Heute weiß jeder, dass die DDR ein Unrechtsstaat war. Dies bezweifelt heute niemand mehr. Doch dieser Staat versuchte mit vielen Mitteln und Methoden, besonders die jungen Leute für sich zu gewinnen. Dafür war ihm jedes Mittel recht. Heute gibt es sehr viele Kreditanbieter. Leider auch viele unseriöse Kreditgeber, sogenannte Kredithaie. So manch einer hat dadurch viel Geld eingebüßt. In der heutigen Bundesrepublik ist es nicht einfach, von Banken einen guten Kredit zu bekommen. Für Selbständige und ältere Menschen ist dies so gut wie aussichtslos. Sie bieten den Banken nicht genügend Sicherheiten. Natürlich war ein solch günstiger Ehe-Kredit bei den jungen Paaren in der DDR sehr willkommen. Nur allein für diesen Ehekredit wurden vom Staat jährlich etwa 200 Millionen Mark bezahlt.

In der DDR wurde sehr jung geheiratet

Das Eheeintrittsalter war in der DDR sehr niedrig. Frauen heirateten mit durchschnittlich 22 und die Männer meist mit 24 Jahren. Für die relativ junge Verheiratung gab es mehrere Gründe. Es war einmal, außer der Liebe natürlich, auch der zinslose Ehekredit. Zum Teil war es die Wohnungsnot. Trotz vieler Neubauprogramme blieb dies ein ständiges Problem. Materielles spielte dabei kaum eine Rolle. Mit der Aussicht, von den Eltern weg und schnell in eine eigene Wohnung zu kommen, gaben sich viele junge Leute das Ja-Wort schon sehr früh. Für Mutter und Kind wurde staatlicherseits sehr gut gesorgt. Dies machte eine frühe Entscheidung für Ehe und Familie leicht.

Der Ehe-Kredit für junge Ehepaare in der damaligen DDR

Die Regierung der DDR beschloss 1972 ein Paket sozialpolitischer Maßnahmen. Dazu gehörten unter anderem, eine Rentenerhöhung, Mietsenkungen für Neubauwohnungen, Erhöhung des Mindesturlaub und weitere Verbesserungen für Familien. Völlig neu war diese Art eines Kredites. Diese Neuigkeit sprach sich damals schnell unter den jungen Leuten herum. Wer nach dem Stichtag dem 28.April 1972 heirate, dem räumte die Sparkasse diesen speziellen Ehe-Kredit von 5.000,00 Mark ein. Dieser Kredit war zinslos und hatte eine beruhigende Laufzeit von acht Jahren. Allerdings bekam diesen Kredit vorerst nur, wer jünger als 26 Jahre war und zum ersten Mal heiratete. Man kaufte davon Dinge für den Haushalt, die man noch nicht hatte und was es gab. Dafür musste man jeden Monat 50,00 Mark an die Sparkasse zurück zahlen. Wurde der junge Ehemann während dieser Zeit zur NVA eingezogen, stundete die Bank auch diese Raten für die Zeit des Wehrdienstes.

Die Besonderheiten dieses grünen Ehe-Kredit Briefes

Dieser Ehe-Kredit hatte noch eine spezielle Eigenschaft. Für jedes in der Ehe geborene Baby, erließ die Sparkasse einen Teil dieses Kredites. Beim ersten Kind wurden 1000,00 Mark erlassen. Beim zweiten Kind wurden 1500,00 Mark getilgt und beim dritten Kind wurden 2.500,00 Mark von der jeweiligen Restsumme erlassen. Natürlich holten sich immer mehr junge Eheleute dieses Ehe-Kreditpapier. Es war im A-5 Format und man konnte es bequem beim Einkaufsbummel dabei haben. Dieser Kredit half beim einrichten der Wohnung und machte unabhängig vom Elternhaus. War klar, was gekauft werden sollte, trug die Verkäuferin die Kaufsumme in ein Einlagenblatt des Kreditbriefes. Kam das erste Kind zur Welt, ging das Paar mit der Geburtsurkunde zur Sparkasse und die Schuldsumme wurde entsprechend niedriger. Ab 1976 konnte man zu diesem Grundkredit nochmals 5000.00 Mark in Anspruch nehmen. Damit konnte dann unter anderem auch eine Wohnung ausgebaut werden. Ab 1986 wurde der Kredit auf 7000,00 Mark erhöht. Kurz darauf fiel sogar rückwirkend die Altersgrenze von 26 Jahren.

Weshalb wurde dieser großzügige Ehe-Kredit in der DDR gewährt?

Es sollte mit diesem Ehe-Kredit auch verhindert werden, das die Bevölkerung der DDR immer kleiner wurde. Wie auch in den westlichen Industrieländern stand man vor dem Problem, dass die Bevölkerungszahlen immer weiter zurück gingen. Es wurden immer weniger Kinder geboren, während es im Verhältnis dazu bedeutend mehr Sterbefälle gab. Dazu kam, dass nach dem Mauerbau 1961 es immer mehr Ausreisewillige gab, aber auch die sogenannten Republikfluchten nahmen ständig zu. Nachdem 1965 Jenapharm die erste Pille „Ovosiston“ hergestellt hatte, kam es im Geburtenregister zu dem „Pillenknick“. Seit dem Jahr 1972 wurde gesetzlich ermöglicht, dass die Frauen in den ersten drei Monaten über einen Schwangerschaftsabbruch frei entscheiden konnten. Diese Pille gab es kostenlos. Alle diese Möglichkeiten zur modernen Familienplanung wurden intensiv genutzt. Die Geburtenrate ging vor allem auch deshalb zurück, weil die Mehrheit der Familien auf das dritte und weitere Kinder verzichteten. Aus diesem Grund wurde dieser Ehe-Kredit so ausgelegt, dass die Geburt eines dritten Kindes den Eltern besondere Vorteile brachte. Egal aus welcher Sicht man es betrachtet. Ein solcher Ehe-Kredit half damals vielen jungen Ehepaaren. Er würde schnell und völlig unbürokratisch jedem Antragsteller gegeben.

„Geschichte muss immer wieder neu geschrieben werden. Nicht weil neue historische Tatsachen bekannt werden, sondern weil sich der Standpunkt der Betrachter ändert“. Giovanni Guareschi

Quellen:

  • Eine Chronik deutscher Geschichte – Otus Verlag AG
  • Familiengesetzbuch der DDR
  • Das dicke DDR- Buch - Eulenspiegelverlag
  • ATLAS Faltblätter
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