Was der Jäger in der Landschaft tut

Die ökologische Bedeutung der Jagd für die Kulturlandschaft

Unsere Feldfluren und ... - Volker Wollny
Unsere Feldfluren und ... - Volker Wollny
Jagen ist ein uralter Trieb und macht Spaß. Es ist aber in unserer Kulturlandschaft auch ökologisch notwendig und sinnvoll, da sie nicht von alleine im Gleichgewicht ist.

Selbstverständlich ist in einer reinen Naturlandschaft Jagd nicht notwendig, denn wenn ein Ökosystem sich einmal eingependelt hat, bleibt es von sich aus im Gleichgewicht – so lange es nicht von außen gestört wird. Das Problem bei der Sache ist, dass kaum ein Ökosystem für sich alleine existiert, sondern immer in Beziehung zu benachbarten Lebensräumen steht.

Gestörte Beziehungen zwischen Ökosystemen

So ist zum Beispiel der Nationalpark Berchtesgadener Land nicht lebensfähig, ohne dass dort das Rotwild bejagt wird. Früher wanderten die Hirsche aus dem Gebirge im Winter an die Donau, was heute infolge er Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrswege nicht mehr möglich ist. Bleibt das Wild im Winter jedoch im Bergwald, verursacht es erhebliche Schälschäden, die unter Umständen zur Zerstörung des Waldes führen könnten.

Aus diesem Grund wird das Wild über den Winter eingegattert und gefüttert, was an sich bereits ein Eingriff ist, der in einem Naturreservat nicht stattfinden dürfte und die natürlichen Winterverluste verhindert. In der Folge wuchs der Rotwildbestand so an, dass man ihn jetzt ständig mit der Büchse reduzieren muss.

Ökologie der Kulturlandschaft

Selbst in Naturlandschaften und solchen, die es werden sollen, funktioniert also die natürlich Regulierung oft schon nicht mehr. In Deutschland gibt es jedoch praktisch keine Naturlandschaften mehr, sondern nur Kulturlandschaften. Dass sich hier von selbst ein „natürliches“ Gleichgewicht herrschen könnte, ist lediglich ein schöner Traum.

Kulturlandschaften sind Ökosysteme, die der Mensch geschaffen hat und die daher von selbst nicht im Gleichgewicht sein können. Zu einer ländlichen Idylle, wie sie der Städter sehen möchte, wenn er sonntags in der Feldflur spazieren geht, gehört zum Beispiel, dass man Hasen sieht. Nun ist der Feldhase aber eigentlich gar kein Tier, das bei uns vorkommt, sondern ein Steppentier aus Innerasien. Bei uns konnte er heimisch werden, als durch die Rodung von Wäldern und die landwirtschaftliche Nutzung steppenähnliche Bedingungen entstanden.

Zudem hielt der Mensch früher alle Beutegreifer durch die Jagd kurz, die seinen Nutztieren, und damit auch dem Hasen gefährlich werden konnten. Das ging so lange gut, bis aufgrund der Pelztierzucht in Farmen die Preise für Fuchsbälge in den Keller fielen. Seitdem haben nur noch wenige Jäger Lust, Füchse zu schießen. Dadurch aber gibt es so viele davon, dass kaum noch ein junger Hase überleben kann. Wo hingegen passionierte Niederwildjäger sich die Mühe machen, den Fuchs scharf zu bejagen, gibt es auch noch viele Hasen – und außerdem auch andere Tiere, die unter einer hohen Fuchsdichte leiden, wie etwa bodenbrütende Wiesenvögel.

Unnatürliche Nahrungsquellen in der Kulturlandschaft

Ein Beispiel für ein Tier, dessen Nahrungsbasis sich in der Kulturlandschaft erheblich verbreitert hat, ist das Wildschwein. Der heute verbreitete Maisanbau hat für eine Explosion dieser Wildart gesorgt, ohne die scharfe Bejagung der Schwarzkittel wäre er nicht möglich. Dass die Jagd hier tatsächlich gegenhält, kann man daran sehen, dass die Anfänge der derzeitigen starken Schwarzwildvermehrung in der Zeit zwischen 1940 und 1950 liegen, als die Jagd zunächst wegen des Krieges, vor allem aber dann wegen des Waffenverbotes der Besatzungszeit unterblieb.

