Was ist ein literarisches Blog?

Definition und Arten von Literaturblogs

Literaturblogs sind mehr als Wortspiele - TopRank Blog
Literaturblogs sind mehr als Wortspiele - TopRank Blog
Linkblog, Plauderblog, Blogroman, Tagebuch - was genau ist ein literarisches Blog? Und was ist es nicht? Hier ist der Versuch einer Definition.

Sind Schriftsteller-Tagebücher literarische Blogs? Muss ein Literaturblog Originalprosa oder -lyrik enthalten? Und bietet die Dynamik der Online-Plattform Blog, die den direkten Austausch von Autor und Leser fördert wie sonst kaum ein zweites Medium, die Möglichkeit der Schaffung neuer Literatur?

Blog – eine Definition

Laut Merriam-Webster Online-Lexikon ist Blog die Kurzform für Weblog und bezeichnet „a web site that contains an online personal journal with reflections, comments, and often hyperlinks provided by the writer,” weist also die folgenden Merkmale auf:

  • Online-Tagebuch
  • mit Betrachtungen
  • Kommentaren
  • und Hyperlinks des/der Autoren

Diese Definition eignet sich als Ausgangspunkt einer Definition für ein literarisches Blog, muss aber ergänzt werden. Sehr wichtig ist zum Beispiel die Kommentarfunktion, die sich nicht nur auf den Autor oder die Autorin des Weblogs beschränkt, sondern auch auf die Leser. Dieser Dialog ist für den Autor eines literarischen Blogs sehr zentral.

Litblog – eine Definition

Neben den oben erwähnten Kriterien kommen für Literatur- oder auch kurz Litblogs genannte Online-Auftritte die folgenden Merkmale hinzu:

  • die Veröffentlichung von Prosa oder Lyrik,
  • der Austausch von Autor und Leser und/oder
  • das Vorstellen neuer literarischer Formen und Inhalte

Das Argument, das öfter gegen Online-Tagebücher von Autoren als Nicht-Litblogs vorgebracht wird, greift nicht, da der Tagebuchcharakter im Blog als solchem enthalten ist und zudem der Inhalt eines Online-Tagebuchs fiktiv ist beziehungsweise dies im Fall eines literarischen Blogs wird, wie unten weiter ausgeführt.

Der Probier- und Pioniercharaktor von Literaturblogs

Theoretisch operieren Literaturblogs und Musiker, die sich zum Üben in die Fußgängerzone stellen, nach den gleichen Prinzipien: Der elektronische Auftritt eines Autors wird dabei zur literarischen Fußgängerzone, in der neue Ideen, Inhalte und Formen relativ risikofrei ausprobiert werden können. Nicht zufällig spiegelt sich dieser Übungscharakter und der spielerische Ansatz schon in den Namen vieler Litblogs wider: "die Sprachspielerin", "Wortwellen", "Parallalie" und ähnliche.

Natürlich hinkt der Vergleich, was die Verteilung des Publikums angeht, da ein literarisches Blog Abonennten haben kann und sich auch sonst durch gezielte Schlagworte und bestimmte Themen eher an Gleichgesinnte richtet als an das allgemeine Publikum, das man in der Fußgängerzone vorfinden würde. Alban Nikolai Herbst (ANH), Autor des literarischen Blogs „Die Dschungel. Anderswelt“ bezeichnet den Auftritt von Weblogs daher als „interaktive Bühne.“

Literarische Blogs als Literatur

Laut seinem im November 2005 in Stuttgart gehaltenem Vortrag „Das Weblog als Dichtung. Einige Thesen zu einer möglichen Poetologie des Weblogs“ versteht ANH unter einem literarischen Weblog „nicht ein Weblog, das literarische Texte veröffentlicht, [...] sondern eine Publikationsform, die sich selber zum poetischen Gegenstand macht.“ Das heißt, das Literaturblog lebt von der Interaktivität, die ein elektronisches Medium mit sich bringt: Es soll über seinen Inhalt diskutiert werden und diese Diskussion selbst zum Gegenstand werden.“

Er führte ebendort weiter aus: „Im Netz schreibt Literatur nicht mehr über, sondern ist. [...] Dichtung ist nicht länger nur Erzeugnis von Kreativität, sondern wirkt ihrerseits kreativ.“ Dieser Ansatz ist interessant, da er der Interaktivität große Bedeutung beimisst und den Dialog selbst zum literarischen Gegenstand macht.

Arten literarischer Blogs

Genau wie die Literatur selbst eine Fülle von Untergattungen erlaubt, sind literarische Blogs breit gefächert. Zunächst hilft es vielleicht, wenn man definiert, was sie nicht sind: Sie sind keine reine Sammlung von Bücherrezensionen oder Linkblogs, die kommentiert oder unkommentiert Linksammlungen zu literarischen Webseiten zusammenstellen. Litblogs im weitesten Sinn sind aber die folgenden:

  • Prosa und/oder Lyrikveröffentlichungen von Autoren
  • Dialoge zwischen Autor und Leser
  • Online-Literaturzeitschriften zu verschiedenen Themen
  • das Blog zum Buch – Online-Begleitliteratur zu veröffentlichten Büchern
  • Schriftsteller-Tagebücher
  • Plattformen für Sprachspiele
  • ein Podium, um Auszüge unveröffentlicher Prosa und/oder Lyrik zu testen
  • die Online-Plattform veröffentlichter oder unveröffentlichter Prosa – „der Blogroman“
  • eine experimentelle Bühne, um neue Literaturformen zu testen

Wie oben gesehen sind die Möglichkeiten, die ein literarisches Blog bietet, breit gefächert. Was die Urheberschaft angeht, können Literaturblogs von Autoren, Autorenvereinigungen, Verlagen oder literarischen Organisationen herausgegeben oder gestaltet werden.

Leser dieses Artikels interessieren sich vielleicht auch für die folgenden weiterführenden Artikel:

Simone Preuss, Steffen Löffler

Simone Preuss - Simone Preuss ist freiberufliche Autorin und Übersetzerin (Englisch–Deutsch, Deutsch–Englisch). Nach dem Studium der ...

rss