Cortison bzw. Glucocorticoide werden von Ärzten häufig verordnet. Sie gehören zu den stärksten antientzündlichen (antiphlogistischen) Arzneimitteln, die es gibt. Daher werden sie gerne bei rheumatischen Beschwerden, aber auch bei Allergien eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete für Glucocorticoide sind entzündliche Hauterkrankungen (Schuppenflechte,Ekzeme), Allergien oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).
Cortisol ist ein Stresshormon und wird in der Nebennierenrinde produziert
Auch der Körper produziert Cortison. Das wichtigste körpereigene Glucocorticoid ist das Cortisol. Es wird aus Cholesterin in der Nebennierenrinde produziert. Cortisol ist ein Stresshormon. Die Produktion von Cortisol kann in Zeiten körperlichen und psychischen Stresses deutlich erhöhen. Physiologisch ist eine Cortisolproduktion von 15- 60 mg pro Tag. In stressigen Zeiten kann diese Produktion schon mal auf 200mg pro Tag ansteigen.
Der Regelkreis der Cortisolproduktion
Die körpereigene Cortisolproduktion unterliegt einen strengen Regelkreis. Dieser Regelkreis beinhaltet den Hypothalamus, die Hypophyse und die Nebennierenrinde. Der Hypothalamus im Zwischenhirn ist der obere Taktgeber. Schüttet der Hypothalamus CRH (Corticotropinreleasing- Hormon) aus, so wird die Hypophyse im Zwischenhirn zur Produktion von ACTH (adrenocorticotropes Hormon) veranlasst. Die Ausschüttung ins Blut erfolgt dort aus dem Hypophysenvorderlappen. Das ACTH im Blut veranlasst die Ausschüttung von Cortisol aus der Nebennierenrinde. Zirkuliert Cortisol ausreichend im Blut, hat dies wiederrum einen negativen Rückkopplungseffekt auf die Hypophyse und dem Hypothalamus. Die CRH – Ausschüttung aus dem Hypothalamus und die ACTH- Ausschüttung aus dem Hypophysenvorderlappen werden gedrosselt. So wird sicher gestellt, dass die Cortisolproduktion in der Nebennierenrinde unter Kontrolle bleibt.
Die höchste Cortisolfreisetzung ist zwischen 6- 9 Uhr morgens am höchsten.
Wie wirkt nun Cortisol?
Cortisol ist ein Stresshormon. Wenn man Stress hat, muss der Körper ausreichend Energie zur Verfügung stellen. Durch eine gesteigerte Gluconeogenese (Produktion von Glucose aus Glycerol, Milchsäure) steigt der Blutzuckerspiegel an. Daneben sorgt Cortisol im Blut, dass vermehrt Eiweiß und durch eine Freisetzung von Fetten, mehr Fettsäuren zur Energiegewinnung zur Verfügung stehen.
Außerdem hemmt Cortisol die Resorption von Calcium aus dem Darm. Folge: der Calciumspiegel im Blut sinkt. Die Nebenschilddrüse misst diesen Calciumabfall und schüttet Parathormon aus. Dieses Hormon sorgt für eine erhöhte Osteoklastentätigkeit und damit zu einem verstärkten Knochenabbau.
Hochdosierte oral eingenommene Glucocorticoide und ihre Wirkungen
Auch von außen zugeführte hochdosierte oral eingenommene Glucocorticoide haben diese Wirkungen. Zusätzlich zu diesen physiologischen Wirkungen haben hochdosierte über längere Zeit oral eingenommene Glucocorticoide eine mineralcorticoide aldosteronartige Wirkung. Aldosteron sorgt in der Niere für eine Natriumrückresorption und damit Wasserrückresorption. Folge: Das Blutvolumen erhöht sich und der Blutdruck steigt an.
Weitere Wirkungen
- Entzündungshemmend (= antiphlogistisch) durch verminderte Bildung von Entzündungsbotenstoffen (Zytokine)
- Immunsuppressive Wirkung durch eine Hemmung der Aktivierung von T- Lymphozyten.
- Gestörte Wundheilung durch eine gehemmte Fibroblastentätigkeit und damit Kollagensynthese
- Durch die Hemmung der Histaminfreisetzung kommt eine antiallergische Wirkung zustande.
- Unter der Einnahme von Glucocorticoiden kann sich die Thrombozytenzahl erhöhen.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel niemals ärztlichen Rat ersetzen kann!