Jagdabschaffung funktioniert nicht

Sogar im von Jagdgegnern immer wieder als Positivbeispiel für die Jagdabschaffung strapazierten Schweizer Stadtkanton Genf müssen jährlich laut Schweizer Jagdstatistik bis über 300 Stück Schwarzwild geschossen werden, obwohl Unsummen für „unblutige“ Schwarzwildschadensabwehr wie etwa Zäune ausgegeben werden, genauso wie man dann und wann dort auch die Füchse, Steinmarder und Wildkaninchen von „Umweltaufsehern“ auf Kosten des Steuerzahlers abschießen, pardon, nein, regulieren lässt.

Auch die Fast-Abschaffung der Jagd in den Niederlanden war in dieser Hinsicht eine herbe Enttäuschung: Der dort unter Vollschonung gestellte Fuchs frisst bedrohte Vogelarten (S. 267, S. 295) und muss daher bereits wieder reduziert werden, was natürlich nicht als Jagd bezeichnet wird, Wildgänse vergast man (das ist ja auch keine Jagd) und das sich ungebremst vermehrende Rotwild zerstört durch seinen Verbiss Naturreservate wie die Oostvaarderplassen.

Und das Rehwild?

Ein naturnaher Waldbau, auf den bei uns gerade umgestellt wird, wirft im Hinblick auf das Rehwild seine ganz eigenen Probleme auf: Im Gegensatz zum Altersklassenwald des konventionellen Waldbaus bietet die Naturverjüngung im Dauerwald ideale Lebensbedingungen für das Rehwild, welches sich natürlich entsprechend vermehrt. Demgemäß verbeißt es auch den Wald, was zwar kein ökologisches, aber ein ökonomisches Problem ist. In der Jugend verbissene Bäume werden zwar mit der Zeit auch groß und sehen sogar urig aus, was den Forstwirt aber wenig nützt: Die Holzindustrie fragt „Schreinerstämme“ nach, also gerade gewachsene Schäfte, und keine Baumpersönlichkeiten.

Der Jäger als Landschaftspfleger

Auch aus – das sei zugegeben – egoistischen Motiven setzen sich Jäger für die Landschaft ein. Wer jagen geht, will das in einer artenreichen und schönen Umgebung tun. Die Hege des Wildes besteht daher zu einem großen Teil auch in Biotopverbesserungen, die Geld und Arbeit kosten. Ganz offensichtlich ist der Jagdtrieb hier ein erheblich besserer Geldbeutelöffner und Ärmelaufkrempler als Naturliebe. Jedenfalls investieren Jäger mehr Geld und Arbeit in biotopverbessernde Maßnahmen, als Naturschützer, die hier lieber nach dem Staat rufen, der den Bauern als Landschaftspfleger bezahlen soll. Diejenigen Naturschützer, die man bei Biotopverbesserungen kräftig anpacken sieht – und auch solche gibt es zum Glück nicht wenige – tun das meist in Zusammenarbeit mit den Jägern und denken nicht im Traum daran, diesen das Jagen verbieten zu wollen.

Bei genauem Hinsehen stellt man fest, dass unsere Kulturlandschaft durch das Zusammenwirken von Bauer, Forstwirt und Jäger entstanden ist. Und diese drei erhalten sie auch, wobei es zum Glück auch jede Menge vernünftige Naturschützer gibt, die ihnen dabei helfen und nicht nur nach der Abschaffung der Jagd schreien.

Volker Wollny, Journalist, Autor und Blogger, Saskia Wollny

Volker Wollny - Tätig als Publizist und Freier Dozent, abgeschlossenes Studium als Ingenieur für Produktionstechnik, Gesellenbriefe im ...

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