
- Bei Windeln hat man die Qual der Wahl. - Marlene Hofmann
Wegwerfwindeln machen schon heute einen Großteil unseres Hausmülls aus. Ein durchschnittliches Baby, das nach zweieinhalb Jahren trocken ist, produziert beispielsweise zwei Tonnen Windeln, die in der Müllverbrennung landen. Aber lässt sich dieser Müllberg vermeiden? Wenn ein kleiner Mensch auf die Welt kommt, hat er viele Bedürfnisse. Wirtschaft und Gesellschaft geben frischgebackenen Eltern so viele gute Ratschläge, dass diese die Informationsflut kaum bewältigen können. Besonders im Hinblick auf den Gebrauch von Wegwerfwindeln kontra Stoffwinkeln kann die Recherche schwer werden. Hier spielen viele Faktoren zusammen und es ist schwer herauszufinden, ob Papierwindeln wirklich besser sind für Babys Po, ob Stoffwindeln nicht ihren ökologischen Vorteil durch erhöhten Wasser- und Stromverbrauch beim Waschen wieder verlieren, welche Windeln den Geldbeutel am wenigsten belasten und welche am alltagstauglichsten sind.
Wie ökologisch korrekt sind Stoffwindeln?
Der Nachteil von Wegwerfwindeln klingt schon in ihrem Namen an: Sie landen nach einer Nutzung im Müll. Dagegen kann man Stoffwindeln waschen und unzählige Male wieder verwenden. In den so genannten ökologische Fußabdruck muss man aber auch die Umweltkosten für die Herstellung und Entsorgung der Windel und das Waschen und Trocknen bei Stoffwindeln mit einrechnen. Daran scheiden sich die Geister. Während eine viel zitierte britische Studie 2005 zu dem Schluss kam, dass Wegwerfwindeln und Stoffwindeln etwa den gleichen Umweltschaden anrichten, räumte ein nicht so häufig zitiertes Update der gleichen Untersuchung ein, dass Stoffwindeln durchaus um 40 Prozent umweltverträglicher sind als Einmalwindeln – vorausgesetzt, man wäscht bei nur 60 statt 100 Grad und verzichtet auf Trockner und Bügeleisen. Beim Waschen sollte man also auf die Temperatur achten, umweltverträgliches Waschmittel verwenden und die Wäsche lufttrocknen. Besonders umweltschonend ist es, Stoffwindeln an einen Waschservice zu geben, denn bei der Wäsche von großen Mengen mit effizienten Maschinen wird Wasser und Energie gespart.
Außer dem Wasser- und Energieverbrauch fällt auch der Pestizideinsatz beim (nicht Bio-) Baumwollanbau und der Verbrauch von Zellulose (Papier) sowie der Chloreinsatz beim Bleichen von nicht-ökologischen Wegwerfwindeln ins Gewicht. Hier ist man – aus ökologischer Sicht – am besten beraten, wenn man Stoffwindeln aus Bio-Baumwolle kauft. Man kann inzwischen auch Öko-Wegwerfwindeln kaufen, bei deren Herstellung aus pflanzlichen Rohstoffen beim Bleichen auf Chlor verzichtet wird, welche natürlich teurer als normale Windeln sind.
Was ist das Beste für Babys Po?
Auch wenn es um die Frage geht, was das Beste für den empfindlichen Baby-Po ist, herrscht Uneinigkeit. Die Wegwerfwindel-Werbung verspricht, dass sich das Kind trocken und pudelwohl fühlt, ohne einen wunden Po zu bekommen. Die Hersteller von Stoffwindeln werben ebenfalls mit Wohlgefühl und halten dagegen, dass Stoffwindeln der Babyhaut nicht die natürliche Feuchtigkeit entziehen und keine Chemikalien enthalten. Da Stoffwindeln keine Parfums und andere Chemikalien enthalten, darf man tatsächlich von einem deutlich verringerten Allergierisiko ausgehen. Der medizinische Rat bei einem wunden Baby-Popo lautet häufig, viel Luft an die gerötete Haut zu lassen und beispielsweise einmal eine Stunde zu warten, bevor zur nächsten Windel gegriffen wird. Vor allem aber sollte man häufig Windeln wechseln. Auch wird manchmal empfohlen, die Windelmarke oder sogar zu Stoffwindeln zu wechseln. Umgekehrt, wenn man bereits Stoffwindeln verwendet, kann man es stattdessen mit Papierwindeln versuchen oder zusätzlich ein Wollhöschen über die Stoffwindel ziehen.
