich im Sprechzimmer fragte, ob meine Karte verlegt sei. Fünfmal sei ich aufgerufen worden, aber niemals gekommen, sagte der Doktor vorwurfsvoll. Ich entschuldigte mich, dass ich den Aufrufen nicht gefolgt sei, und wies auf meine schriftliche Mitteilung hin. Einer Sehschwachen gegenüber wären die Patienten wohl hilfsbereiter gewesen, als mir, der Schwerhörigen." Ähnliches geschieht täglich und stellt unser Vertrauen zu gesunden Menschen auf eine harte Probe.

Hörbehinderung – eine psychische Belastung

Für hörende Menschen ist es oft nur sehr schwer vorstellbar, dass Hörgeschädigte nicht in der Lage sind, Sprache auf natürliche Weise zu erlernen. Die eigentliche Behinderung ergibt sich aus den veränderten, gestörten und beeinträchtigten zwischenmenschlichen Kontakten und Beziehungen. Die Sprache ist einerseits eine Brücke zur Welt der Hörenden, andererseits stellt sie aber auch eine Barriere dar, da Hörgeschädigte Sprache nicht auf dem normalen Weg erlernen können und fast immer auf eine Kommunikationshilfe angewiesen sind, um mit Hörenden zu kommunizieren.

Aus diesem Grund wird auch kaum eine andere Behinderung hinsichtlich ihrer psychischen Belastung so sehr unterschätzt, wie eine Hörbehinderung.

Es gibt ein berühmtes Zitat von Hellen Keller: "Blindheit trennt von den Sachen, aber Taubheit trennt von den Menschen.“

Vanessa Kathleen Schneider, Vanessa Kathleen Schneider

Vanessa Schneider - - Geboren am 24.3.1986 in Augsburg - hat 10 Geschwister im Alter von 22 - 4 Jahren, zwei davon sind gehörlos - einen ...

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