Was ist ein Biotopaquarium?

In Aquarien die natürlichen Lebensräume nachempfinden

Trübes Biotop in der Natur - Gerhard Ott
Trübes Biotop in der Natur - Gerhard Ott
Aquarien werden von Aquarianern eingerichtet. Der Mensch bestimmt, was in ein Aquarium hineinkommt und was nicht. Er dekoriert sein Aquarium. Biotopaquaristik will mehr.

Der Begriff Biotop stammt aus der Biologie. Er setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort bios (Leben) und topos (Ort). Ein Biotop ist die Gesamtheit der ökologischen Umweltfaktoren einer Tierart oder Lebensgemeinschaft von Tierarten. Das Wort Biotop heißt also soviel wie Ort des Lebens. In der Wissenschaft der Ökologie bezeichnet es den Ort, an dem eine Tier- oder Pflanzenart typischerweise vorkommt und lebt.

Aquarienfische sind besondere Heimtiere

Die Pflege eines Haustieres, wie Hund, Katze, Hamster kann sich nur begrenzt am Biotop orientieren. Denn weder die Reviergröße eines Katers noch das Rudelverhalten eines Hundes ist in einer Wohnung nachahmbar. Die Pflege von Wildtieren im Zoo muss sich ebenfalls beschränken, denn weder einer Hyäne noch einem Strauß kann etwas Ähnliches wie eine afrikanische Savanne inmitten einer Stadt geboten werden.

Ein Aquarium ist tierpflegerisch insofern etwas Besonders, als das typische Milieu – nämlich das Wasser – in dem die gepflegten Tiere und Pflanzen in der Natur leben, in einem Behälter – eben dem Aquarium – bereitgestellt wird. Die vielfältigen Beziehungen tierischer und pflanzlicher Lebewesen zur Umwelt werden bei der Aquarienpflege besonders deutlich.

Asien-Aquarium, Afrika-Becken oder Amazonas-Tank sind keine Biotopaquarien

Die manchmal bei Ausstellungen (früher sogar in Zoos) als „Afrika“-Aquarium oder „Amazonas“-Becken bezeichneten Aquarien sind keine Biotop-Aquarien. Afrika und Amazonas sind geografische Begriffe. Sie umfassen ökologisch mehr als ein Biotop. In Afrika gibt es von Pfützen in der westafrikanischen Buschsavanne, über Regenwaldbächen im Kongo bis zu den großen ostafrikanischen Seen Dutzende, Hunderte, ja Tausende von Biotopen. Das ist auf anderen Kontinenten auch nicht anderes.

Sind Biotopaquarien praktisch möglich?

In einem Biotopaquarium soll ein natürlicher Biotop nachgebildet werden. Es sollen darin vorkommende Fische vergesellschaftet werden. Eine exakte Kopie der Natur erzielt ist kaum möglich. Kein Aquarianer kann im Aquarium kein Biotop wirklich komplett simulieren. Tatsächlich alle Fische aus einem Biotop im Aquarium zu vergesellschaften, hieße auch Räuber und Beute, Parasiten usw. im Aquarium zu versammeln. Im Sinne eines Biotopaquariums gehören nur solche Gegen- und Zustände zu einem Aquarium, die es auch in der Natur gibt. Ein Biotop-Aquarium soll ein Aquarium sein, in dem aufgrund möglichst genauer Kenntnis der Verhältnisse in der Natur die Lebensbedingungen von Aquarienbewohnern in der Obhut des Menschen nachgeahmt werden.

Die Idee des Biotopaquariums geht davon aus, dass bekannt ist, welche Umweltfaktoren beispielsweise für einen Fisch bedeutsam sind. Es gibt Faktoren aus der unbelebten Umwelt und solche, die von den Mitbewohnern des natürlichen Habitats herrühren. Zu den abiotischen Faktoren gehören klimatische und geografische Faktoren von den Temperaturen, Lichtverhältnissen bis zu Jahreszeiten und Wasserstandsschwankungen, ebenso wie physikalische Faktoren in einem natürlichen Gewässer von der Wassertiefe, Strömung bis hin zur Sichtweite unter Wasser; hinzu kommen chemische Faktoren wie Säuregehalt des Wasser, Säurebindungsvermögen („Karbonathärte“), Gesamtsalzgehalte und Gase. Zu den biotischen Faktoren gehören andere Tiere, die Pflanzen, die verfügbare Nahrung oder Feinde sein können, aber auch Schmarotzer und Krankheitserreger.

Biotopaquarien sind nicht zwangsläufig schön

Manche Biotope, in denen viele Aquarienfische zu Hause sind, sind zudem nicht einmal schön, in dem Sinne, wie die meisten Aquarien als schön angesehen werden. Viele Gewässer, in denen Fische leben, sind bis auf Algen pflanzenlos und eher kahl, der Boden ist mit Schlamm bedeckt oder ein undurchdringlicher Wirrwarr an Hölzern, Steinen oder Felsen versperrt den Blick. Dennoch können gerade solche Gegebenheiten für eine artgemäße Pflege von spezialistischen Fischen bedeutsam sein. Ein biotopähnliches Aquarium ist weniger für einen Anfänger als für einen Spezialisten geeignet. Informationen finden sich dazu in Fachzeitschriften und Magazinen.

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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