Welche Windel ist billiger?
Wenn die Rede auf den Preis kommt, geht die Stoffwindel als eindeutiger Gewinner hervor. Die durchschnittlichen 20 Cent pro Wegwerfwindel und das rund 5000-malige Windelwechseln, bis ein kleiner Mensch trocken ist, summieren sich bei Wegwerfwindeln auf stattliche 1000 Euro. Dazu kommen eventuell noch Extrakosten für die Müllentsorgung, die ein Kostenvergleich auf Baby-Zeit mit etwa 350 Euro veranschlagt. Auch sollte man bedenken, dass die auf dem Markt erhältlichen Komfort-Windeln sich für das Baby so bequem anfühlen, dass es etwas länger braucht, um trocken zu werden als seine Stoffwindel-tragenden Kollegen. Kosten senken kann man aber, indem man Papierwindeln im Angebot kauft. Für rund 20 Stoffwindeln mit Einlagen und Überhosen fallen dagegen beim Kauf einmalig zwischen 300 und 500 Euro an. Dazu kommen Waschkosten (Wasser, Strom, Waschmittel) von 200 bis 300 Euro. Im Schnitt spart man also mit Stoffwindeln mindestens 500 Euro, aber auch 1000 Euro Einsparung sind realistisch.
Was taugt für den Alltag?
Ex und hopp – die Wegwerfwindel ist im Alltag einfach praktisch. Man steckt sie in den Mülleimer und wenn man diesen häufig leert, ist auch die Geruchsbelastung erträglich. Stoffwindeln muss man ebenfalls in einem Eimer sammeln und dann zwei bis drei Mal die Woche bei 60 Grad in die Waschmaschine stecken und trocknen. Dafür spart man sich den Gang in den Supermarkt, um Nachschub zu kaufen. In vielen Städten gibt es verschiedene Firmen, die einen Waschservice für Windeln anbieten. Einmal pro Woche kommt der Windelservice und bringt frische Windeln, zu denen er auch die passenden Wickelhöschen stellt, und holt schmutzige Windeln ab. Auf diese Art werden die Stoffwindeln am ökologisch effizientesten gewaschen und man braucht sich selbst nicht einmal (wie bei Einweg-Windeln) um die Entsorgung zu kümmern. Dies neutralisiert allerdings den Kostenvorteil von Stoffwindeln, ist aber auch nicht teurer als Wegwerfwindeln.
Gerade für Anfänger sind Einwegwindeln mit Klebeverschluss leicht und schnell anzubringen. Aber auch Stoffwindeln kann man inzwischen mit Klett- oder Druckknopfverschluss kaufen, sodass sie schnell platziert sind. Wechseln sollte man beide Windeltypen so häufig wie notwendig, was im Schnitt acht Mal am Tag sein kann. Auf Reisen und unterwegs sind die Vorteile von Papierwindeln nicht von der Hand zu weisen, denn die Wickeltasche kann immer gepackt bleiben und man braucht kein stinkendes Beutelchen mit nach Hause zu nehmen. Glücklicherweise kann man die Hunderte verschiedener Windel- und Wickeltechniken in Ruhe ausprobieren und das Beste für sich und sein Baby herausfinden. Auch eine Kombination aus beiden – für Zuhause und unterwegs und für tagsüber und für die Nacht – ist denkbar.
Quellen:
Zur Umweltverträglichkeit von Windel: Real Nappies for London
Medizinischer Rat bei wundem Baby-Po: Netdoktor
