Was ist Kunst?

Ein philosphischer Essay

Moderne Kunst - artoffer
Moderne Kunst - artoffer
In Anlehnung an die ästhetische Theorie von Adorno eine Darstellung verschiedener Kunstbegriffe im Bezug auf die Epochen.

Die Frage danach, was Kunst ist und was eben nicht, zählt zu einer der besonders umstrittenen Fragen, die nicht nur in der Philosophie, sondern auch in den verschiedenen Disziplinen und Schulen der Kunst diskutiert wird. Besonders Werke, die unter den Begriff der Modernen Kunst fallen, sorgen oft für Uneinigkeit unter den Kunstkritikern, Kunstliebhabern und Laien.

Der Begriff der Kunst leitet sich von „Können“ ab und bedeutet damit im weitesten Sinne, eine entwickelte Fähigkeit auszuüben. So üben Ärzte die Heilkunst aus und Rhetoriker die Kunst der Rede, ein Tischler beherrscht die Kunst, Möbel herzustellen. Damit ist Kunst das Resultat einer Betätigung, welches überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt.

Im engeren Sprachgebrauch bezieht sich der Begriff Kunst jedoch auf ein Produkt der Kreativität und Kultur: Das Kunstwerk selbst ist das Ergebnis eines schöpferischen Gestaltungsprozesses, beeinflusst durch die Kultur des Schöpfers.

Unterschiedliche Epochen - unterschiedliche Definitionen

Eine Definition des Begriffs Kunst fällt sehr schwer. In verschiedenen Epochen der kulturellen Entwicklungsgeschichte zeichnet Kunst sich durch jeweils andere Merkmale aus. Dadurch wird die epochentypische Kunst nicht nur beeinflusst durch die Kultur, sondern wird maßgeblich durch sie bestimmt und an ihr gemessen. Dabei haben Weltanschauung und Kultur im Laufe der Zeit enorme Wandlungen durchlebt.

Für klassische Künstler in der antiken Welt und der Renaissance etwa bestand der Anspruch, die Wirklichkeit abzubilden. Man versuchte die Natur einzufangen und harmonisch, sowie zeitlos abzubilden. Die Musik der Renaissance zeichnet sich durch reine, volle Töne und einfache Formen aus. Der Anspruch an die Kunst, Wirklichkeit abzubilden, wirkte ebenso im Naturalismus: Nach Georg Schmidt komme es nach diesem Kunstverständnis darauf an, nach „äußerer Richtigkeit“ zu streben.

In der Romantik hingegen strebt der Künstler nicht nach Abbildung der Natur, Harmonie oder Ordnung in seinem Werk. Ein romantisches Kunstwerk zeichnet sich vielmehr dadurch aus, dass es sich von einem strengen klassischen Werk abhebt durch Ausdruck von Gefühl, Leidenschaft und vor allem Individualität. Auch in der romantischen Musik wurden die klassischen Formen der traditionellen Harmonie durch die Betonung eines gefühlvollen Ausdrucks ersetzt. In der Literatur standen Motive der Sehnsucht, Reisen, Mythen und Legenden im Vordergrund der Künstler.

Diese Beispiele zeigen, dass man ein Kunstwerk im Kontext seiner Entstehungsgeschichte betrachten muss, wenn man es beurteilen will. Kunst ist nicht einfach ein Bild oder Musikstück, welches der Rezipient als schön erachtet, sondern es spiegelt die Kultur und damit auch die Maßstäbe an künstlerische Werke der Zeit wieder, in der es entstanden ist. Kunst ist damit nicht nur kreative Leistung eines Künstlers, sondern auch Leistung einer ganzen Kultur, welche den Künstler hervorgebracht und beeinflusst hat.

Das "Problem" der Modernen Kunst und neuen Medien

In den bereits aufgeführten Epochen fällt es im Gegensatz zur modernen und zeitgenössischen Kunst noch relativ leicht ein Werk einzuordnen und nach dem künstlerischen Gehalt zu beurteilen, da für den Gestaltungsprozess und das „Endprodukt“ in Form von Musik, Literatur oder Bild gewisse Regeln und Ideale gelten.

Heute lässt sich der Kunstbegriff allerdings nicht mehr so weit eingrenzen, um eine mögliche Definition zu finden. Die typischen Medien der Kunst (Musik, Literatur und Gemälde) wurden durch neue Medien wie Fotographie, Druck, Film und Rundfunk erweitert. Auch die benutzten Materialien in den Bereichen der Musik und der gestaltenden Kunst haben sich schier endlos vermehrt. Die moderne und zeitgenössische Kunst wird zu großen Teilen von Zügel- und Regellosigkeit bestimmt. Nicht mehr nur das Werk und die epochentypischen Denkmuster gehören zu einem Kunstwerk, denn oft ist nicht die Vollendung, sondern die Art der Entstehung Maßstab für den künstlerischen Gehalt.

Die Kunst hat demnach einen enormen Wandel im Laufe der Menschheitsgeschichte durchgemacht. Zu Beginn war ihr Anspruch, die Wirklichkeit detailgetreu abzubilden und Harmonie zu erzeugen. Kunst war für die Ewigkeit gedacht. Später stellte Kunst die Idealvorstellungen der Menschen dar und wandelte sich schließlich in eine Kunst des Ausdrucks: Gefühle, Sehnsüchte oder Kritik sollte ein Kunstwerk ausdrücken, manchmal macht aber auch eine gewisse Schockwirkung das Werk des Künstlers aus.

Patricia Kutsch, Patricia Kutsch

Patricia Kutsch - Ich bin in Marburg geboren und lebe noch heute im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Von 2005 bis August 2010 war ich dort für die ...

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