Was ist die WADA ?

Agentur kämpft weltweit gegen das Doping

Leichtathletik, Radpsort, Biathlon, jetzt wieder Fußball. Die WADA befindet sich wegen ihrer kompromisslosen Politik gegen das Doping in der Kritik.

Sascha Goc hätte gerne im deutschen Team bei der Eishockey-Weltmeisterschaft gespielt. Der torgefährliche Verteidiger der Hannover Scorpions ist nicht verletzt, er würde das DEB-Team sicherlich auch gut verstärken, doch Goc winkt ab. Er will sich nicht den verschärften Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) unterwerfen. Deswegen verzichtet er auf eine Teilnahme an der WM im eigenen Land. Er ist freilich nicht der einzige mit seiner Kritik an der Agentur. Tennisspieler, Fußballer, Leichtathleten wenden sich gegen die knallharten Auflagen der WADA. Prominente Namen sind unter den Kritikern zu finden: Der Weltranglisten Erste im Tennis, Rafael Nadal, zählt ebenso dazu wie der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Michael Ballack oder der Weltklasse-Stabhochspringer Danny Ecker.

WADA: Nach bescheidenen Anfängen spektakuläre Erfolge

Gegründet wurde die WADA 1999 nicht zuletzt unter dem Eindruck des Festina-Skandals bei der Tour de France im Jahr zuvor. Ihr Sitz war ursprünglich in Lausanne, ehe die Agentur ins kanadische Montreal umzog. Das größte Radrennen der Welt stand damals kurz vor dem Abbruch, als zum ersten Mal offenbar wurde, dass bei der Tour flächendeckend gedopt wurde. Bis dahin war Doping bei der Tour eher als individuelle Verfehlung einzelner Sportler betrachtet worden.

In den ersten Jahren blieben der Erfolge der WADA indes eher bescheiden. Tatsächlich erwiesen sich in den Folgejahren alle Toursieger als gedopt. Inzwischen jedoch hat die WADA einige spektakuläre Erfolge verzeichnet. So wurden in den Labors der Agentur bereits Dopingmittel wie das EPO der dritten Generation nachgewiesen, die bislang als nicht nachweisbar galten.

WADA-Chef John Fahey straft seine Skeptiker Lügen

Als 2007 John Fahey Nachfolger von Robert Pound als Chef der WADA wurde, schlug dem ehemaligen australischen Finanzminister viel Skepsis entgegen, da er nicht aus der Sportadministration stammte. Ganz unverholen wurde ihm mangelnde Sachkenntnis vorgeworfen. Tatsächlich ist die Arbeit der WADA seit seinem Amtsantritt ungleich auffälliger geworden. Vor allem die kompromisslosen Vorgaben zu Dopingkontrollen haben unter Athleten und Funktionären schon zu heftigen Diskussionen geführt. „Der Verlust der Intimsphäre“ ist dabei der Hauptvorwurf, der der WADA gemacht wird. Tatsächlich scheint es fast so, als versuche die Agentur den gläsernen Athleten zu schaffen. Sportler, die der Kontrolle der jeweiligen nationalen Dopingagentur unterliegen, müssen zum Beispiel drei Monate im Voraus ihren Aufenthaltsort angeben, damit sie jederzeit für Kontrolleure erreichbar sind. Vor allem aus den Reihen der Tennisspieler wird dies als absolut wirklichkeitsfremd beschrieben. Sie reisen zwar pausenlos von einem Turnier zum anderen, aber oft hängt es einfach davon ab, in welcher Runde ein Tennisspieler ausscheidet, wo er in der kommenden Woche spielt.

Serena Williams sieht Intimsphäre bedroht

Viele Sportler bringt es zudem in Rage, dass sie bei der Antidopingagentur WADA für jeden Tag in der Woche eine Stunde angeben müssen, in der sie für Dopingkontrolleure anzutreffen sind. Die Tennisspielerin Serena Williams meint, „die Regeln dringen in die Intimsphäre ein“. Michael Ballack fühlt sich behandelt wie „ein Krimineller“. Der Manager von Manchester United, Sir Alex Ferguson, spricht von „einem logistischen Alptraum“. Wer bei solchen Kontrollen nicht angetroffen wird, dem kann es schlecht ergehen. Selbst kleinere formale Verstöße werden rigoros geahndet. Drei Verstöße gelten als positiver Dopingtest mit den daraus resultierenden Strafen, also mindestens eine zweijährige Sperre. Es kann sogar noch schlimmer kommen: Verliert ein Kontrolleur nach Ende des Wettkampfes einen zur Dopingkontrolle bestimmten Sportler aus den Augen, geht die WADA automatisch davon aus, dass der Athlet einen positiven Dopingbefund verschleiern will. Diese Auslegung wurde den italienischen Fußball-Profis Daniele Mannini und Davide Posannzini zum Verhängnis. Sie kamen eine halbe Stunde zu spät zur Dopingkontrolle und wurden für ein Jahr gesperrt. Ähnliches Ungemach droht den Spielern der TSG 1899 Hoffenheim, Andreas Ibertsberger und Christoph Janker, die beim Spiel gegen Borussia Mönchengladbach zehn Minuten Verspätung hatten.

Der Widerstand gegen die WADA formiert sich

Inzwischen zeichnet sich eine Gegenbewegung zu dem rigorosen Vorgehen der WADA ab. In Belgien haben 65 Sportler gegen die WADA-Regeln geklagt. Ein wichtiges Argument: Die Unschuldsvermutung werde unterlaufen. Eine Klage kündigt auch die internationale Fußballergewerkschaft FIFPro an. Sie will das WADA-Reglement über den Arbeitsschutz aushebeln. Nach dem Fall Mannini/Posannzini traten die Profis der Seria A in einen 15-minütigen Warnstreik.

WADA-Chef John Fahey ficht das alles nicht an. Er hält ein flächendeckendes und knallhartes Überwachungssystem für die einzige Möglichkeit, Doping wirklich effektiv zu bekämpfen. So ganz alleine steht er mit seiner Meinung allerdings nicht. Ausgerechnet in der Tenniswelt, die sich doch scheinbar so geschlossen gegen die WADA-Regeln wendet, gibt es mindestens einen, der Fahey den Rücken stärkt. Ausgerechnet der langjährige Weltranglisten-Erste Roger Federer ist ein Befürworter der WADA-Politik.

Peter S. Kaspar, Peter S. Kaspar

Peter S. Kaspar - Die journalistische Laufbahn begann für mich 1982 beim "Schwarzwälder Boten", zunächst als Lokal- und dann als ...

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