Seit Tausenden von Jahren gehört das Meditieren zum fernöstlichen Kulturkreis, seit einigen Jahrzehnten wird es auch in unserer Kultur praktiziert. Und seit wenigen Jahren ist es nicht nur was für "komische Freaks" oder "Ökos": Stars, Models, Manager, Studenten, Hausfrauen und viele andere, ganz "normale" Menschen, tun es - und das fast überall. Denn meditieren heißt nicht, im Schneidersitz in einer Höhle auf dem Himalaya zu sitzen und mit glasigen Augen vor sich hin zu starren.
Doch was heißt dann eigentlich Meditation?
Meditation ist die intensive Konzentration auf ein Objekt oder eine Sache, so dass man alles andere herum vergisst. Im klassischen Sinne ist das der Atem: Man hört auf nichts anderes als sein Ein- und Ausatmen und versucht damit, alle Gedanken auszuschalten. Schwieriger als es sich anhört, denn wir denken ständig an etwas - und wer sich einmal darin versucht hat, weiß es: Wir denken ununterbrochen, ohne Punkt und Komma, an irgendwelche wichtigen und unwichtigen Dinge.
"Einfachere" Varianten oder Vorstufen, um diesen Zustand zu erlangen, gibt es zu genüge - und hier ist die Bandbreite unendlich: Singen, Stricken, Klettern, der Trommel der Waschmaschine beim Drehen zuschauen, dem Meeresrauschen zuhören, Sterne gucken - egal, was man tut, es geht um die Konzentration auf eine einzige Sache. So multi-tasking-fähig wie wir in unserer heutigen Zeit sind, so wenig sind wir one-task-fähig - es fällt uns schwer, uns nur mit einer Sache zu beschäftigen. Noch schwieriger ist es, sich mit gar keiner Sache zu beschäftigen - oder warum gehört Einzelhaft zu den schlimmsten uns erdenklichen Strafen?
Doch was ist der Sinn und Zweck von Meditation?
Meditation beruhigt den Geist und lässt uns klarer sehen, es ist quasi eine mentale Reinigung. Wir treten aus dem Bewusstsein zurück und beobachten unsere Gedanken von einer anderen Perspektive aus, nämlich von außen. Und wie wir es aus dem richtigen Leben kennen: Außenstehende haben meist eine strukturiertere Sicht von gewissen Angelegenheiten als Menschen, die direkt involviert sind. Zudem gelangen wir durch Meditation mehr und mehr in das Jetzt, in den Augenblick, und distanzieren uns so von Zukunft und Vergangenheit. Durch diese Distanz eliminieren wir Ängste und Sehnsüchte, die nur mit dem Befassen von Zukunft ("ich habe Angst, dieses und jenes könnte irgendwann passieren") und Vergangenheit ("ich hätte gerne wieder so einen Urlaub wie den letzten") entstehen. Befinden wir uns aber in diesem Moment, hier und jetzt, sind diese Gedanken nichtig. Durch Meditation bringen wir uns ins dahin sowie zu uns selbst - mit der Zeit können wir diese Fähigkeit mit in den Alltag bringen und dadurch selbst in schweren Situationen bei uns zu bleiben. Damit wiederum reduzieren wir unser Stresslevel, was keinesfalls zu unterschätzen ist, denn Stress ist eine der Hauptursachen für Depressionen, Krankheit und vorzeitiges Altern.
Wie meditiert man denn nun?
Wer es richtig professionell angehen möchte, kann sich in seiner Nähe ein Meditationszentrum oder ein Yogastudio, das Meditation anbietet, suchen. Yoga ist ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung: Es heißt, Yoga sei "Meditation in Bewegung" - häufig wird empfohlen, Yoga unmittelbar vor der Meditation zu praktizieren.
Wer meditieren erstmal für sich versuchen möchte, kann am besten zu Hause mit einer CD oder DVD, womit die Praxis angeleitet wird, üben. Dadurch wird man häufig wieder "zurückgeholt", wenn man gedanklich abdriftet; außerdem werden in der Regel auch Ratschläge oder Tricks vermittelt, wie man am besten dabei bleibt. Wer es erstmal ohne Hilfsmittel probieren will, kann sich mit geschlossenen Augen in einen aufrechten Sitz begeben und nur seinem Atem zuhören - erleichtern lässt sich das, indem man die Dauer von Ein- und Ausatmung mitzählt. Eine weitere Möglichkeit ist, sich ein Bild vorzustellen - erlaubt ist alles: von einer hinduistischen Gottheit über einen Palmenstrand, oder eine Farbe, bis hin zum Gemüsehändler von nebenan - Hauptsache ist der Fokus auf ein bestimmtes Motiv. Schön ist, dass keine festen Regeln eingehalten werden müssen und es überall machbar ist: im Bus, unter der Sonnenbank, im Wartezimmer usw. - überall dort, wo man einige Minuten ungestört ist.
Das Wichtigste beim Meditieren ist, dass es kein Zwang wird, sondern Spaß machen soll. Deswegen tun es am Anfang fünf Minuten täglich, mit der Zeit kann man sich langsam steigern. Hier gilt vor allem die Devise: Lieber kurz und dafür häufig als selten viel.
